Öffentlicher Dienst

Vom Elend, ein Beamter zu sein

Der 40-jährige Lehrer Arne Ulbricht hat sich „entamten“ lassen

Arne Ulbricht lernt gerade, wie ein Image entsteht. Dass es rasch aushärtet wie Blitzzement. Der 40-Jährige wird bundesweit bekannt, weil er als Lehrer seinen Beamtenstatus freiwillig gegen ein schlechter bezahltes Angestelltenverhältnis eingetauscht hat. Und weil er die Verbeamtung von Lehrern kritisiert.

Er hat ein Buch geschrieben, das den markigen Titel trägt: „Lehrer. Traumberuf oder Horrorjob? Ein Insiderbericht“. Der zweite Teil des Buchs ist überschrieben mit: „Eine staatlich geförderte Verarschung: das ,Lehramtsstudium‘“. Er benutzt den Begriff „Beamtenmaschinen“.

Man erwartet einen Hardliner, einen, der die Schlagzeilen sucht, doch es öffnet jemand anderes die Tür einer gemütlichen Altbauwohnung im nordrhein-westfälischen Wuppertal. Dieser jemand klingt besorgt, weil er als Kronzeuge gegen das Beamtentum gesehen und herumgereicht werden soll. Ulbricht, der am Berufskolleg in Mettmann unterrichtet, ist es unheimlich geworden. „Ich werde jetzt auf das Thema Verbeamtung festgenagelt. Aber ich bin kein Beamtengegner. Ich bin ein Gegner der Verbeamtung“, sagt Arne Ulbricht. Er könne ja auch alle Kollegen verstehen, die als Alleinverdiener eine Familie ernähren müssen und sich für die Sicherheit eines unkündbaren, krisensicheren Lebens als Staatsdiener entscheiden.

Ulbricht beschreibt sich als eher unterdurchschnittlichen Lehrer. Er erzählt ungefiltert aus der Praxis, von Problemen und schönen Momenten im schulischen Alltag. Er gibt zu, dass sein Unterricht manchmal „chaotisch“ sei, dass er schlechte Tafelbilder zeichne und gern Frontalunterricht mache. Er betont aber auch, dass er gut mit seinen Schülern auskomme.

Ulbricht ist gern Lehrer, doch er tat sich schwer mit der Ausbildung. „Das Referendariat war nicht gut. Ich bin ein Mensch, der aneckt. Ich sollte Showstunden mit den Schülern machen, um eine gute Beurteilung zu bekommen. Das habe ich nicht gemacht. Ich wollte wirklichen Unterricht zeigen“, sagt er.

Seine Erfahrungen füllen fast 160 Seiten. Der Verlag trat an ihn heran, nachdem er in einer Zeitung einen Namensartikel veröffentlicht hatte. Ulbricht hat einen sehr persönlichen und einen allgemeinen Grund, für das Ende der Verbeamtung zu werben. „Ich sehe die Verbeamtung nicht als Freiheit. Für mich ist die Freiheit die, dass ich als Angestellter kündigen und mich woanders bewerben kann.“ Er nickt, wenn man ihn als „Freigeist“ beschreibt. Er unterrichtet 14 Stunden in der Woche Französisch und Geschichte am Berufskolleg in Mettmann und kümmert sich zu Hause um die beiden kleinen Kinder. Seine Frau arbeitet als promovierte Biochemikerin bei einem Pharmakonzern und bringt das Geld nach Hause.

Nun gibt er Interviews. Er ist unsicher, welche Termine er annehmen soll. Und was macht er, wenn Lanz oder Plasberg anfragen? „Ich kann das alles nicht mehr. Ich bin kein Medienstar. Mir wird das alles gerade viel zu viel, weshalb ich Fernsehauftritte ablehne“, schreibt Ulbricht und fügt in Klammern mit Smiley hinzu: „Können Sie ruhig noch schreiben.“