Justiz

Richter lockert Auflagen für Pistorius und erlaubt Ausreise

Der mordverdächtige Paralympics-Star Oscar Pistorius darf Südafrika verlassen, um bei internationalen Sportwettbewerben anzutreten. Das entschied ein Richter jetzt in Pretoria.

Voraussetzung ist, dass er den Behörden seine Reisepläne mindestens eine Woche vor Antritt vorlegt und nach der Rückkehr seinen Pass binnen 24 Stunden wieder abgibt. Pistorius’ Anwälte hatten vor Gericht eine Lockerung der Kautionsauflagen für den beidseitig amputierten Sprinter gefordert und in allen Punkten recht bekommen. Pistorius darf nun auch wieder an den Tatort zurückkehren.

Es bestünde keine Fluchtgefahr, hatten die Anwälte des behinderten Profisportlers argumentiert. Immerhin sei ihr Mandant zuvor auch gegen eine Kaution von einer Million Rand (rund 84.000 Euro) aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Dass Pistorius sich regelmäßig bei der Polizei melden müsse und keinen Alkohol konsumieren dürfe, sei „unberechtigt“, sagten die Anwälte. Das gelte auch für das Verbot, in sein Haus zurückzukehren. Richter Bert Bam gab den Anwälten recht und hob die Auflagen auf. Pistorius’ Anwälte lächelten siegessicher nach der Verkündung der richterlichen Entscheidung.

Seit seiner Freilassung am 22. Februar soll Pistorius bei einem Onkel gewohnt haben. Nun darf er in das Haus zurückkehren, in dem er seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen haben soll, und auch mit den Nachbarn sprechen. Das sei nötig, um seine Verteidigung vorzubereiten, sagten die Anwälte. Das Verfahren könnte Ende des Jahres beginnen. Weder Pistorius noch Familienmitglieder waren im Gerichtssaal anwesend. Pistorius’ nächster Auftritt vor Gericht wird am 4. Juni erwartet.

Konkrete Reisepläne gebe es im Augenblick nicht, sagten Pistorius’ Anwälte. Irgendwann müsse der Sportler aber wieder auf die Rennbahn zurück, um Geld zu verdienen. Der Weltleichtathletikverband IAAF teilte mit, Pistorius dürfe bei der Weltmeisterschaft in diesem Jahr an den Start gehen, sofern er sich qualifiziere. Ob er auch an anderen Veranstaltungen teilnehmen dürfe, müssten die jeweiligen Organisatoren entscheiden, sagte IAAF-Sprecher Yannis Nikolau.