Verbraucher

Die Fabrik der grünen Würste

In Polen soll Gammelfleisch unter frische Produkte gemischt worden sein

In einer polnischen Fleischfabrik ist offenbar tonnenweise vergammeltes Fleisch verarbeitet worden. Lebensmittelinspekteure schlossen den Betrieb im Norden des Landes am Freitag. Der Sender TVN24 hatte zuvor Bilder von grün verfärbten Würsten gezeigt, die nach anonymisierten Aussagen von Beschäftigten bei der Produktion untergemischt wurden.

Ein Angestellter sagte, Monat für Monat seien Tonnen von Gammelfleisch den angeblich frischen Produkten zugefügt worden, nur um Kosten zu sparen. Die Firma exportiert auch in EU-Staaten. Mögliche Auswirkungen auf Nachbarländer wie Deutschland sind noch unklar. „Bisher gibt es keine Mitteilung im europäischen Schnellwarnsystem über Warenlieferungen in andere Mitgliedsstaaten“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherministeriums auf Anfrage am Sonnab. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Vergammeltes Fleisch sei niemals in der Produktion untergemischt worden. Die Anschuldigungen seien „haltlos“, teilte die Firma laut TVN24 mit. Zuvor hatte der Fernsehsender berichtet, das Unternehmen habe verdorbene Waren oder Produkte mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum mit frischem Fleisch vermischt. Ein Sprecher des Verteidigungsministerium sagte der polnischen Nachrichtenagentur PAP, das Militär habe die seit Jahresbeginn bestehenden Lieferverträge mit der Firma ausgesetzt. Bisher seien 25 Militäreinheiten mit Fleisch und Wurst des Unternehmens versorgt worden. „Wenn sich das der Gammelfleisch-Verdacht bestätigt, wäre das ein absoluter Skandal“, twitterte Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak.

Zuletzt hatte der EU-weite Pferdefleischskandal die Verbraucher aufgeschreckt. In zahlreichen Ländern tauchten Fertigprodukte auf, die statt des angegebenen Rindfleisches Pferdefleisch enthielten. In Portugal haben sich Befürchtungen bestätigt, wonach nicht deklariertes Pferdefleisch auch das für den Menschen gefährliche Schmerzmittel Phenylbutazon enthalten könnte. Die gefundenen Spuren des Arzneimittels in pferdefleischhaltigen Produkten der französischen Lebensmittelkette „Auchan“ seien aber sehr gering, teilten die portugiesischen Behörden mit. Demnach geht von den betroffenen Lebensmitteln keine Gesundheitsgefährdung aus.

Die Lebensmittelprüfer bestätigten den Fund der portugiesischen Verbraucherorganisation DECO, die das Phenylbutazon zuvor in den Auchan-Produkten entdeckt hatte. Seit Wochen erschüttert der Skandal um nicht ausgewiesenes Pferdefleisch in Lebensmitteln mehrere europäische Länder, darunter auch Deutschland. Es war von Beginn an befürchtet worden, dass das illegal verarbeitete Pferdefleisch Phenylbutazon enthalten könnte. Der Einsatz dieser Arznei ist in der Aufzucht von Tieren für den Lebensmittelhandel zwar verboten, findet aber bei Rennpferden Verwendung. In Deutschland ist in nicht-deklariertem Pferdefleisch bislang kein Phenylbutazon entdeckt worden.