Gewalt

Schweizer Touristin in Indien vergewaltigt

Die 39-Jährige war auf einer Rucksacktour, als mehrere Männer sie überfielen und missbrauchten. Ihr Ehemann musste zusehen

Eine Schweizer Touristin ist nach Angaben der Polizei in Indien von einer Gruppe Männer vergewaltigt worden. Wie die indische Polizei am Sonnabend mitteilte, wurde die Touristin am Freitagabend in Zentralindien von sieben bis acht Männern missbraucht. Die 39-jährige Frau sei mit ihrem Mann auf einer Fahrradtour im Bundesstaat Madhya Pradesh in der Nähe der Tempelstadt Orchha unterwegs gewesen, als sich der Überfall am Freitagabend ereignete. Der Ehemann sei zunächst gefesselt worden, anschließend musste er zusehen, wie die Männer seine Frau vergewaltigten. Die Angreifer hätten dem Paar zudem 10.000 Rupien (142 Euro) und ein Handy gestohlen.

Auf dem Weg zum Taj Mahal

Das Ehepaar reiste den Angaben zufolge bereits seit drei Monaten durch Indien und wollte am Wochenende nach Agra fahren, wo sich das berühmte Taj Mahal befindet. In einem Dorf in Madhya Pradesh hätten sie am Tatabend gegen 21 Uhr ihr Zelt aufgeschlagen, erklärte der leitende Polizeibeamte S.M. Afzal. Plötzlich sei eine Gruppe von Männer in dem Waldstück aufgetaucht und habe das Paar überfallen. Die Angreifer seien mit Stöcken und anderen Waffen auf das Paar losgegangen. Der Ehemann sagte gegenüber der Polizei aus, dass vier der Anwesenden die Frau vergewaltigt hätten, während der Rest sie festhielt. Laut einem weiteren Beamten wurde das Opfer in ein Krankenhaus in der Stadt Gwalior eingeliefert. Nach einer ersten Untersuchung bestätigte das Hospital, dass die Frau mehrfach vergewaltigt wurde, berichtete der Sender NDTV. Am Samstag sei die Frau bei Bewusstsein gewesen und habe Auskünfte geben können.

Sie habe angegeben, dass sie und ihr Mann Schweizer Staatsbürger seien, die Nationalität habe aber noch nicht endgültig geklärt werden können. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete unter Berufung auf Schweizer Diplomatenkreise, die Frau stehe unter Schock, habe aber das Krankenhaus von Gwalior am Samstag aber bereits wieder verlassen.

Die Polizei nahm in der Zwischenzeit 13 Tatverdächtige fest. Generaldirektor der Polizei, Nandan Kumar Dubey, sagte, dass die Verdächtigen identifiziert worden seien. Sechs von ihnen seien verhört und wieder freigelassen worden. Man suche jedoch nach weiteren Beteiligten. Auf Aufnahmen indischer Fernsehsender war zu sehen, wie Dutzende Polizisten das Waldstück absuchen, in dem sich der Angriff ereignete.

Dubey erklärte, man habe außerdem den Minister für auswärtige Angelegenheiten und die Schweizer Botschaft über den Vorfall informiert. Das Schweizer Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte den Vorfall, berichtet die Zeitung „Blick“. Die Botschaft sei in Kontakt mit den Behörden vor Ort. Weitere Angaben machte das EDA aus Datenschutzgründen nicht. Die „Times of India“ berichtete, dass der Schweizer Botschafter Linus von Castelmur mit dem Ehepaar gesprochen und ihnen seine Unterstützung angeboten habe.

Dies ist der zweite Vorfall, bei dem eine ausländische Touristin in dem indischen Bundesstaat Madhya Pradesh in der jüngsten Vergangenheit vergewaltigt wurde. Erst kürzlich war es eine nordkoreanische Frau von einem Hotelmanager in der Region Umeria missbraucht worden.

Für weit mehr Aufsehen sorgte die Vergewaltigung einer jungen Inderin, die in einem Bus in Neu Delhi von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange gequält und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden war. Ihr Freund musste die Gewalttat mitansehen. Die junge Studentin wurde so schwer verletzt, dass sie wenige Tage später starb. Die Tat löste in Indien Massenproteste und eine Debatte über Gewalt gegen Frauen aus.

Frauenfeindliche Wirtschaftsnation

Laut einer im Sommer 2012 von der Thomson Reuters Stiftung veröffentlichten Studie ist Indien das frauenfeindlichste Land unter den große Wirtschaftsnationen. Alleine in der Hauptstadt Neu Delhi war 2012 die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent gestiegen. Experten schätzen die Zahl der jährlichen Brautverbrennungen auf 100.000. Opfer seien Frauen, die nach Ansicht der Familie des Ehemanns nicht genügend Mitgift einbringen. In die Zehntausende geht auch die jährliche Zahl von Abtreibungen weiblicher Föten beziehungsweise der Tötung neugeborener Mädchen.