Handel

Angst vor der Pferde-Lasagne

Als erster deutscher Supermarkt reagiert Kaiser’s Tengelmann und nimmt das Tiefkühlprodukt aus dem Verkauf

Nach dem Skandal um Pferdefleisch in britischen Tiefkühl-Lasagnen hat nun auch der erste deutsche Supermarkt reagiert. Laut Berichten von „Spiegel online“ hat die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann bestätigt, dass bereits in der vergangenen Woche die tiefgekühlten Fertig-Lasagnen der Eigenmarke „Attraktiv & Preiswert“ (A&P) aus dem Sortiment genommen wurden. Sie sollen nun untersucht werden.

Laut „Spiegel online“ habe man diese Entscheidung „aus Gründen des vorsorgenden Verbraucherschutzes“ getroffen, auch wenn es bisher keinen Nachweis gebe, dass Pferdefleisch verarbeitet wurde. „Dies müssen nun die Analysen ergeben, die derzeit vorgenommen werden“, so eine Unternehmenssprecherin. Die Frage, von welchem Lieferanten die Lasagne stammte, beantwortete die Firmensprecherin nicht. Für Nachfragen war Kaiser’s Tengelmann zunächst nicht erreichbar. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin hatte am Montag erklärt, es gebe derzeit „keine Hinweise“, dass solche Produkte auch hierzulande auf den Markt gekommen seien. Es lägen „weder Erkenntnisse der deutschen Länderbehörden noch Hinweise aus anderen EU-Mitgliedstaaten“ vor, dass als Rindfleisch ausgewiesene Tiefkühlprodukte auch in Deutschland als Pferdefleisch auf den Markt gekommen seien, sagte der Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums, Holger Eichele. Den Skandal bezeichnete er als „krassen Fall von Verbrauchertäuschung“.

Eine kriminelle Verschwörung?

Vergangene Woche wurden in Großbritannien, Frankreich und Schweden mehrere Tiefkühlprodukte aus dem Handel genommen, nachdem in Lasagne bis zu 100 Prozent Pferdefleisch entdeckt worden war, obwohl Rindfleisch auf den Etiketten stand. Mitte Januar war bereits Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern in Großbritannien und Irland gefunden worden. Die britische Lebensmittelbehörde FSA hatte in tiefgekühlten Rinder-Lasagenen des Konzerns Findus teilweise bis zu 100 Prozent Pferdefleisch nachweisen können. Auch in einer britischen Aldi-Filiale wurden die Behörde bei der Suche nach Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagnen fündig. Für Aldi Nord, unter anderem zuständig für die Berliner Filialen, bestehe derzeit kein Handlungsbedarf. Auf Anfrage der Berliner Morgenpost teilte der zuständige Aldi-Einkauf mit: „Die von uns in Deutschland verkauften Lasagnen (in der Tiefkühlung und im Kühlwandregal) sind von der aktuellen Problematik nicht betroffen. Wir arbeiten mit keinen der in der aktuellen Berichterstattung genannten Lieferanten zusammen.“

Die infrage stehenden Tiefkühlprodukte wurden von der Firma Comigel hergestellt und kamen unter anderem unter der Marke Findus in mehreren Ländern in den Handel. Comigel sowie Findus sehen sich selbst als Opfer eines groß angelegten Betruges, Findus wollte am Montag Klage einreichen. Comigel hatte das Fleisch von der Firma Spanghero in Südwestfrankreich erhalten, die dieses nach eigenen Angaben aus Rumänien bezog. Doch auch die rumänischen Fleischlieferanten weisen jede Schuld von sich. Der rumänische Regierungschef Victor Ponta versicherte, dass „keine Unregelmäßigkeit“ durch eine rumänische Firma oder auf rumänischem Boden begangen worden sei. Der britische Lebensmittelminister Owen Paterson sprach indes von einer groß angelegten „kriminellen Verschwörung“. Dem Sender BBC sagte er, eine Warnung sei an 16 Länder gegangen. Die EU-Kommission sah die EU-Mitgliedstaaten in der Pflicht, einen möglichen Betrug zu prüfen. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge sei kein Mensch nach dem Verzehr des Fleisches erkrankt, auch sei dies nicht kontaminiert, sagte der Kommissionssprecher für Gesundheit und Verbraucherschutz in Brüssel. Es gehe nicht um ein Problem der Lebensmittelsicherheit und daher sei ein koordiniertes EU-Vorgehen nicht nötig.

Im Jahr 2011 wurden in der Bundesrepublik nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 11.200 Pferde geschlachtet. Gegenüber dem Vorjahr war das zwar ein Anstieg von 16 Prozent, doch bleibt damit der Anteil von Pferden bei der Fleischerzeugung mit deutlich unter 0,3 Prozent verschwindend gering.