Wunderkind

„Papa, das ist mir zu einfach“

Shafay Thobani ist acht Jahre alt – und der jüngste Microsoft-Programmierer der Welt

Vergessen Sie Bill Gates! In Pakistan hat ein Junge im Alter von acht Jahren und 24 Tagen sein Programmierer-Zertifikat als „Microsoft Certified Training Specialist“ (MCTS) erhalten. Shafay Thobani aus Karachi erreichte dabei 910 von möglichen 1000 Punkten. Damit gilt er als der weltweit jüngste Absolvent des anerkannten Lehrgangs, den sonst gestandene IT-Spezialisten machen. In seiner Heimat wird Shafay gefeiert wie ein Superstar. Katja Mitic hat mit ihm und seinen Vater, ebenfalls Programmierer und Manager einer der größten IT-Firmen Pakistans, gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Hallo, Shafay, herzlichen Glückwunsch zum Zertifikat. Hast du heute schon programmiert?

Shafay Thobani:

Danke. Nee, noch nicht. Ich bin doch gerade erst aus der Schule gekommen.

Wie lange sitzt du normalerweise so vor dem Computer?

Etwa vier bis fünf Stunden täglich. Nach der Schule fahre ich in die Firma zu meinem Vater ins Büro und setze ich mich an den Rechner. Vorher besprechen wir noch, was zu tun ist.

Machst du denn in deiner Freizeit auch noch was anderes?

Wir gehen manchmal schwimmen, Fußball spielen, oder ich fahre mit meinen Cousinen Inlineskates.

Wie kann man sich deine Arbeit vorstellen?

Das Unternehmen meines Vaters hat viele Firmen aus Pakistan als Kunden, die zum Beispiel ein neues Netzwerk einführen wollen oder ein speziell für ihre Bedürfnisse programmiertes Produkt brauchen. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit der Konfigurierung von Microsoft Windows 7 und Microsoft Windows Server 2008 R 2, aber auch mit der Implementierung von bestimmten Zusatzprogrammen.

Äh, wie bitte?

Also, ich kümmere mich zum Beispiel um Bugs bei Netzwerkproblemen, aber auch solche Sachen wie BranchCache, Festplattenverschlüsselung und TCP/IP-Paketen, also das Protokoll zur Datenübertragung in Netzwerken.

Tut mir leid, ich verstehe gar nichts. Kannst du das auch einem Laien erklären?

Klar, aber das dauert bisschen. (lacht)

Herr Tobani, ist Ihnen das Talent Ihres Sohnes nicht unheimlich?

Shah Thobani:

(lacht) Nein, überhaupt nicht, unsere ganze Familie ist so, ihm liegt das im Blut. Er war schon immer sehr intelligent. Shafay wurde im Jahr 2004 geboren, also in dem Jahr, in dem IT-Wunderkind Arfa Karim ihren Abschluss zum Microsoft-Spezialisten im Alter von neun Jahren gemacht hat. Wir haben das immer als gutes Omen gedeutet. Bei medizinischen Untersuchungen haben die Ärzte außerdem bei Shafay festgestellt, dass eine bestimmte Region in seinem Gehirn, von der Wissenschaftler annehmen, dass sie für die Lösung von mathematischen Formeln und Logik verantwortlich ist, fünf bis sechs Mal stärker durchblutet ist als bei normalen Menschen.

Wann hatte Shafay zum ersten Mal Kontakt mit einem Computer?

Als etwa Vierjähriger. Er hat sich damals regelrecht auf mein Laptop gestürzt, wenn ich abends vom Büro nach Hause gekommen bin. Kurz darauf mussten wir ihm einen eigenen kaufen. Danach hat er sich mehr dafür interessiert als für irgendein anderes Spielzeug, wir haben ihn aber nie zu irgendwas gezwungen. Nachdem er in die Schule gekommen war, wollten wir seine Interessen unterstützen und haben deshalb eine Probewoche bei einen Programmiererlehrgang zum zertifizierten Spezialisten mit Microsoft-Software arrangiert. Wir haben ihn quasi mit Fachwissen gefüttert.

Hat das wirklich funktioniert? Da saßen doch nur Erwachsene mit im Kurs.

Wir waren auch überrascht, wie schnell er den Stoff umgesetzt hat. Der Unterricht war für seine Lehrer eine echte Herausforderung, weil sie noch nie solche komplexen Dinge einem Kind beigebracht haben. Sie mussten alles etwas anschaulicher gestalten und konkrete Problembeispiele für Shafay suchen. Aber schon nach der ersten Lektion meinte er zu mir: „Papa, das ist mir zu einfach.“ So haben wir Lektion nach Lektion abgeschlossen, Schritt für Schritt.

Und wie funktioniert der Alltag mit so einem Wunderkind?

Genauso wie mit anderen Kindern auch: Shafay geht zur Schule, er macht seine Hausaufgaben, er spielt – nur dass er in seiner Freizeit gerne programmiert. Sehen Sie, meine Frau ist Krankenschwester, deshalb ist Shafay oft bei mir, und wir haben viel gemeinsam unternommen. Ich arbeite schon 25 Jahre für Thobson Technologies, Pakistans größten Anbieter von IT-Lösungen für Netzwerke. Wenn er jetzt nach der Schule zu mir ins Büro kommt, wendet er einfach nur das Wissen an, das er sich im Lehrgang angeeignet hat.

Shafay, wie reagieren die Kunden deines Vaters, wenn du ihnen als Spezialist vorgestellt wirst?

Shafay:

(lacht) Die sind oft überrascht, aber dann finden sie es spannend. Sie stellen mir viele Fragen – ich frage einfach zurück.

Es gibt TV-Berichte über dich, IT-Spezialisten aus der ganzen Welt haben dir gratuliert. Du bist ein echter Star. Findest du das gut?

Hmm … nach der Pressekonferenz waren wir einmal im Restaurant, und jeder wollte mit mir reden. Das war mir zu viel, wir mussten das Restaurant verlassen.

Und was wünscht du dir für deine Zukunft?

Ich möchte weiter programmieren und später einmal ein IT-Spezialist werden. Und irgendwann einmal Bill Gates treffen.