Kriminalität

20 Tonnen belastetes Putenfleisch in Deutschland verzehrt

Düsseldorf – Nach dem Skandal um die Lieferung von tonnenweise Antibiotika-belastetem Putenfleisch aus Rumänien hat Nordrhein-Westfalen Konsequenzen gefordert. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) müsse den Einsatz von Reserve-Antibiotika in der Tiermast verbieten, sagte ein Sprecher von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf. Fast 20 Tonnen belastetes Putenfleisch waren aus Rumänien nach NRW gelangt, weiterverarbeitet und in mehrere Länder ausgeliefert worden. Unter anderem wurde das Fleisch als „Tandoori“-Pute an Kantinen geliefert.

In der verarbeiteten Pute waren die Antibiotika-Werte zum Teil 27 Mal höher als erlaubt. Wahrscheinlich sei ein Großteil der Ware schon verzehrt, hieß es. Akute Gesundheitsgefahr bestehe dadurch aber nicht. In Proben waren Rückstände des Reserve-Antibiotikums Enrofloxacin festgestellt worden. Es bestehe der Verdacht, dass durch den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast das Entstehen multiresistenter Keime begünstigt werde. Enrofloxacin wird auch an Menschen verschrieben.

Eine Firma aus dem Münsterland verkaufte das Fleisch an Kantinenbetreiber und Händler in Deutschland, Großbritannien und Österreich. Rund 15 Tonnen gelangten nach NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen. Derzeit werde die Lieferkette zurückverfolgt, sagte Ministeriumssprecher. Außerdem werde ermittelt, ob es noch weitere Puten-Lieferungen gegeben habe.

Ein Warendorfer Betrieb hatte die 19,5 Tonnen Fleisch im Juni 2012 tiefgefroren aus Rumänien bekommen und Ende des Jahres angefangen, es zu verarbeiten. In einer Großkantine in Münster waren fast 200 Kilo schon ausgegeben worden, 45 Kilo konnten die Behörden noch sicherstellen. In zwei Lagern im Kreis Warendorf wurden Fleischbestände gesperrt

Die Verbraucherzentralen raten, im Zweifel auf Fleisch von Anbietern auszuweichen, die nur wenig Medikamente bei der Tiermast einsetzen und die Hähnchen auch artgerechter halten, ihnen also etwa mehr Auslauf geben.