Verkehr

Wie Geisterfahrer gestoppt werden können

Nach Horror-Crash auf A 5: Hessens Verkehrsminister Rentsch plädiert für Asphalt-Krallen

Für viele Autofahrer ist es eine Horrorvorstellung: Während man mit hohem Tempo unterwegs ist, meldet das Radio einen Geisterfahrer. Tödliche Unfälle mit Falschfahrern kommen zwar relativ selten vor. Doch am Wochenende starben sechs Menschen auf der A 5 bei Offenburg – den Unfall hatte ein Geisterfahrer verursacht.

Dieser und andere jüngste Fälle haben die Frage neu aufgeworfen, wie die Sicherheit erhöht werden kann. In Bayern läuft gerade ein Pilotprojekt, um Falschfahrten zu verhindern. Ende dieses Jahres sollen dort erste Ergebnisse vorliegen. Auch andere europäische Länder ergreifen Maßnahmen gegen Falschfahrer. Der Bund und Bayern starteten das Vorhaben Ende 2010. Große Schilder warnen an ausgewählten Autobahnabschnitten: Sie zeigen eine ausgestreckte, schwarze Handfläche mit den Hinweisen „Stopp“ und „Falsch“. „Man kann nur unabsichtliche Falschfahrten verhindern, vorsätzliche Falschfahrten lassen sich nicht verhindern. Es gibt kein Allheilmittel“, sagte dazu ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.

Etwa 1700 Geisterfahrer würden pro Jahr im Verkehrsfunk auf deutschen Straßen gemeldet, teilte das Ministerium mit. Der ADAC spricht sogar von bis zu 2800 jährlich von Radiosendern gemeldeten Falschfahrern. Doch nicht hinter jeder Meldung steckt ein wirklicher Falschfahrer. „In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geisterfahrer relativ konstant“, sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl. Die Möglichkeiten, Falschfahrten zu verhindern, sind aus seiner Sicht eingeschränkt. „Wenn jemand bewusst in falscher Richtung auf eine Autobahn auffährt, wird man gar nichts machen können“, sagte Reindl. „Denn wir haben in Deutschland 13.000 Autobahnkilometer, wir haben etwa 2500 Anschlussstellen, Autobahnkreuze, Autobahndreiecke – nicht eingerechnet die ganzen Parkplätze.“ Krallen, die das Auffahren in falscher Richtung unmöglich machen, könnten Rettungsfahrzeuge behindern. Vorbild für die Warntafeln bei dem Pilotprojekt in Bayern ist Österreich. Dort sehen Autofahrer ebenfalls eine große schwarze Hand und ein Stoppschild auf neongelbem Grund, die Schilder sollen Geisterfahrer direkt an der Auffahrt zur Autobahn bremsen. Auch Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) hat sich dafür ausgesprochen, Metall-Krallen auf Autobahnauffahrten auszulegen. Hessen werde bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz einen entsprechenden Vorschlag vorlegen, kündigte er am Montag im Radiosender hr1 an. „Gerade, wenn das Auto als Waffe benutzt wird“, seien solche ausfahrbaren Asphalt-Krallen ein wirksames Gegenmittel, sagte er. Offen zeigte er sich aber auch gegenüber dem Vorschlag seines saarländischen Kollegen Heiko Maas (SPD), der Warntafeln empfiehlt. „Es hat natürlich keinen Sinn, dass dies auf einer Landesautobahn in Hessen stattfindet und hinter der Landesgrenze in Baden-Württemberg nicht mehr“, sagte Rentsch. Mit einer Entscheidung der Ministerkonferenz sei jedoch frühestens im kommenden Jahr zu rechnen.