Gedenken

„Dickie, was machen wir ohne dich!?“

Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises gedenken die Promis des Komikers Dirk Bach

– Deutschlands beste Schauspieler 2012 heißen Wotan Wilke Möhring, Barbara Auer und Ina Weisse. Alle drei erhielten am Dienstagabend bei einer Gala in Köln den begehrten Deutschen Fernsehpreis. Überschattet wurde die feierliche Veranstaltung von dem überraschenden Tod des Entertainers Dirk Bach. „Dirk Bach hat auch mal den Fernsehpreis moderiert und zwar besser angezogen als jeder andere, der es vor oder nach ihm jemals gemacht hat“, sagte Moderator Oliver Welke vor 1200 geladenen Gästen.

Bach hatte 2002 gemeinsam mit Sandra Maischberger die Preisverleihung moderiert. „Das ist ein Verlust, den man leider gar nicht kompensieren kann. In diesem Sinne: Tschüss Dickie“, sagte Welke in einer kurzen Ansprache. Eine Gedenkminute blieb aus. Einige Prominente wie Schauspieler Dietmar Bär (“Tatort“) oder Komiker Michael Kessler (“Switch reloaded“) trugen „Danke Dirk“-Buttons.

Eine öffentliche Trauerfeier für Dirk Bach wird es auf Wunsch der Familie des Schauspielers nicht geben. Stattdessen könnten sich alle Wegbegleiter, Freunde und Kollegen in Form einer Kondolenzbekundung von dem Entertainer verabschieden, teilte ein Kölner Bestattungshaus mit. Am Montag würden dazu Bücher in dessen Räumen ausliegen.

Der beliebte Schauspieler, dessen Spezialität schrille Auftritte waren, war zu Wochenbeginn leblos in einem Berliner Appartement gefunden worden. Einem Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft zufolge starb er „wahrscheinlich an Herzversagen“.

TV-Größen und Weggefährten von Dirk Bach zeigten sich nach Bekanntwerden der Nachricht bestürzt. Entertainer Hape Kerkeling sagte in einem Statement: „Dirk Bach war einer unserer Allerbesten.“ Bachs plötzlicher Tod auf dem Höhepunkt seines wunderbaren Lebens bestürze ihn zutiefst. „Sein begnadetes schauspielerisches Talent, seinen Feinsinn, seinen Mut, seine Klugheit und vor allem seine außergewöhnliche Herzlichkeit und menschliche Wärme werde ich schmerzlich vermissen. Seinem Lebenspartner und seiner Familie wünsche ich viel Kraft in dieser schweren Zeit. Dickie, was machen wir jetzt bloß ohne dich!?“, fügte Hape Kerkeling hinzu.

Letztes Interview vor seinem Tod

Auch Sonja Zietlow, die mit Bach die RTL-Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ moderierte und mit ihm ein Millionenpublikum amüsierte, meldete sich zu Wort. „Kein Lachen kann so mitreißend, kein Herz so tiefgründig und kein Fazit so treffend sein wie deines. Und keine Hängebrücke kann schöner schaukeln als unter deinem Gewicht“, schrieb die 44-Jährige auf ihrer Internetseite unter der Überschrift „Good Bye, Dickie...“.

Auch Thomas Koschwitz trauert um den Entertainer. Der RTL-Radiomoderator führte am 20. September das letzte große Interview mit Dirk Bach vor dessen Tod. „Ich bin sprachlos und geschockt“, sagte Koschwitz, „er war doch eben noch da, das Gefühl, dass er nie wieder durch die Türe kommt, ist unfassbar.“ Über seine Arbeit als Entertainer sagte Dirk Bach in dem Interview: „Wir arbeiten halt, bis wir umfallen. Nicht weil wir nicht aufhören können, sondern weil es so in einem steckt. Der Beruf ist halt eine Berufung.“ Von einer Krankheit oder Problemen mit dem Herzen sprach er nicht. „Auszeiten sind mir wichtig, um auch mal was für mich zu machen. Theaterspielen ist ein 24-Stunden-Job“, so Bach im Gespräch. „Er war so lebensmutig und voller Kraft und Spaß“, sagte Koschwitz über Dirk Bach. „Er hatte so einen liebevollen Blick auf die Welt, und auch wenn er im ‚Dschungelcamp’ oft zynisch war, ihm konnte man nichts übel nehmen.“ Am kommenden Sonnabendvormittag läuft das Interview in der Sendung „Koschwitz zum Wochenende“ auf Radio Brocken und RTL Sachsen.

TV-Sender gaben indes bekannt, dass sie mit Sondersendungen an den Entertainer erinnern. Unter anderen werde RTL am Freitag (5. Oktober, 21.15 Uhr) eine etwa 30 Minuten lange Sondersendung zeigen, teilte das Unternehmen mit. Eine siebte Staffel des Dschungelcamps war dem Sender zufolge für Anfang 2013 geplant, das Erfolgsduo sollte erneut die Moderation übernehmen.

Zu der Frage, ob die Sendung dennoch wie geplant ausgestrahlt werde, sagte der RTL-Bereichsleiter für Comedy, Markus Küttner: „Der Schmerz über den Verlust lässt noch keine Gedanken an die Show zu. Wir werden uns zu gegebener Zeit äußern, jetzt zählen andere Dinge.“

Bach probte in den vergangenen Tagen am Berliner Schlosspark Theater für das Stück „Der kleine König Dezember“ – am Samstag sollte Premiere sein. Der Regisseur fand den Leichnam Bachs. Weil der Entertainer nicht zu einem vereinbarten Termin auftauchte, hatte er sich auf die Suche gemacht.

Theaterleute stehen unter Schock

Am Eingangsportal des Schauspielhauses standen Grablichter und Blumensträuße vor einer Vitrine, in der eine schwarzumrandete Mitteilung hing: „Dem Schlosspark Theater obliegt die traurige Pflicht, Ihnen mitzuteilen, dass Dirk Bach für uns völlig unerwartet verstorben ist.“

Die Theaterleute standen unter Schock. „Es läuft alles unter einer großen grauen Wolke ab“, sagte der Sprecher des Theaters, Harald Lachnit. Nun sei es an Intendant Dieter Hallervorden und Regisseur Lorenz Christian Köhler zu entscheiden, wie es weitergeht. Die ersten neun Termine seien abgesagt, doch ab Ende Oktober wolle das Ensemble das Stück spielen. Es werde jedoch verdammt schwer werden, einen Ersatz zu finden, räumte Lachnit ein. „Es gibt keinen zweiten Dirk Bach.“

Der Deutsche Fernsehpreis – die Gala wird am Donnerstag (4. Oktober, 20.15 Uhr) im Zweiten ausgestrahlt – wurde zum 14. Mal vergeben. Der 45-jährige Wotan Wilke Möhring wurde für seine Rolle in dem ARD-Drama „Der letzte schöne Tag“ geehrt. Darin spielt er einen verzweifelten Familienvater, der nach dem Selbstmord seiner Frau alleine für die Kinder sorgen muss.