Urteil

Vanessas Mörder kommt nicht frei

Sicherungsverwahrung für Michael W. – Das Gericht hält ihn für „hochgradig gefährlich“

Der Mörder der zwölfjährigen Vanessa aus dem bayerischen Gersthofen kommt in nachträgliche Sicherungsverwahrung. Das entschied die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts am Donnerstag, wie ein Gerichtssprecher sagte. Die Richter folgten damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der heute 30-jährige Michael W. war 2003 wegen Mordes an der Schülerin zur Höchststrafe im Jugendstrafrecht von zehn Jahren verurteilt worden. Er war in der Nacht vom Rosenmontag zum Faschingsdienstag 2002 als Tod verkleidet in das Kinderzimmer von Vanessa eingedrungen und hatte das schlafende Mädchen mit 21 Messerstichen getötet. Der zur Tatzeit 19-Jährige konnte nach einem Gutachten wegen seiner noch nicht abgeschlossenen Persönlichkeitsentwicklung nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. In den seit Februar dieses Jahres andauernden Verhandlungen hatte das Gericht nun geprüft, ob nach der Verbüßung der Haftstrafe die rechtlichen Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung vorliegen. Das Gericht sei zu dem Ergebnis gekommen, dass von dem Mann nach wie vor eine „hochgradige Gefahr“ ausgehe, sagte der Gerichtssprecher.

Vanessas Mutter äußerte sich im Anschluss an die Verhandlung hingegen erstaunt: „Ich hab’s so nicht erwartet.“ Sie sei über den Ausgang sehr froh, da der Täter auf diese Weise eine intensive Therapie machen könne. „Ich bewundere den Mut der Richter zu diesem Urteil, weil die Gesetzeslage sehr schwierig ist.“ Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) begrüßte die Entscheidung. Dies sei ein „klares Signal für den Schutz der Opfer“, erklärte sie in München. Der Fall zeige klar, wie wichtig es sei, dass auch in Zukunft gefährliche Straftäter noch nachträglich untergebracht werden könnten.

Diese Möglichkeit sei in dem vom Bundestag verabschiedeten Gesetz zur Reform der Sicherungsverwahrung zukünftig nicht mehr vorgesehen. Hier müsse über den Vermittlungsausschuss dringend nachgebessert werden, forderte Merk. Die nachträgliche Sicherungsverwahrung ist umstritten. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2011 alle Regelungen zur Sicherungsverwahrung als grundgesetzwidrig gekippt und eine grundlegende Reform bis 2013 gefordert.