Protest

Umweltaktivist vergräbt sich selbst

Aus Protest gegen ein Braunkohlenprojekt will sich der Mittzwanziger aber nicht retten lassen

Der in einer metertiefen Erdhöhle versteckte Aktivist im Hambacher Forst hat am Freitag Dutzende Rettungskräfte genarrt. Kurz vor seiner Bergung entwich der junge Mann wieder in einen nicht gesicherten Gang, wie Polizeisprecher Anton Hamacher sagte. Er ist der Letzte einer Gruppe von Waldbesetzern, die im Hambacher Forst gegen die Ausdehnung des Braunkohlenabbaus protestierten.

Die Rettungskräfte gehen davon aus, dass sich der Aktivist in Lebensgefahr befindet. Er weigert sich seit Tagen, den selbst gegrabenen Hohlraum gut sechs Meter unter der Oberfläche zu verlassen. Der Hohlraum sowie davon abzweigende Gänge gelten als einsturzgefährdet. Zwar soll der Mittzwanziger Proviant für einen längeren Zeitraum dabei haben, dennoch sorgen sich die Rettungskräfte um seine Gesundheit. „Er zieht sich zurück. Er will nicht gerettet werden“, sagte Hamacher. „Er hat sich in einen Gang zurückgezogen, der nicht gesichert ist. Wir haben keinen unmittelbaren Zugriff auf ihn.“ Die Polizei hatte zuvor kurzzeitig die Hoffnung, den Aktivisten nach tagelangem Nervenkrieg endlich ans Tageslicht holen zu können.

Bereits am Dienstag hatte die Polizei begonnen, im Hambacher Forst westlich von Köln ein Camp von Waldbesetzern zu räumen. Sie protestieren gegen die Abholzung des Waldes, der dem Tagebau Hambach im rheinischen Braunkohlenrevier weichen soll. 100 Feuerwehrleute, Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, Polizisten und Geologen sind an dem Rettungseinsatz beteiligt. „Die Kosten für den Einsatz trägt der Steuerzahler“, sagte eine Polizeisprecherin im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Kurz gab es Blickkontakt

Der ungefähr 25 Jahre alte Mann in der Höhle ist der letzte verbliebene Aktivist. In der Nacht auf Freitag begannen die Helfer, mit schwerem Gerät einen Parallelschacht zu dem Mann auszuheben. Nachdem die Erde etwas nachsackte, hatten die Helfer sogar Blickkontakt zu ihm. Unmittelbar vor der Bergung zog er sich in einen Gang zurück, der von dem Hohlraum abzweigt. Fest steht inzwischen, dass er sich nicht angekettet hat. Der Umweltaktivist schien zwischenzeitig sogar mit der Polizei zu spielen. „Hier unten ist es riskant und ungemütlich, aber RWE riskiert die Zukunft unseres Planeten“, zitiert der Kölner „Express“ den 25-jährigen Mann.

Den Zugang zu dem Hohlraum hatten die Helfer mit Stützen abgesichert. Die habe der Mann umgetreten, sagte Hamacher. „Ob er die Nerven verloren hat, kann ich nicht beurteilen.“ Die Polizei will den Mann unbedingt herausholen. Wann das passiert, war am Freitagmittag völlig offen. Laut Polizei befindet sich der Mann nun wieder in Lebensgefahr. In die Erdhöhle wird weiter Sauerstoff gepumpt. Umweltaktivisten hatten seit April ein Waldstück im Hambacher Forst besetzt. Sie wollten damit gegen den „Klimakiller Braunkohle“ protestieren. Für den Braunkohlenabbau will RWE Power 3900 Hektar Wald abbaggern, 300 Hektar sollen aber stehen bleiben.