Klage

Die „aufsässige“ Première Dame

Präsident Hollandes Partnerin Valérie Trierweiler klagt gegen Biografie, die Intimes zutage bringt

Vor nicht allzu langer Zeit hat Valérie Trierweiler den Satz gesagt: „Die Macht habe ich früh aus der Nähe kennengelernt, als ich meinen Beruf als Journalistin begann. Sie hat mich nie beeindruckt.“ Am Donnerstag erschien in Frankreich eine neue Biografie über die Lebensgefährtin des französischen Präsidenten François Hollande, und nun versteht man eventuell etwas besser, was die Première Dame mit diesen Worten meint. Oder man versteht überhaupt nichts mehr.

Die Autoren Christophe Jakubyszyn und Alix Bouilhaguet berichten nämlich unter dem wenig schmeichelhaften Titel „La Frondeuse“ (Die Aufsässige), dass Hollande nicht der erste Politiker im Liebesleben der vormaligen „Paris Match“-Reporterin war. Zuvor soll sie – Ende der 90er-Jahre – eine längere Affäre mit dem ehemaligen Minister Patrick Devedjian gehabt haben. Das Pikante daran: Devedjian ist Mitglied der konservativen UMP und war lange ein enger Gefolgsmann von Nicolas Sarkozy.

Bilder im Badeanzug

Der 68 Jahre alte Devedjian will die Autoren nun ebenso wegen „Diffamierung“ und „Eingriff in die Privatsphäre“ verklagen wie Valérie Trierweiler. Deren Anwältin, Frédérique Griffard, hatte bereits am Mittwoch eine entsprechende Klage angekündigt und erklärt, die Autoren verbreiteten „unbestätigte und bösartige Gerüchte“, um die Person Trierweiler sowie deren nächste Angehörige zu schmähen. Deshalb habe die Première Dame sich entschieden, Klage einzureichen. Es ist dies die zweite Klage binnen kurzer Zeit. Erst vor Kurzem hat Griffard für Trierweiler 2000 Euro Entschädigung erstritten, nachdem das Magazin „VSD“ die Partnerin des Präsidenten während der Sommerferien im Badeanzug abgelichtet hatte.

„La Frondeuse“ ist bei Weitem nicht der einzige Titel auf dem französischen Buchmarkt, der sich mit Hollandes Lebensgefährtin befasst. Der ehemalige „Le Monde“-Redakteur Laurent Greilsamer widmete ihr das Portrait „La Favorite“, Anna Cabana vom Magazin „Le Point“ und Anne Rosencher vom Magazin „Marianne“ beleuchteten in „Entre Deux Feux“ (Zwischen zwei Feuern) vor allem das komplexe Beziehungsdreieck Hollandes mit Trierweiler und seiner ehemaligen Lebensgefährtin Ségolène Royal.

Sylvain Courage, Chefredakteur des „Nouvel Observateur“, ergänzte die Forschungsliteratur seinerseits um das Werk „L’Ex“, in dem er das Beziehungsdrama noch einmal aus der Perspektive Ségolène Royals schildert.

Das neueste Werk nun übertrifft die bisherigen Veröffentlichungen zumindest im Grad der Indiskretion. Die Enthüllung der angeblichen Affäre Trierweilers mit Devedjian wurde deshalb von Politikern beider Lager kritisiert: „Die Medien gehen zu weit bei ihrer Jagd nach einem Scoop“, findet der sozialistische Abgeordnete Christophe Borel. Auch Politiker hätten ein Recht auf ein Privatleben. Für den UMP-Abgeordneten Hervé Mariton sind die Enthüllungen „ohne jedes Interesse“, ob sie nun stimmten oder nicht. Bislang sei Frankreich von solchen „Exzessen der Medien“ verschont geblieben.

Tatsächlich behandelten französische Medien das Privatleben von Politikern bis vor einer Weile vergleichsweise diskret. Wenig von dem, worüber die Pariser Medien- und Politikszene eifrig tratschte, wurde auch gesendet oder gedruckt. Die geheime Zweitfamilie von François Mitterrand etwa lernte man erst kurz vor dessen Tod kennen.

Diese Zurückhaltung ist jedoch jedoch spätestens seit der Strauss-Kahn-Affäre verschwunden. Denn das beschwingte Freizeitverhalten des ehemaligen Direktors des Internationalen Währungsfonds und verhinderten Präsidentschaftskandidaten war zumindest gerüchteweise vielen Journalisten bekannt.

Nach dem Skandal in New York begann daher in den Medien eine selbstkritische Diskussion, ob man zu lange geschwiegen habe. Strauss-Kahn musste als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten, nachdem er wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt wurde. Ein Zimmermädchen beschuldigte ihn, sie in einem New Yorker Luxushotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Zunächst war er festgenommen, später unter Hausarrest gestellt worden, nachdem seine Frau Anne Sinclair eine Kaution in Höhe von einer Million Euro zahlte. Ein Strafprozess wurde im vergangenen Jahr fallen gelassen, da die New Yorker Staatsanwaltschaft Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hotelangestellten hatte, doch Nafissatou Diallo, das Zimmermädchen aus dem „Sofitel“, reichte eine zivilrechtliche Klage auf Schadenersatz ein, woraufhin Strauss-Kahn seinerseits wegen Verleumdung klagte.

In Verlegenheit wird man im Fall Trierweiler nicht geraten, wenngleich es weit weniger zu enthüllen gibt. Angesichts der Menge an wenig wohlmeinenden Veröffentlichungen drängt sich fast der Eindruck auf, dass so mancher Journalist den Aufstieg seiner Ex-Kollegin nicht verkraftet hat. Allerdings hat Trierweiler selbst durch diverse Ungeschicklichkeiten zu ihrem rasanten Popularitätsverfall beigetragen. Im Mai noch feierte sie ihr Hausblatt „Paris Match“, für das sie heute noch über Kultur berichtet, als charmanten „Zauber“ an der Seite Hollandes.

Franzosen halten sie für zickig

Doch spätestens seit sie mit einer Twitter-Meldung den Gegenkandidaten ihrer Rivalin Royal im Parlamentswahlkampf unterstützte, begannen sich die Vorwürfe zu häufen, dass sie Privates und Politisches nicht auseinanderhalten könne. Auf Kritik stößt auch ihr Ehrgeiz, weiter als Journalistin arbeiten zu wollen. Trierweiler hat offenbar Mühe, ihren Anspruch, ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben zu führen, mit der öffentlichen Erwartungshaltung an eine Präsidentengefährtin zu vereinbaren. Dass ihr dieser Spagat misslingt, nehmen die Franzosen ihr anscheinend übel. Außerdem finden sie die Première Dame zickig: 67 Prozent, so ermittelte eine Umfrage für „VSD“, haben eine „eher negative Meinung“ über sie. Womöglich liegen all die Enthüllungsbücher auch deshalb wie Blei in den Regalen.

Die frühere konservative Ministerin Roselyne Bachelot ätzte kürzlich, Trierweiler solle sich über ihre beruflichen Einschränkungen nicht beschweren – sie könne ja als Journalistin arbeiten, dürfe dann aber nicht so prominent an der Seite Hollandes auftreten und politischen Einfluss ausüben. Als Beispiel empfahl sie einen Blick über den Rhein: Der Mann von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der Chemieprofessor Joachim Sauer, sei schließlich „öffentlich nicht existent“.