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Wo Facebook nicht mithalten kann

Neue Sozialstudie zeigt: Die Familie ist für Kinder immer noch das bevorzugte Netzwerk

Wer Yolo nicht kennt, der kann gleich zu Hause bleiben. Der kann sagen: „Ich verstehe die Welt nicht mehr!“ Der kann aber auch einfach seine Tochter fragen. Und erfahren, dass Yolo die Abkürzung für „You only live once“ und das Jugendwort des Jahres 2012 ist. „Du lebst nur einmal“, heißt es. Früher sagte man: „Nutze den Tag.“

Sie liegen gar nicht so weit auseinander. Die Lebenswelten der Jugendlichen und die der Erwachsenen. Sie sprechen verschiedene Sprachen. Die einen leben in virtuellen Welten, die anderen in der Realität. Aber sie treffen sich immer wieder in dem großen Chatroom, der Familie heißt und alle Schluchten überbrückt. Das ist die Botschaft der neuen Jacobs-Krönung-Studie über Familie in einer digitalisierten Welt, die vom Institut für Demoskopie Allensbach erhoben und Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Knapp drei Viertel der Bevölkerung betrachten die Diskrepanz zwischen der Generation der Jugendlichen und der Erwachsenen als ausgeprägt beziehungsweise extrem. Eltern nehmen das anders wahr. Nur ein Drittel von ihnen ist der Ansicht, dass ihre Kinder in einer Welt leben, die ihnen völlig fremd ist. Und die Hälfte der Jugendlichen findet, dass ihre Eltern gar nicht so weit weg sind von ihrer eigenen Welt.

Es steht gar nicht so schlecht um unsere Familien. Auch wenn es die Eltern nervt, dass der Nachwuchs ständig vorm PC sitzt und das Smartphone bearbeitet. Sie ärgern sich, wenn die Kinder im sozialen Netzwerk verschwinden. Aber die meisten Eltern sehen darin kein gravierendes Problem. Weil trotzdem immer noch viel miteinander geredet wird. 47 Prozent der Eltern unterhalten sich täglich oder mehrmals am Tag mit ihren 14- bis 17-jährigen Kindern, weitere 36 Prozent zumindest mehrmals in der Woche.

Bemerkenswert dabei ist, so Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass Liebe und Sexualität in den Familien keine großen Gesprächsthemen sind. „Während es in den Medien diesbezüglich keine Tabus gibt, wird in den Familien die Privatsphäre des Individuums weitgehend respektiert.“ Dennoch werden diese unbequemen Themen nicht ausgeklammert. Mehr als die Hälfte der Eltern bringen sie gelegentlich zur Sprache – auch wenn die meisten Teenager am liebsten gar nicht zu Hause darüber reden würden.

„Die Generationen leben heute sehr entspannt miteinander“, sagt Renate Köcher. 84 Prozent der befragten Jugendlichen bezeichneten ihre Eltern als tolerant, die Atmosphäre, in der sie aufwachsen, als frei. Der Hamburger Psychologe Michael Thiel sieht diese Entwicklung eher kritisch. „Mir ist das zu viel Friede, Freude, Eierkuchen“, sagt er. „Familie muss ein Sparringsplatz für Konflikte sein.“