Religion

„Mutter Teresa war alles andere als eine Heilige“

Forscher kritisieren in neuer Studie Image der Missionarin

Selbstlos und barmherzig – so wurde Mutter Teresa zeitlebens weltweit wahrgenommen. Doch die Missionarin, heißt es nun, sei „alles andere als eine Heilige“ gewesen. Mehr als 14 Jahre nach ihrem Tod kratzen drei angesehene kanadische Wissenschaftler der Universitäten von Montreal und Ottawa an dem positiven Bild. „Unsere Analyse der Fakten deckt sich in keiner Weise mit dem Heiligenbild, was die Welt von Mutter Teresa hat“, sagt der Leiter der Studie, Serge Larivée, ein Psychologieprofessor an der Universität von Montreal. Zusammen mit seinen Kolleginnen Geneviève Chénard und Carole Senechal hatte der Psychologe Hunderte Berichte über das Leben und Werk von Mutter Teresa untersucht.

Mutter Teresa, so sagt Wissenschaftler Larivée, habe sich am Ende ihres Lebens in den USA behandeln lassen und ihr eigenes Leiden sogar mit palliativen Methoden gelindert. Den Armen, um die sie sich kümmerte, habe sie diese Behandlungen möglicherweise verweigert. Insgesamt 517 Armen- und Krankenhäuser in mehr als hundert Ländern hatte Mutter Teresa nach ihrem Tod 1997 im indischen Kalkutta hinterlassen. „Nach Berichten von Ärzten“, schreiben die Wissenschaftler, „sollen die Armen und Kranken dort unter katastrophalen und unhygienischen Zuständen dahinvegetiert sein.“ Wie es in der Studie weiter heißt, wurden den Schwerkranken und Todgeweihten in den Häusern von Mutter Teresa sogar Schmerzmittel verweigert – obwohl es in den Unterkünften keine Engpässe gegeben habe.

Dennoch loben die Wissenschaftler den positiven Effekt, den Mutter Teresa auf die Hilfsbereitschaft der Menschen hatte. „Sie hat mit ihrer Arbeit viele Leute inspiriert“, schreibt Larivée. Gewünscht hätten sich die Forscher allerdings ein etwas kritischeres Bild von all den angeblichen Wundern von Mutter Teresa. „Obwohl sie viel bewirkt hat“, sagt Larivée. „Eine Heilige ist sie dadurch nicht geworden.“