Umfrage

Wo die Fahrradfahrer noch glücklich sind

Radler haben die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands gewählt: Münster siegt. Und Berlin landet nur auf Platz 24

Münster eilt der Ruf voraus, eine besonders fahrradfreundliche Stadt zu sein. Offensichtlich zu Recht. Im bundesweiten Vergleich der Fahrradinfrastruktur belegte die Universitätsstadt in Nordrhein-Westfalen nun bereits zum fünften Mal den Spitzenplatz in der Kategorie der Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern. Seit 1988 werden in unregelmäßigen Abständen Fahrradfahrer über ihre Zufriedenheit befragt.

Am aktuellen Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) hatten sich rund 80.000 Radfahrer aus 322 Städten beteiligt. Sie bewerteten in einem Fragebogen mit 27 Fragen in fünf Kategorien unter anderem Radwege, Abstellplätze und Ampelschaltungen, ob Radwege regelmäßig gereinigt und im Winter geräumt werden und ob Radwege so breit sind, dass schnellere Radfahrer bequem die langsameren überholen können. Bewertet wurde auch, ob das Radfahren in der jeweiligen Stadt Spaß machte oder in Stress ausarte. Die Teilnehmer sollten auch angeben, ob sie sich als Radfahrer von anderen Verkehrsteilnehmern akzeptiert fühlten. Auch das Angebot von Leihfahrrädern und die Häufigkeit von Fahrraddiebstählen wurde abgefragt.

Die Situation in Berlin

„Wenn wir die Rahmenbedingungen so verbessern können, dass ein großer Teil vor allem der kurzen Wege künftig mit dem Fahrrad zurückgelegt wird, dann haben wir einiges für die Menschen in unserem Land erreicht“, sagte Mücke. „Mehr Radverkehr bedeutet weniger Lärm, weniger Schadstoffe in der Luft und weniger Flächenverbrauch. Und gesund ist es noch dazu.“

Insgesamt wurden die Städte nach Angaben des ADFC zwar schlechter bewertet als bei der letzten Befragung vor sieben Jahren. Allerdings haben viele Städte auch deutlich aufgeholt. Das Spitzenfeld liegt jetzt enger beieinander. So schrumpfte auch der Abstand der Spitzenreiters Münster zu den nachfolgenden Plätzen zwei und drei, die von Freiburg im Breisgau und Karlsruhe belegt werden. Kiel schaffte es auf Rang vier, gefolgt von Oberhausen, Hannover, Bremen und Rostock. München liegt auf Platz elf und Hamburg weit abgeschlagen auf Platz 34. Berlin landete bei der Umfrage nur auf Platz 24. Immerhin gehört die Hauptstadt zu den acht „Aufholern“, die eine Verbesserung seit der letzten Gesamtbewertung im Jahr 2005 nachweisen konnten.

Philipp Poll, Landesgeschäftsführer des ADFC, verbindet die fehlende Infrastruktur für Fahrradfahrer in Berlin mit einem Personal- und Finanzierungsmangel: „Seit der Wende wird immer mehr fachkundiges Personal eingesparrt. Wenn die Spezialisten in die Rente gehen, werden diese Stellen entweder fremd oder gar nicht besetzt. Auch finanziell wird Radverkehrspolitik aufgrund der Haushaltssperre nur wenig unterstützt“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Zur weiteren Verbesserung der Verkehrssituation in Berlin hat der ADFC einen Katalog mit Maßnahmen zusammengestellt. Dort fordert der Fahrradclub fünf Euro pro Einwohner als Finanzzuschuss, heute liegt dieser bei 1,50 bis zwei Euro. „Das ist zu wenig. Wenn wir auf den Verkehrswandel nicht rechtzeitig reagieren, bleiben viele Fahrradwege in einem nicht benutzbaren Zustand“, fügte er hinzu. Wie die Zukunft für die Fahrradfahrer in Berlin aussieht, ist noch nicht abzusehen. „Bis heute ist der Entwurf zur Radverkehrsstrategie nicht unterzeichnet, und wir kriegen keine Auskunft, wie es mit der Radverkehrspolitik weitergeht“, so der Fazit des Landesgeschäftsführers.

Kleine Städte

In der Kategorie der kleineren Städte zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern siegte Erlangen vor Oldenburg (Oldenburg), Hamm, Potsdam, Cottbus, Fürth, Moers und Ulm. Bei den Städten mit weniger als 100.000 Einwohnern liegt Bocholt vor Rees, Rhede, Filderstadt, Dülmen, Lörrach, Bünde und Offenburg. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg sagte: „Wir nehmen an, dass sich in den letzten Jahren ein stärkeres Bewusstsein für die Probleme von Radfahrern gebildet hat.“ Das Fahrrad stehe zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit: „Radfahrer entwickeln ein neues Selbstbewusstsein und fordern ihre Rechte ein.“ Damit würden auch die Ansprüche an die Städte steigen. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kümmert sich verstärkt um die Radfahrer. Ende des vergangenen Jahres stellte er einen Radwegeplan vor. Ziel ist es, den Anteil des Radverkehrs innerhalb von acht Jahren von zehn auf 15 Prozent zu steigern. In diesem Jahr investiert der Bund mehr als 70 Millionen Euro in den Bau von Radwegen.