Affären

Die Klagen der Rachida Dati

Die ehemalige Justizministerin sucht vor Gericht den Vater ihrer Tochter. Der Gefundene wehrt sich und bringt andere Kandidaten ins Spiel

– Für Rachida Dati lief die Woche bislang ganz gut. Die Europaabgeordnete und ehemalige Justizministerin hatte sich im Bruderkampf um den Vorsitz der konservativen Partei UMP rechtzeitig auf die Seite des erklärten Gewinners Jean-François Copé geschlagen. Munter gab sie daher in den vergangenen Tagen Interviews, verteilte Spitzen gegen ihren Erzfeind François Fillon und untermauerte so kaum verblümt ihre eigenen politischen Ambitionen.

An diesem Donnerstag indes steht sie wegen einer privaten Angelegenheit in den Schlagzeilen. Vor dem Gericht des Pariser Vorortes Nanterre wird ihre Klage gegen die beiden Boulevard-Magazine „Closer“ und „Voici“ verhandelt. Die 47-Jährige verklagt die beiden Publikationen wegen „Eingriffs in die Privatsphäre“. Die Blätter hatten über Datis Versuch berichtet, den Geschäftsführer der Hotel- und Casino-Kette Barrière, Dominique Desseigne, gerichtlich zu einem Vaterschaftstest zu zwingen. Über derartige juristische Auseinandersetzungen in „Familienangelegenheiten“ darf nach französischem Recht nur sehr eingeschränkt berichtet werden. Dati hat offenbar den begründeten Verdacht, Desseigne sei der Vater ihrer inzwischen bald drei Jahre alten Tochter Zohra. Der 68 Jahre alte Desseigne bestreitet dies.

Klagewelle gegen Klatschmagazine

Für die französische Klatschpresse ist die Konfrontation zwischen der ehrgeizigen Aufsteigerin Dati und dem Casino-Baron Desseigne eine vollwertige Mahlzeit. Allerdings wandelt sie bei Veröffentlichungen über den Fall wegen des strengen Presserechts in Frankreich auf schmalem Grat. Neben „Closer“ und „Voici“ hat Datis Anwalt Olivier Metzner auch die Zeitschriften „VSD“, „Gala“ und die Internet-Seite des Magazins „Le Point“ verklagt. Der Advokat beklagt die „Versessenheit der Medien“, der Rachida Dati und ihre Tochter zum Opfer fallen würden.

Zur Barrière-Gruppe gehören Casinos und edle Hotels in ganz Frankreich, wie das Majestic in Cannes, das Normandy in Deauville oder das legendäre Fouquet’s auf den Champs-Elysées. In dem Restaurant feierte Nicolas Sarkozy 2007 seinen Wahlsieg – im Beisein zahlreicher Unternehmer. Es war der Beginn seines Absturzes in den Beliebtheitsumfragen. Auf der Gästeliste an jenem Abend standen auch Desseigne und Dati.

Desseigne hat die Vaterschaft für Datis Tochter bislang vehement bestritten und hat eine mäßig galante Verteidigungsstrategie eingeschlagen. In einem ausführlichen Porträt des Unternehmers in der Zeitung „Le Monde“ deutete der Anwalt Desseignes an, sein Mandant sei mitnichten der einzige gewesen, der mit der Klägerin zum fraglichen Zeitpunkt ein Verhältnis gehabt habe. In dem Artikel folgt dann eine gering verklausulierte Liste all jener, deren Namen in den vergangenen drei Jahren irgendwann einmal als mögliche Väter von Datis Tochter gehandelt wurden. Darunter befinden sich laut Angaben des Anwalts Desseignes „ein Fernsehmoderator, ein Minister, der Geschäftsführer eines großen Konzerns, ein spanischer Premierminister, ein quatarischer Staatsanwalt, ein Bruder Nicolas Sarkozys und der Erbe eines Luxusunternehmens.“ Wer dieser Liste einer Querüberprüfung mit den Veröffentlichungen der einschlägigen Presse zu dem Fall unterzog, der konnte die fehlenden Namen leicht ergänzen.

Darunter sind allerdings einige, wie der ehemalige Minister Bernard Laporte, der Chef des EDF-Konzerns Henri Proglio oder Spaniens Ex-Premier José Maria Aznar, die den Gerüchten zum Teil bereits selbst offensiv entgegen getreten sind. Die Stichhaltigkeit der Liste von Desseignes Anwalt ist also kaum größer als eine Auflistung sämtlicher Namen, die seit der Bekanntwerdung von Datis Schwangerschaft im Sommer 2008 in der Presse zirkulierten.

Dabei hat die damalige Justizministerin selbst seinerzeit nicht wenig dazu beigetragen, die Betriebstemperatur der Gerüchteküche anzuheizen. Die eigentliche Vaterschaftsklage soll nun am 4. Dezember vor einem Gericht in Versailles zur Verhandlung kommen. Freunde Desseignes streuen mittlerweile, wie in dem „Le Monde“-Bericht nachzulesen ist, Desseigne habe zwar ein Verhältnis mit Dati gehabt und Ende 2007 Weihnachten mit ihr auf Mauritius gefeiert, die Beziehung aber im Februar 2008 beendet, weil er kein Kind haben wollte. Zum Zeitpunkt der Empfängnis Anfang April 2008 habe er sich allein in Marrakesch und kurz darauf in Cannes aufgehalten, berichtet „Le Point.“ Desseigne ist verwitwet und hat zwei Kinder aus erster Ehe. Seine Ehefrau Diane, Erbin des Hotelkonzerns, den Desseigne leitet, starb 2001 im Alter von 44 Jahren an den Folgen schwerer Verletzungen, die sie sich sechs Jahre zuvor bei einem Flugzeugabsturz zugezogen hatte.

Hang zum Luxus

Nach Berichten des Magazins „Le Point“ hat Dati zur Untermauerung ihrer Klage vor Gericht dargelegt, dass Desseigne für sie im Juli 2008 – sechs Monate vor der Geburt des Kindes – ein Appartement im 16. Pariser Arrondissement angemietet hat. Die damalige Justizministerin habe die Wohnung jedoch nie bezogen, aus Furcht sich politisch angreifbar zu machen. Der Casino-Unternehmer Desseigne hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine Lizenz für Online-Glücksspiele beantragt. Bei der Vaterschaftsklage geht es um viel Geld. Zwar kann Datis Tochter keine Erbschaftsansprüche auf den Konzern anmelden, da Desseigne selbst nicht der Besitzer ist. Wird der Klage jedoch stattgegeben, hätte sie Ansprüche auf einen Anteil am Privatvermögen des Unternehmers.

Zuletzt sorgte Rachida Dati im Jahr 2010 für Schlagzeilen, als sie in einem Interview die Wörter „Inflation“ und „Fellatio“ verwechselte. Einer Reporterin erzählte sie zum Thema ausländische Investmentfonds: „Wenn ich sehe, dass manche von ihnen eine Rentabilität von 20 bis 25 Prozent fordern, und das bei einer mickrigen Fellatio.“ Der Mitschnitt verbreitete sich schnell im Internet und französische Medien veröffentlichen einen entsprechenden Link. Dati erklärte daraufhin, dass es jedem passieren könne, zu schnell zu sprechen. Es sei enttäuschend, dass dies alles sei, was von ihrer politischen Botschaft übrig bleibe.

Dati galt aufgrund ihrer nordafrikanischen Wurzeln eine Weile als Aushängeschild des Kabinetts und als Lieblingsministerin von Präsident Sarkozy, der sie auf zahlreiche Reisen mitnahm. Dati war einer der Stars im französischen Kabinett gewesen, als der neu gewählte Staatschef Nicolas Sarkozy im Sommer 2007 sein Regierungsteam vorstellte. Die Tochter einer Einwandererfamilie machte aber schnell durch ihren autoritären Führungsstil und ihren Hang zum Luxus von sich reden und fiel bei Sarkozy in Ungnade. Seit 2009 ist sie Abgeordnete im Europaparlament.