Wirbelsturm „Sandy“

Langsam kehrt der Alltag zurück

Nach den Zerstörungen durch den Supersturm „Sandy“ beginnt für New York der lange Weg zurück in die Normalität. Erstmals seit der Sturm über den Nordosten der USA zog und 59 Menschen mit in den Tod riss, erwachte die Stadt am Mittwoch wieder bei Sonnenschein. Überflutete U-Bahn-Tunnel, massive Schäden am Stromnetz und verwüstete Straßenstriche machten aber deutlich, dass es noch Tage dauern wird, bis die Millionenmetropole wieder zu ihrer üblichen Hektik zurückkehren kann.

Doch am Mittwoch begann für viele New Yorker wieder der Alltag. Pendler fuhren am frühen Morgen mit Bussen durch die wegen des Stromausfalls immer noch dunklen und weitgehend leeren Straßen. Wenige Stunden später waren die Straßen wieder verstopft. Deshalb dürfen seit Mittwoch nur noch Autos mit mindestens drei Insassen nach Manhattan fahren.

Erste Haushalte im südlichen Manhattan wurden im Laufe des Tages wieder an das Stromnetz angeschlossen. Rund 2000 Kunden auf der Insel würden seit Mittwoch wieder mit Strom versorgt, sagte ein Sprecher des Unternehmens ConEdison der „New York Times“. Auch in einigen Teilen Brooklyns solle der Strom noch am Mittwoch wieder fließen. Für große Teile der restlichen Haushalte könne es allerdings noch bis Ende der Woche dauern, bis sie wieder ans Elektrizitätsnetz angeschlossen seien. Insgesamt sind dem Bericht zufolge immer noch fast 800.000 Menschen in der Millionenmetropole New York ohne Strom. Das älteste öffentliche Krankenhaus der USA, das Bellevue Hospital in New York, musste wegen Sturmschäden evakuiert werden. Rund 500 Patienten müssten verlegt werden.

Mithilfe von Stromgeneratoren wurde nach zweitägiger Pause der Handel an der New Yorker Börse wieder aufgenommen. Bürgermeister Michael Bloomberg läutete unter dem Jubel der Aktienhändler pünktlich um 9.30 Uhr die Glocke zum Handelsstart. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte verzeichnete in der ersten Stunde ein Plus von 18 Punkten. Am Mittwoch wurde der Flughafen JFK wieder geöffnet. Auch die Aussichtsplattform auf dem Empire State Building war erstmals wieder für Besucher zugänglich, vor dem Gebäude bildete sich eine lange Schlange.

Doch anderswo im Großraum New York ging es immer noch um die Rettung von Menschenleben. Suchmannschaften durchkämmten besonders schwer getroffene Gebiete wie den New Yorker Stadtteil Queens, wo ein Großbrand bis zu hundert Häuser zerstörte. Und vor allem jenseits des Hudson River in New Jersey warteten noch Tausende auf Hilfe. Die Zahl der Toten in den USA stieg mittlerweile auf 59 und auch in der Karibik wurde die Opferzahl durch „Sandy“ wegen weiterer bestätigter Toter in Haiti am Mittwoch von 52 auf 71 erhöht.

„Wir werden durch die nächsten Tage kommen, indem wir das tun, was wir immer in schweren Zeiten machen“, sagte Bürgermeister Bloomberg. Tatsächlich war dafür noch viel zu tun. Alle zehn U-Bahn-Tunnel unter dem East River waren überflutet, und Bloomberg rechnete damit, dass es bis zum Wochenende dauern könnte, bis das U-Bahn-Netz, mit dem täglich fünf Millionen Menschen zur Arbeit oder in die Schule fahren, wieder in Betrieb ist. Allerdings konnten Inspektoren den genauen Schaden wegen des Hochwassers noch nicht begutachten.

Der Alarm im Atomkraftwerk Oyster Creek in New Jersey konnte hingegen am Mittwoch wieder aufgehoben werden. Wegen Problemen im Zusammenhang mit „Sandy“ mussten auch der Reaktor 1 im Atomkraftwerk Nine Mile Point im Staat New York, der Reaktor 3 im AKW Indian Point nördlich von New York City und der Reaktor 1 in Salem am Fluss Delaware in New Jersey vom Netz genommen werden.

Obama profiliert sich als Macher

Präsident Barack Obama, der für New York und Long Island den Notstand ausgerufen hatte, reiste am Mittwoch ins benachbarte New Jersey, wo „Sandy“ bei Atlantic City auf Land getroffen war. Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie begrüßte seinen in einer khakifarbenen Hose und blauen Regenjacke gekleideten politischen Gegner Obama mit Handschlag. „Meine wichtigste Botschaft ist, dass das gesamte Land zugeschaut hat, was hier geschehen ist“, sagte Obama. Er versprach der Region „langfristige“ Hilfe. Zudem werde er „keinerlei Bürokratie“ dulden. „Wir werden für schnellstmögliche Hilfe sorgen.“

„Sandy“ versetzt Obama in die angenehme Lage, mit beherztem Krisenmanagement für seine Wiederwahl werben zu können, ohne über Politik sprechen zu müssen. Obamas republikanischer Rivale Mitt Romney nahm seinen Wahlkampf in Florida in vollem Umfang wieder auf.