Polizei

Erste Spur im Fall des vermissten Mädchens aus Wales

Ermittler verhören Verdächtigen und überprüfen Luftaufnahmen eines zufällig gedrehten Videos

– Es gibt immer noch keine konkreten Anhaltspunkte, obwohl sich Tausende Menschen vor Ort und im Internet an der Suche nach der kleinen April beteiligen. Seit Montagabend wird die fünf Jahre alte April aus Wales vermisst, und das ganze Land beteiligt sich an der fieberhaften Suche, die mehr und mehr zu einem verzweifelten Wettlauf gegen die Zeit geworden ist. Das Mädchen wurde zuletzt von seinen Freunden am Montagabend in seinem Wohnort Machynlleth gesehen, als es in ein unbekanntes Fahrzeug einstieg. Noch kurz vorher war es mit einem befreundeten Kind in der Nähe seines Elternhauses Fahrrad gefahren.

Die Polizei rief am Donnerstag ortskundige Einheimische zu Hilfe, die bei der Suche in der hügeligen Gegend helfen sollten. Einige Anwohner schlossen sich auch sofort zu Suchtrupps zusammen, um auf eigene Faust nach der Fünfjährigen Ausschau zu halten. Gleichzeitig weitete die Polizei den Suchradius stetig aus. Hunderte Spezialkräfte sind mit Spürhunden in der Gegend unterwegs. Küstenwache und Seenotrettungsdienst durchkämmen die Ufer der Flussmündung des Dyfi (Dovey). Außerdem wurden zahlreiche Fahrzeuge kontrolliert und Aufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet. Auch zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung sind bei der Polizei eingegangen und müssen untersucht werden. Was die Situation besonders brenzlig macht und dafür sorgt, dass Helfern und Behörden die Zeit davonläuft: Das Kind leidet den Angaben zufolge an einer Kinderlähmung. Um die Auswirkungen ihrer Nervenkrankheit zu kontrollieren, braucht April dringend ihre Medikamente. Die Polizei hatte am Dienstag einen Mann unter dem Verdacht festgenommen, die kleine April entführt zu haben.

Der 46-Jährige wurde auch am Donnerstag noch verhört. Einzelheiten aus der Vernehmung gaben die Ermittler jedoch nicht bekannt. Der Mann war vor allem wegen seines Autos, eines Geländewagens, ins Visier der Ermittler geraten. Andere Kinder hatten bestätigt, dass es sich bei dem Wagen, in den April – offenbar aus freien Stücken – eingestiegen war, um einen solchen Geländewagen handelte. Dabei soll eine Freundin von April sie regelrecht angefleht haben, nicht in den Wagen zu steigen. Der 46-Jährige stammt aus der Gegend und soll selbst zwei Töchter im Grundschulalter haben, die mit dem vermissten Mädchen befreundet sein sollen. „Wir sind zuversichtlich, dass er uns helfen kann, sie wiederzufinden“, sagte ein Behördensprecher. Er wird jedoch nur befragt, ohne dass man ihn gegen Anklage erhoben habe, sagte ein Polizeisprecher gegenüber der britischen Tageszeitung „Mirror“. Noch ist unklar, was die Polizei gegen Mark Bridger wirklich in der Hand hat. Dass sie sehr schnell sowohl seinen Namen als auch ein Bild von ihm veröffentlichte, gilt allerdings als ungewöhnlich. Die Eltern von April hatten am Mittwoch in einer Pressekonferenz um weitere Hilfe gebeten und sich mit einem verzweifelten Aufruf direkt an den mutmaßlichen Entführer gewandt: „Bitte, bitte, wenn Sie unser kleines Mädchen haben, lassen Sie es zu uns nach Hause.“ Tausende Menschen schlossen sich mehreren Gruppen im Internet-Netzwerk Facebook an, die für die Suche nach April gegründet worden waren. Es sind inzwischen über 10.000 Menschen, die Mitglied der Gruppe „Missing April Jones Abducted in Machynlleth, Wales on 1st October 2012“ sind und die Suchanzeige der Polizei, die Fotos des Mädchens teilen und weiterverbreiten.

Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter war der Fall der Fünfjährigen ein dominierendes Thema. Unter dem Hashtag #apriljones sammeln sich aktuelle Informationen, Zeitungsberichte, aber auch Hinweise und Vermutungen über den Verbleib des Mädchens. Zurzeit wird noch eine zufällig gemachte Videoaufnahme eines britischen TV-Senders ausgewertet. Sie zeigt eine Luftaufnahme des Flusses, die nur einen Tag nach dem Verschwinden des Mädchens gemacht wurde.