Unglück

Ballonfahrt in den Tod

Im Touristenort Luxor sterben 18 Menschen. Sie wollten sich die altägyptischen Tempel und Grabfelder aus der Luft ansehen

Die kleine Reise im Ballon über die Tempelruinen war schon fast zu Ende, als das Unglück nahe der ägyptischen Stadt Luxor seinen Lauf nahm. Der Ballonführer hatte seine Kollegen schon zu dem Ort dirigiert, an dem er mit den Touristen landen wollte. Er reichte ihnen ein Seil hinunter, mit dem sie den Ballon stabilisieren sollten. Der Boden sei zu diesem Zeitpunkt schon ganz nah gewesen, berichten die Ermittler, die mit der Aufklärung des Unglücks betraut wurden.

Behörden verbieten die Ausflüge

Das Seil soll den Gasschlauch berührt und beschädigt haben, sodass plötzlich Mengen von Gas austreten. Ein Mitarbeiter der Ballonflug-Firma sagt später, der Schlauch sei kurz vor der geplanten Landung in einem Dorf westlich von Luxor gerissen. Die anschließende Explosion des Gastanks habe den Ballon erst in rasender Geschwindigkeit auf eine Höhe von 400 Metern aufsteigen lassen. Danach sei der obere Teil des Ballons zerplatzt.

Die Bewohner des Dorfes Al-Dhabaija im Bezirk Al-Kurna sehen, wie der brennende Ballon auf ein Zuckerrohrfeld stürzt. Sie hören mehrere Explosionen. Später treffen Feuerwehrleute ein, die das brennende Wrack löschen. Die Leichen, von denen einige bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sind, werden in schwarzen Plastiksäcken davongetragen. 18 Menschen sind gestorben. Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der Sicherheitsbehörden um neun chinesische Touristen, vier Japaner, zwei Franzosen, zwei Briten sowie einen Urlauber aus Ungarn. Auch eine ägyptische Reiseführerin ist unter den Opfern. In einer ersten Reaktion haben die Behörden Ballonfahrten in der Tempelstadt vorerst verboten.

Für die ägyptische Tourismusbranche ist der Unfall nach den politischen Unruhen der vergangenen zwei Jahre eine weitere Katastrophe, die abschreckend auf ausländische Urlauber wirkt. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Touristen unter zehn Millionen. Im Boomjahr 2010 waren noch fast 15 Millionen Urlauber nach Ägypten gekommen. Auch in Luxor, das mit seinen Tempeln und Gräbern aus der Pharaonenzeit Hauptattraktion vieler Ägyptenreisen ist, sind die Folgen der Unruhen seit Langem zu spüren. Die Stadt ist mit ihren Tempelanlagen und unterirdischen Gräbern aus der Pharaonenzeit ein Touristenmagnet.

Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher der ägyptischen Luftfahrtbehörde, es sei menschliches Versagen gewesen. Der Ballonführer hätte das Ventil für die Gaszufuhr schließen können. Er habe jedoch nicht richtig reagiert und auch nicht versucht, das Feuer zu löschen. Stattdessen sei er aus dem Korb des abstürzenden Ballons gesprungen. Der Ballon sei fahrtauglich gewesen. Er sei zuletzt im vergangenen Oktober überprüft worden.

Der Vorsitzende der Berufsvereinigung der Tourismusbranche in Luxor, Tarwat al-Adschmi, lässt seine Wut hingegen an den Verantwortlichen des Ministeriums für Zivilluftfahrt aus. Deren lasche Kontrollen seien der Grund für das Unglück, sagt er. Das gilt jedoch nicht nur für die Anbieter von Ballonfahrten, die immer wieder mit Unfällen in Verruf geraten. Vor einem Jahr sorgte ein Unfall mit einem Glasboot, das auch unter Wasser tauchen kann, für Schlagzeilen. Drei Deutsche fanden damals den Tod, als das Boot bei stürmischem Wetter leckschlug. Auch der leichtsinnige Fahrstil vieler ägyptischer Busfahrer ist oft Ursache für Unfälle, bei denen Touristen sterben.

Dass die beliebten Ballonfahrten über den Tempeln und Grabanlagen von Luxor riskant sind, hatte sich schon im März 2009 gezeigt. Damals waren 16 Touristen verletzt worden, als ein Ballon gegen einen Strommast geprallt war. Fahrten mit Heißluftballons waren erst einmal verboten worden. Nach Verhandlungen zwischen Behörden und den Besitzern der acht Firmen, die in Luxor Ballonflüge anbieten, durften die Firmen den Betrieb jedoch wieder aufnehmen.

Luxor entstand auf dem Siedlungsgebiet der altägyptischen Hauptstadt Theben. Tempel, Grabanlagen und andere Denkmäler sind über das Gelände verteilt. Lokale Gottheit war Amun, der Wachstum und Fruchtbarkeit verkörperte. Der von Pharao Amenophis III. um 1380 vor Christus erbaute Amuntempel bei Luxor ist eines der besterhaltenen Bauwerke des ägyptischen Altertums. Auf der anderen Seite des Nils liegen die berühmten Täler der Könige und Königinnen mit den Grabanlagen der Pharaonen. In Luxor und Umgebung leben heute knapp eine halbe Million Menschen.