Endlager

Die Gefahr aus der Tiefe

Aus sechs unterirdischen Atommülltanks in den USA tritt radioaktiv verseuchtes Wasser aus

In der ehemaligen Plutoniumanlage Hanford im US-Staat Washington tritt nuklearer Abfall aus Lecks in sechs unterirdischen Tanks aus. Das teilte Gouverneur Jay Inslee laut Medienberichten mit. Das sei zwar eine beunruhigende Nachricht, es bestünden jedoch derzeit keine Gefahren für die Gesundheit, zitierte unter anderem der Sender CNN am Sonnabend den Gouverneur. Energieminister Steven Chu habe ihn bei einem Treffen informiert. Die Lecks müssten gefunden und abgedichtet werden.

Hanford, rund 300 Kilometer südöstlich von Seattle, gilt CNN zufolge als der am schwersten radioaktiv verseuchte Ort der westlichen Hemisphäre. Hier wurde in den 40er-Jahren und während des Kalten Krieges Plutonium zum Atombombenbau erzeugt. Später kamen mehrere Nuklearreaktoren hinzu, der letzte von ihnen machte 1987 dicht.

In der vergangenen Woche war zunächst bekannt geworden, dass einer der Tanks mit Atommüll leckt. Er soll jährlich über 1000 Liter der gefährlichen Flüssigkeit verlieren.

Behörden entwarnen

Auch damals hatte Inslee erklärt, dass keine Gefahren für die Menschen bestünden. Es werde ziemlich lange dauern, bis der Atommüll ins Grundwasser oder in den nahe gelegenen Columbia River gelange.

Die Behälter sind inzwischen weit über ihre vorgesehene Nutzungsdauer von 20 Jahren hinaus. In ihnen befinden sich rund 200 Millionen Liter eines hoch radioaktiven Gebräus. Knapp vier Millionen Liter sollen in der Vergangenheit bereits ausgelaufen sein.

Eine Sprecherin des US-Energieministeriums betonte, es gebe keine akuten Gesundheitsbedrohungen. Die Bundesregierung arbeite mit den Behörden des Bundesstaats Washington sowie „anderen Partnern“ zusammen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Insgesamt lagern in der Anlage im Nordwesten der USA Medienberichten zufolge 177 Tanks mit Atommüll unter der Erde. Bereits in der Vergangenheit hatte es Berichte über Lecks in den veralteten Behältern gegeben. Die US-Regierung schuf den Nuklearkomplex in den 40er-Jahren als Teil des streng geheimen Manhattan-Projekts zum Bau der Atombombe. Jährlich wendet sie zwei Milliarden Dollar für die Sanierung der Hanford-Anlagen auf – das ist ein Drittel des nationalen Budgets dafür. Die Sanierung wird vermutlich Jahrzehnte dauern.

12,3 Milliarden Dollar Kosten

Zentraler Bestandteil ist der Bau einer Anlage, die flüssigen Atommüll in eine glasartige Masse für eine sichere Lagerung umwandeln soll. Ihre Kosten sind auf 12,3 Milliarden Dollar veranschlagt – die Bauarbeiten sind hinter dem Zeitplan und die Kosten schon um etliche Milliarden darüber gestiegen. Washingtons Gouverneur Inslee forderte nun als Zwischenlösung den Bau neuer Tanks, um eine sichere Lagerung bis zur Fertigstellung der Anlage zu gewährleisten.