Gewalt

Kinder gequält: Eltern protestieren gegen Betreuerinnen

Erzieherinnen haben alles beobachtet, aber nichts getan

– Die Vorwürfe, die im Raum stehen, wiegen schwer: Eine Erzieherin des katholischen Kindergartens St. Elisabeth in Herne soll ihre Schützlinge mehr als ein Jahr lang misshandelt und gequält haben. Zwei ihrer Kolleginnen berichteten, die 29-jährige Frau habe Kinder beschimpft, geschubst, eingesperrt und gezwungen, ihr Erbrochenes zu essen. Angesichts dieser Darstellungen, die Ende Oktober öffentlich wurden, war die Aufregung in der nordrhein-westfälischen Stadt groß – was auch am zweifelhaften Krisenmanagement des Kindergartens und dessen Träger, der katholischen Kirche, lag.

Erst über einen Monat nachdem die zwei Kindergarten-Angestellten einen Brief mit den Vorwürfen an den Kirchenvorstand geschickt hatten, wurden die Eltern auf einem Elternabend informiert. Bis dahin war nur die Beschuldigte suspendiert und darüber hinaus versucht worden, die Geschehnisse intern aufzuklären. Die Eltern wandten sich nach dem Informationsabend am 19. Oktober an die Presse, zeigten die beschuldigte Erzieherin bei der Polizei an und forderten die Freistellung der Kindergarten-Leiterin. Dieser Forderung wurde nachgekommen.

Bemerkenswert ist, dass die anklagenden Erzieherinnen in einem Brief an die Elternschaft der „Pinguin“-Gruppe schreiben, sie hätten die Taten über Monate tatenlos beobachtet. Ihnen habe der Mut und die Kraft gefehlt, einzuschreiten. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten sie sich krankgemeldet. Dass sie nun nach Informationen der Berliner Morgenpost seit Anfang der Woche wieder arbeiten dürfen, ist für viele Eltern ein großes Ärgernis. Denn klar ist: Entweder haben sich die Erzieherinnen der unterlassenen Hilfeleistung strafbar gemacht, oder sie haben die Vorwürfe frei erfunden. Mehrere Eltern hatten zudem berichtet, die Beschuldigte sei „die beliebteste Erzieherin“ und die beiden anderen seien möglicherweise neidisch gewesen.