Artenschutzabkommen

Wenn Tiere nicht mehr sicher sind

Wilderer schlachten zunehmend bedrohte Tiere ab, vor allem in Afrika und Asien. Experten fordern jetzt ein internationales Vorgehen

Das Abschlachten bedrohter Tierarten und die Vernichtung von Tropenwäldern haben beängstigende Ausmaße angenommen. Mit dieser Botschaft schlugen die Auftaktredner bei der Cites- Artenschutzkonferenz in Bangkok am Sonntag Alarm. „Das Ausmaß hat Krisenproportionen angenommen und ist mit dem globalen Rauschgift – und Waffenhandel vergleichbar“, sagte Achim Steiner, Direktor der UN-Umweltprogramms. „Gegen den illegalen Handel vorzugehen ist eine Sache globaler Dringlichkeit“, betonte John Scanlon, Chef des Sekretariats des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites).

Rebellenarmeen mit Waffen

Betroffen sind unter anderem das Breitmaulnashorn, dessen Horn in Vietnam und China als Wundermittel reißenden Absatz findet, und Elefanten. „In vielen Teilen Afrikas werden jedes Jahr elf bis zwölf Prozent der Bestände wegen des Elfenbeins getötet“, sagte Steiner. Oft seien Rebellenarmeen mit Waffen am Werk oder internationale Syndikate mit raffinierten Hightech-Methoden, etwa zum Hacken von Computern, um Lizenzen zu fälschen. „Das kann die Stabilität und Wirtschaft der Länder bedrohen“, sagte Scanlon. Bis zu 90 Prozent der Abholzung von Tropenwäldern ist nach Angaben von Steiner in den Händen organisierter Banden.

Scanlon sagte, das Abschlachten von Afrikanischen Elefanten und Nashörnern habe das schlimmste Niveau seit Jahrzehnten erreicht. Schuld seien Wilderer, Rebellen und mafiaähnliche Syndikate, die grenzüberschreitend organisiert seien. Der internationale Elfenbeinhandel ist von der Cites im Jahr 1989 verboten worden. Nicht erfasst wurde aber der Handel innerhalb eines Landes. Dies eröffnet Kriminellen nach Angaben von Tierschützern die Möglichkeit, illegal erbeutetes Elfenbein in Länder wie Thailand zu schmuggeln und dort als nationalen Handel auszugeben.

Die 178 Unterzeichnerstaaten des 40 Jahre alten Cites-Abkommens beraten bis zum 14. März, bei welchen Tier- und Pflanzenarten der Handel künftig verboten, eingeschränkt oder gelockert werden soll. Auf den Cites-Schutzlisten stehen rund 35.000 Arten. Bei drei Prozent davon ist der Handel gänzlich verboten. Die 2000 Delegierten müssen über 70 Anträge entscheiden. Die Miss Universe von 2005, Natalie Glebova, posierte im Konferenzzentrum mit Kindern in Elefanten- und Tigerkostümen für einen besseren Schutz der Tiere.

Deutschland setzt sich dafür ein, den Handel mit fünf Hai- und Mantarochen-Arten unter Aufsicht zu stellen. Die Anträge werden unter anderem von Brasilien, den USA und Ägypten unterstützt. „Dieses Treffen könnte endlich die längst überfällige Wende bringen“, sagte die deutsche Delegationsleiterin Elsa Nickel. Der Schutz des Heringshais war bei der Cites-Konferenz vor drei Jahren knapp gescheitert. Viele Länder wehren sich gegen Schutzmaßnahmen, denn der Handel mit Wild ist lukrativ.

Haie seien nicht nur wegen der in Asien als Delikatesse geltenden Flossen gefährdet, sagte Hai-Spezialistin Sarah Fowler: „Wir haben die Haie in der nördlichen Hemisphäre schlicht aufgegessen.“ Im Mittelmeer lebt nur noch ein Prozent der Heringshai-Bestände der 50er- und 60er-Jahre, im Nordostatlantik sind es nur noch sechs Prozent. In der EU stehen Heringshaie unter Schutz.

Die USA wollen Eisbären auf die Handelsverbotsliste setzen. Sie werden als Trophäen oder wegen ihrer Felle gejagt. Die Umweltstiftung WWF hält dies für ein Feigenblatt der Amerikaner. „Ein Handelsverbot wird den Eisbären wenig nutzen, es werden nur wenige gejagt“, sagte Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. „Die Hauptbedrohung für die Eisbären ist der Klimawandel – und das Problem gehen die Amerikaner nicht an.“

Für Verwirrung sorgte zum Auftakt der Konferenz Thailand. Das Land steht als Drehscheibe für Elfenbeinschmuggel am Pranger. International ist der Handel mit Elfenbein verboten, in Thailand darf aber mit den Stoßzähnen der 4000 heimischen Zuchtelefanten gehandelt werden. Schmuggler deklarieren dort deshalb Elfenbein afrikanischer Elefanten als thailändische Stoßzähne. Thailand arbeite daran, „dem Elfenbeinhandel ein Ende zu setzen“, sagte Regierungschefin Yingluck Shinawatra. Der WWF jubelte. Rohstoff- und Umweltminister Preecha Rengsom-Boonsuk widersprach aber später. Er verneinte, dass ein generelles Handelsverbot geplant sei.

Ältester Umweltvertrag der Welt

Das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) ist einer der ältesten Umweltverträge der Welt. Es wurde am 3. März 1973 unterzeichnet und reguliert den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen. Das Abkommen listet fast 35.000 Arten je nach Grad der Bedrohung in verschiedenen Anhängen auf. Rund 1000 davon stehen auf der Tabu-Liste der meistgefährdeten Arten. Jeglicher Handel ist verboten. Dazu gehören Tiger, Nashörner, bestimmte Schildkröten-, Affen- und Walarten sowie einige Orchideen- und Kakteenarten.

Bei anderen Arten ist der Handel mit Lizenzen und Quoten erlaubt und wird überwacht. Das Abkommen verpflichtet Länder, den Artenschutz sicherzustellen. Wer das nicht tut, kann bestraft werden. Die anderen Unterzeichner können das Land vorübergehend von sämtlichem legalem Handel mit Wildprodukten ausschließen.