Kriminalität

Frust und Freude im Kunstbetrieb

Noch keine Spur nach Diebstahl in Rotterdam. In New York taucht ein Lichtenstein wieder auf

Nach dem spektakulären Kunstraub in Rotterdam fehlt der Polizei bei der Suche nach den Tätern noch eine heiße Spur. Die Ermittler würden mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen und seien weiterhin damit beschäftigt, die Bilder der Überwachungskamera auszuwerten, sagte Polizeisprecherin Willemieke Romijn am Mittwoch.

Rund 15 Hinweise seien eingegangen, nachdem die Polizei am Dienstagabend im Fernsehen um die Mithilfe der Bevölkerung bei der Aufklärung des Raubs gebeten habe, sagte sie. Die Täter hatten in der Nacht zum Dienstag sieben Werke von Künstlern wie Pablo Picasso, Claude Monet und Henri Matisse mit einem potenziellen Gesamtwert von mehreren Hundert Millionen Euro erbeutet. Experten gehen jedoch nicht davon aus, dass die Bilder tatsächlich illegal weiterverkauft werden sollen – dafür seien sie zu berühmt. Vielmehr deute alles darauf hin, dass Lösegeld für die berühmten Kunstwerke erpresst werden soll.

Während in Rotterdam die Fahndung nach den Meisterwerken auf Hochtouren läuft, ist auf der anderen Seite des Atlantiks unterdessen die Odyssee eines berühmten Bildes zu Ende gegangen: Ein etwa vier Millionen Dollar teures Werk von Roy Lichtenstein ist nach 42 Jahren seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben worden. Das Gemälde, auf dem ein Elektrokabel zu sehen ist, war 1970 von Kunsthändler Leo Castelli zur Reinigung an einen Restaurator abgegeben worden und verschwunden. Das Werk wurde in New York an Castellis Witwe Barbara Bertozzi Castelli übergeben, die sagte, sie wolle das Bild in ihrer Wohnung in Manhattan aufhängen.

Castelli erwarb das Bild in den 60er-Jahren zu einem Preis von 750 Dollar und schickte es Anfang 1970 zu einem Restaurator. Er bekam es nie wieder und verstarb 1999. Vor sechs Jahren druckte die Roy-Lichtenstein-Stiftung das Bild auf eine Grußkarte und bat Kunstsammler um ihre Mithilfe bei der Wiederauffindung.

Gerichtsunterlagen zufolge wurde das Gemälde im Spind eines Angestellten des mittlerweile verstorbenen Kunstrestaurators gefunden und von der Witwe des Restaurators an eine Galerie in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá weitergegeben. Die Frau habe erst anschließend im Internet erfahren, dass es sich dabei um ein verschollenes Gemälde handelte. Das Museum schickte es nach New York zurück, wo es jetzt in einem Lagerhaus auftauchte. Die Staatsanwaltschaft wollte keine Angaben dazu machen, ob in dem Fall gegen irgendjemanden ermittelt wird.

Castellis Witwe dürfte jedoch froh sein, dass ihr Bild zurück und nicht wie bei einem spektakulärer Fall aus Paris der Fall noch immer ungeklärt ist: Im Mai 2010 machte es ein defektes Alarmsystem des Museums für Moderne Kunst in der französischen Hauptstadt einem Dieb besonders einfach. Er musste nur ein Vorhängeschloss knacken und ein Fenster einwerfen, um in das Museum zu gelangen. 15 Minuten später war er wieder verschwunden – und mit ihm ein Picasso, ein Matisse und drei weitere wichtige Werke, deren Gesamtwert fast 100 Millionen Euro beträgt. Obwohl damals die Videoüberwachung den Dieb aufgezeichnet hatte, bemerkten die Sicherheitskräfte nichts.

In Rotterdam haben die Museumsleitung und die Polizei offenbar noch keine Hinweise aus dem Videomaterial gewinnen können. Doch ein „zweites Paris“ soll ihr Fall nicht werden.