Fernsehen

Poker-Profi erzockt sich eine Million bei Günther Jauch

Unnützes Wissen hat dem Münchner weitergeholfen

Schon jetzt spricht man bei diesem Moment von einem historischen TV-Ereignis: Der Münchner Pokerspieler Sebastian Langrock sitzt bei „Wer wird Millionär?“. Es geht um eine Million Euro. Die Frage: „Wer sollte sich mit der ,20nach vier‘-Stellung auskennen?“ Noch bevor Moderator Günther Jauch die vier Antwortmöglichkeiten aufzählen kann, zuckt der Kandidat. Er verlässt seinen Stuhl, er ballt die Faust. Es solle jetzt irgendwas mit „Kellner“ kommen, sagt er. Und tatsächlich. Ein Kellner muss die Stellung kennen, weil sie die Lage von Besteck beschreibt. Antwort C: Kellner. Das Publikum tobt. Kurz darauf loggt Jauch die Antwort ein. Sebastian Langrock ist um eine Million Euro reicher.

Was für eine Geschichte! Ein 36-Jähriger, der sich selbst als Pokerprofi bezeichnet, zockt sich zum ganz großen Geld. Klar, er liebt ja das Spiel. Und er kann Menschen lesen. Später gibt er sogar an, dass er aus Jauchs Gesichtsausdruck die Antwort auf eine zuvor gestellte Frage ableiten konnte. Auch die Quote ist gewaltig: über sechs Millionen Zuschauer. So viele hatte Jauch lange nicht mehr. Doch schon wenige Minuten nach Langrocks Triumph schießen die ersten hämischen Kommentare durch die einschlägigen Poker-Foren. Dort bezeichnet man Langrock wahlweise als „Lucker“ (Glückspilz), „Suck-outer“ (Spieler, der trotz einer ursprünglich extrem schlechten Hand gewinnt) oder „Fish“ (wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Leute, die Geld verlieren).

Der 36-Jährige ist der achte Millionär bei der Quizshow „Wer wird Millionär?“. Für die Millionenfrage in der 1073.Folge der Sendung verzichtete er sogar auf seinen letzten Joker: „Ich war mir zu 99,9 Prozent sicher und wollte nicht von einem, der keine Ahnung hat, einen falschen Input bekommen“, sagte der Münchner in einem Interview mit RTL. Zum letzten Mal hatte der Hannoveraner Ralf Schnoor im November 2010 die Million gewonnen. Langrock konnte die letzte Frage auf Anhieb beantworten, weil er darüber etwas in einem Buch über unnützes Wissen gelesen hätte. „In dem Moment, als ich da auf dem Stuhl saß, die Frage kam und ich die Antwort wusste, habe ich eine Gänsehaut bekommen“, sagte der Gewinner.

Der Münchner hatte zuvor unter anderem Fragen nach dem Bestand einer Entourage und den Motoren von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel richtig beantwortet. Langrock verdient seinen Lebensunterhalt mit Pokern, spielt im Internet und im Kasino. Dies habe ihm bei seiner Nervosität geholfen. „Wenn du in so einem Turnier mitspielst, wo dann auch viele Kameras um dich rumstehen und es auch um viel Geld geht, dann lernst du, mit dem Druck umzugehen, und Entscheidungen zu treffen, bei denen es wirklich um viel Geld geht.“

Einen Teil seines Gewinns wolle er unter anderem bei Turnieren der World Series of Poker im Sommer in Las Vegas einsetzen. „Das Ziel ist es, aus der Million zwei zu machen, und nicht, das zu verballern“, erklärte Langrock. Nach Angaben von RTL möchte er zudem vielleicht einen Snooker-Klub oder eine Bar in München eröffnen. Zum ersten Mal gewann ein Kandidat, der sich für die Risikovariante mit vier Jokern entschieden hatte.