E-Commerce

Porno-Händler plündern Facebook

Vor allem Minderjährige werden Opfer von Datendiebstählen

Der Trend ist international und verbreitet sich wie eine Seuche. Immer mehr Jugendliche stellen freizügige Fotos von sich auf Plattformen der sozialen Medien wie Facebook ein und wundern sich dann, wenn sie ihre Bilder auf Pornoseiten wiederfinden.

Die britische Internet Watch Foundation (IWF) hat jetzt in einer Fallstudie untersucht, in welchem Umfang dieser Fotodiebstahl geschieht. Über vier Wochen beobachtete die Organisation über 12.000 freizügige Amateurfotos und Videos, die auf 68 Webseiten veröffentlicht waren. Das Ergebnis: Über 88 Prozent dieses Bildmaterials wurden im Testzeitraum von parasitären Webseiten gestohlen und oft auf mehreren Pornoplattformen gleichzeitig unerlaubt veröffentlicht.

Wie eine zeitgleich erschienene Studie der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen zum Datenschutzverhalten junger Menschen im Netz ausweist, sind vor allem Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren gefährdet, Opfer von solchen Datendiebstählen zu werden. Besonders unbedarft seien Jugendliche mit niedrigem Bildungsniveau.

Mit dem sprunghaften Anstieg von sogenanntem benutzergenerierten Inhalten im Zuge der Verbreitung von Web-2.0-Techniken nutzen Geschäftemacher im Netz ganz offensichtlich die sozialen Netzwerke als Nachschubreservoir für ihre kommerziellen Angebote.

„Es ist das erste Mal, dass wir nachweisen konnten, in welchem Umfang das geschieht“, stellte Sarah Smith vom IWF-Forscherteam fest.

Ihre Kollegin Susie Hargreaves: „Wir konnten eindrücklich beweisen, wie schwer es ist, einmal ins Netz gestellte Fotos und Videos wieder zu entfernen. Wenn ein Foto einmal auf irgendeiner Webseite erscheint, ist die Kontrolle über seine Verbreitung dem Besitzer praktisch aus den Händen genommen.“ Das Zusammenspiel zwischen der Entwicklung neuer Kommunikationsformen im Internet und dem Vertrieb und Konsum von pornografischen Inhalten ist bereits von einer Reihe von Studien beleuchtet worden. So ist bekannt, dass etwa 43 Prozent aller Internetbesucher über Google nach Pornos suchen.

Der Frauenanteil beträgt dabei etwa ein Drittel. „Sex“ und „Porn“ sind unter den Top fünf der meistgegoogelten Suchbegriffe bei den unter 18-Jährigen. Nur drei Prozent der Pornoseiten haben übrigens einen Alters-Check.

Weit über die Hälfte aller Jugendlichen ist schon einmal mit pornografischen Internetseiten in Berührung gekommen. Der Trend, selbst pornografische Inhalte ins Netz zu stellen, ist allerdings neu und nun das Einfallstor für einschlägige Raubkopierer.

Jugendforscher sprechen in diesem Zusammenhang von „Selbstoffenbarungsverhalten“, das besonders bei Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren am weitesten ausgeprägt ist.