Verkehrssicherheit

Spiegel an der Ampel soll Radfahrer retten

Münster testet das System aus den Niederlanden jetzt im Alltag

Ein Spiegel unter der Ampel soll die Zahl schwerer Radfahrer-Unfälle an Kreuzungen künftig senken. Die Fahrradstadt Münster testet das System seit Freitag. Unter dem Grünlicht hängt dabei ein Spiegel, der vor allem Lastwagenfahrern den toten Winkel neben ihrem Fahrzeug zeigt. Jedes Jahr verunglücken mehrere Hundert Radfahrer in Deutschland, weil die Fahrer von Autos, Lastwagen und Bussen sie beim Abbiegen übersehen.

Die Ursache dieser Unfälle dürfte häufig der tote Winkel gewesen sein, vermutet das nordrhein-westfälische Innenministerium. Münster testet die neue Spiegel-Ampel vorerst an zwei Stellen. In den Niederlanden wird das System bereits erfolgreich eingesetzt.

In Berlin wollen Verkehrsfachleute unterdessen darüber beraten, wie Autofahrer, Radler und Fußgänger öffentliche Räume ganz ohne Ampeln und Verkehrsschilder gemeinsam besser nutzen können. Die Idee des sogenannten Shared Space ist Thema eines bundesweiten Umwelt- und Verkehrskongresses an diesem Wochenende. Bereits 40 Städte testen das Verkehrskonzept für mehr gegenseitige Rücksichtnahme in Deutschland. Auch dieses Konzept wird bereits erfolgreich in den Niederlanden eingesetzt. „Natürlich ist nicht jede Durchgangsstraße dafür geeignet. Aber an platzähnlichen Situationen mit hoher Aufenthaltsqualität funktioniert es sehr gut“, sagte Anja Hänel vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu begrenzen sei jedoch Voraussetzung.

Wichtig sei, den gleichberechtigt genutzten Raum optisch von normalen Straßen abzutrennen. „Zum Beispiel durch einen anderen Pflasterbelag und den Verzicht auf klar abgetrennte Wege für Autos, Radler oder Fußgänger“, sagte Hänel. So bewege sich jeder automatisch aufmerksamer. Am Berliner Alexanderplatz sei ein solcher Ort entstanden, auch in Aachen oder am Duisburger Opernplatz funktioniere das Konzept: „Es ist nicht nur für Kleinstädte gedacht.“

Dennoch hat die Kleinstadt Bohmte bei Osnabrück bundesweit Vorbildcharakter: Sie erprobt Shared Space seit 2008. Dort stieg die Zahl der Unfälle mit leichtem Sachschaden zunächst zwar geringfügig an – aber es gab prozentual weniger Personenschäden.

Außer dem VCD arbeiten im Netzwerk Shared Space auch die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung, der Fachverband Fußverkehr und der Radfahrerverband ADFC mit.