Unfall

Tödliches Ende einer Busfahrt

| Lesedauer: 5 Minuten
Johnny Erling

Fünf deutsche Ärzte sterben bei einem Verkehrsunfall in der Nähe von Peking, 14 weitere Menschen werden schwer verletzt

Fünf deutsche Touristen sind bei einem schweren Verkehrsunfall 55 Kilometer von Peking entfernt ums Leben gekommen. 14 Menschen wurden verletzt, der chinesische Fahrer des Busses erlag wenige später seinen schweren Verletzungen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua trug sich der Unfall am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr zu. Nach bisherigen Erkenntnissen zum Unfallablauf fuhr der aus Peking kommende, mit der deutschen Reisegruppe besetzter Bus auf der Zubringer-Schnellstraße (dort kreuzen sich die Routen Peking-Shanghai und Peking-Tianjin) prallte frontal auf einen Container-Lkw auf.

Deutsche Opfer aus Bayern

Der Reisebus des chinesischen Reisedienst „Beijing Youth Travel Service“ fing dabei Feuer. Augenzeugen sahen noch, wie sich Mitreisende aus dem brennenden Bus ins Freie retten konnten, bevor der Bus in Flammen aufging und ausbrannte. Laut der offiziellen Webseite „Tianjin Renmin Wang“ war die Reisegruppe (die Teilnehmer kamen aus den Bundesländern Bayern und Baden Württemberg, unter ihnen sollen Ärzte und Mediziner sein) erst kurz vor dem Unglück am Montag früh in Peking gelandet. Erste Station ihrer Städtereise sollte Tianjin sein. Sie wollten dort das Hospital Nummer 1 besuchen, das zur Tianjiner Universität für traditionelle chinesische Medizin gehört. Das jedenfalls sagte der Übersetzer Fu Dechao, der die Gruppe begleiten sollte.

Niemand konnte ahnen, dass die Deutschen dort nicht als Fachbesucher, sondern als zum Teil schwer verletzte Patienten eintreffen würden. Er habe noch um halb neun Uhr vormittags die Gruppe im Bus anrufen wollen, um zu wissen, wie weit sie noch weg waren. Aber da war es schon zu spät. Fu eilte ins Hospital, um bei der Aufnahme der Verletzten zu helfen. Unter den 14 ebenfalls verletzten Businsasssen sind 12 deutsche Reisende und zwei chinesische Begleiter. Die getöteten Deutschen stammen offenbar aus Bayern und Baden-Württemberg. Drei der Deutsche liegen schwer verletzt auf Intensivstationen in Krankenhäusern in Tianjin, wie ein Arzt des Wuqing-Volkskrankenhauses der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua sagte. Den übrigen der insgesamt 14 Verletzten, darunter zwölf Deutschen, gehe es besser. „Ihr Zustand ist stabil“, aber sie stünden unter einem schweren Schock, sagte der Arzt, der nur seinen Nachnamen Zhang angeben wollte. „Die meisten haben Verbrennungen, Brüche oder Quetschungen erlitten.“

Die überlebenden Verunglückten werden von Mitarbeitern der Deutschen Botschaft betreut, die aus Peking nach Tianjin gereist sind. Auch der Deutsche Botschafter in China, Michael Schäfer, ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes vor Ort eingetroffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Alle Verletzten wurden zuerst ins Bezirkskrankenhaus „Wujing-Renmin Yiyuan“ gebracht, das zum Großraum Tianjin gehört. Das Krankenhaus sagte auf Anfrage, dass es zwei der Verletzten mit schweren Brüchen sowie einen Verletzten mit schweren Brandwunden in andere Krankenhäuser verlegen musste. Für die Opfer mit schweren Brandverletzungen in Tianjin sind zudem mehrere Spezialisten zur Notbehandlung hinzugezogen worden.

Verkehrschaos wegen Nationalfeier

Der deutsche Botschafter in Peking und seine Mitarbeiter haben die Verletzten bereits besucht und ihnen jede nur mögliche Hilfe angeboten. Chinas Fernsehen und auch chinesische Webseiten berichteten bereits vom Nachmittag an ausführlich über die medizinische Behandlung der Verletzten, die ausgerechnet an Chinas bedeutendem Nationalfeiertag verunglückten. Die Nationaltagsfeiern haben an diesem Montag begonnen, sie dauern noch bis zum 8. Oktober. Wie immer sind Millionen Autoreisende auf verstopften Autobahnen und Straßen unterwegs. Allein am Sonntag waren nach Behördenangaben 85 Millionen Autofahrer unterwegs. Das Verkehrsaufkommen stieg um 40 Prozent im Vergleich zu anderen Sonntagen. Mehrere Gründe tragen zu dem Fahrboom mit seinen „Superstaus“ bei. Zum einen erhielt Chinas Bevölkerung dieses Jahr einen verlängerten Urlaub, den viele natürlich nutzen, um Ausflüge zu machen. Nach dem Bauernkalender fiel 2012 das eintägige traditionelle Mondfest zeitlich mit dem Nationalfeiertag zusammen. So ergab sich ein Tag mehr Urlaub. Autofahrer nutzten die Gunst der Stunde denn Pekings Regierung hat für die Dauer der Feiertage außerdem alle Maut-Gebühren für die Autobahnnutzung im ganzen Land streichen lassen.

Autobahnfahren ist damit erstmals eine Woche lang in China völlig umsonst. Die Polizei richtete deshalb bereits 14.000 provisorische Verkehrsleitstellen ein und setzte landesweit Tausende zusätzliche Erste-Hilfe-Stationen und Notarztwagen auf Bereitschaft, um das Schlimmst zu verhindern. China verzeichnet nämlich einen traurigen Weltrekord an Verkehrsopfern. Seit zehn Jahren hintereinander gab es hier weltweit die meisten Unfalltoten im Straßenverkehr. Allein im Jahr 2011 starben 62.000 Verkehrsteilnehmer auf Chinas überfüllten Straßen.

( dapd/dpa/nbo )