Urteilsverkündung

Vater der ermordeten Arzu Ö. muss ins Gefängnis

Gericht verhängt sechs Jahre Haft für 53-Jährigen

15 Monate nach der Ermordung der 18-jährigen Arzu Ö. aus Detmold muss der Vater wegen Beihilfe zum Mord ins Gefängnis. Das Landgericht verurteilte den 53-Jährigen am Montag in einem Indizienprozess zu sechseinhalb Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Die Verteidigung kündigte Revision an, der Vater hatte jede Beteiligung am Mord abgestritten. Er wurde im Gerichtssaal verhaftet.

Fünf erwachsene Kinder der aus der Osttürkei stammenden Familie hatten ihre 18 Jahre alte Schwester im November 2010 im Namen der Ehre entführt und getötet. Dafür waren sie zu Haftstrafen verurteilt worden. Hintergrund war die von der jesidischen Familie verbotene Beziehung der Tochter zu einem nicht-jesidischen Deutschen. Das Jesidentum ist eine eigenständige Religion in der kurdischen Volksgruppe. Die Ehe mit einem Nichtjesiden bedeutet automatisch den Austritt aus der Religionsgemeinschaft.

Richter Michael Reineke sagte, die Anstiftung zum Mord sei unbewiesen. „Der Rest ist aber schlimm genug.“ Der Vater habe seine Tochter verprügelt und nichts getan, um seine Kinder vom Mord abzuhalten. Es sei unvorstellbar, dass Arzu gegen den Willen des Vaters getötet worden sei, sagte Staatsanwalt Christopher Imig. Der sei in bester jesidischer Tradition der Patriarch. Die Verteidigung hatte dagegen betont, für eine Beteiligung des Vaters gebe es keinen stichhaltigen Beweis. Es stehe weder fest, ob er von dem Plan seiner Kinder wusste, noch wann der Entschluss zur Tötung überhaupt gefasst worden sei, sagte Anwalt Torsten Giesecke.

Arzu hatte sich in der Bäckerei, in der sie jobbte, in einen Gesellen verliebt. Die heimliche Liebe flog auf, als der Freund ihr Rosen schickte. Nach ihrer Flucht aus dem elterlichen Heim wurde sie jedoch von ihren Geschwistern entdeckt. Arzus Mutter muss sich vor Gericht noch wegen Körperverletzung verantworten.