Laut Polizei war der Täter von Neuss wütend wegen seiner Datenschutzerklärung

Die in einem Jobcenter in Neuss erstochene Mitarbeiterin ist offenbar zufällig Opfer der Bluttat geworden. Auslöser des Verbrechens vom Mittwoch war nicht etwa ein Streit über Geld, wie die Ermittler am Donnerstag in Neuss mitteilten. Vielmehr habe der geständige Täter wohl aus Wut über eine von ihm unterschriebene Datenschutzerklärung eigentlich einen Mitarbeiter eines anderen Instituts im selben Gebäude zur Rede stellen wollen.

Da dieser Mitarbeiter nicht in seinem Büro gewesen sei, habe der 52-Jährige das Büro des späteren Opfers aufgesucht. Die Frau wurde durch drei tiefe Messerstiche getötet. Der Leiter der Mordkommission, Guido Adler, sprach von einem „mehr als tragischen Geschehen“. Anlass sei offenbar eine „absolute Nichtigkeit“ gewesen.

Das Opfer IreneN. war demnach zuletzt in einem Projekt für die Betreuung von Arbeitslosen im Alter von über 50 Jahren tätig gewesen. Seit März zählte auch der tatverdächtige AhmedS. zu ihren Kunden. N.habe den späteren Täter weitervermittelt an das Nachbarinstitut, mit dem das Jobcenter eng zusammenarbeitet. Der Institutsmitarbeiter habe zuletzt mit dem 52-Jährigen einen Lebenslauf erstellt. Dabei habeS. auch eine Erklärung unterschrieben, dass seine Daten an andere Behörden weitergegeben werden dürften.

Anschließend habe der geschiedene Vater von fünf Kinder nach eigenen Angaben Fernsehberichte über politische Debatten gesehen, in denen es um einen möglichen Missbrauch persönlicher Daten ging. Dies habe den Tatverdächtigen „nicht zur Ruhe kommen lassen“. S.gab demnach im Verhör an, er habe nach mehreren schlaflosen Nächten am Mittwoch das Jobcenter-Gebäude in Neuss aufgesucht, um den Sachbearbeiter des benachbarten Instituts zur Rede zu stellen.

Als dessen Büro verschlossen war, ging er demnach weiter zum Arbeitsplatz von IreneN. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass im Vorhinein irgendein Problem zwischen diesen beiden bestanden hat“, sagte Adler. Der 52-Jährige führte den Angaben zufolge zwei Messer bei sich. Nachdem das erste offenbar bei einem Stichversuch abgebrochen sei, habe er dem Opfer mit dem zweiten Messer drei tiefe Stiche zugefügt. Die 32-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Der Tatverdächtige ließ sich kurz nach der Messerattacke in der Nähe des Jobcenters widerstandslos festnehmen. Adler zufolge war der 52-Jährige bislang kriminalpolizeilich noch nicht in Erscheinung getreten. Nach der Bluttat habe S.noch im Gebäude Zeugen zufolge gesagt: „Rufen Sie die Polizei.“ Anschließend sei er hinausgegangen und sei dabei „nicht einmal gerannt“.

Den Ermittlern zufolge gibtS. die Tat zwar zu, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen von Mord aus. Der Täter habe der Sachbearbeiterin „massive, mit Wucht ausgeführte Verletzungen“ beigebracht, sagte die Düsseldorfer Staatsanwältin Britta Zur. Das Opfer sei „sowohl arg- als auch wehrlos“ gewesen. Auch habe die Leiche keine Abwehrverletzungen aufgewiesen. Hinweise auf eine Schuldunfähigkeit des Täters lagen den Ermittlern nach eigenen Angaben zunächst nicht vor. Der 52-Jährige werde im weiteren Verfahren von einem Sachverständigen begutachtet werden, sagte die Staatsanwältin. „Dann werden wir sehen, wie sein Geisteszustand bei der Tat war.“