Mode

Ein Traum in Weiß

Jil Sander kehrt mit ihrer Marke auf die Mailänder Modewoche zurück – und beeindruckt alle

„Neustart bei null“, „Vertikalität im Raketenstil“: So stand es auf der Kollektionsbeschreibung. Dazu Musik mit dem Titel „Reunion“. Mehr Symbolik ging nicht. Und ohne Zweifel war die Jil-Sander-Präsentation der spannendste Termin der am Montag zu Ende gehenden Mailänder Modewoche. Zwar hatte Frau Sander nach der spektakulären Rückkehr zu der von ihr gegründeten Marke bereits im Juni gezeigt, was die Männer wieder von ihr erwarten dürfen, doch die harte Modewährung wird bei den Frauen eingezahlt.

Und so saßen die Journalisten und Einkäufer, Freunde und auch die Enkelin von Sanders Lebensgefährtin Dickie Mommsen am Sonnabendnachmittag im kleinen Theater im Firmensitz in der Via Beltrami um einen großen Laufblock herum, der so derart strahlend weiß war, als gelte es, das Reinheitsgebot neu zu definieren. Und so war es im Grunde auch. Der 68-jährigen Hamburgerin ist ein fulminantes Comeback gelungen. Voller Spannkraft und Schönheit.

Jacken, die von vorn noch aussehen wie ein Klassiker, bauschen sich leicht und geradezu schwerelos im Rücken, sorgen so für eine schwungvolle Silhouette. Und da war es wieder: das berühmte Blau. Als Kleid, als Kostüm, als Mantel. Vertraut und doch ganz modern.

Und auch viel Reinweiß und der Ton von oxidiertem Eisen. Stufenförmige Tops, Röcke mit „kontrolliertem“ Schwung. Freche weiße Kleider mit Gummikreisen. Und typisch Sander: Unsichtbar sichtbar war in allem die große Schnittpräzision, die ihren Entwürfen eine Spannung gibt, die wie die Schnörkellosigkeit ihr Markenzeichen ist. Jil Sander kann Jil Sander immer noch am besten.

Es gibt Entwürfe wie eben die von Jil Sander, die länger als eine Saison tragen, die nicht an Kraft verlieren, was wahrscheinlich auch bei der Kaufentscheidung tröstlich ist.

Das gilt auch ganz besonders für Bottega Veneta. Thomas Maier hat wieder atemberaubend schöne Kleider gezeigt. Die Kombination aus tough und weich zieht sich als roter (oftmals auch schillernder) Faden durch das nächste Frühjahr, so wie es viele grafische Elemente, Materialkombinationen, Layers und helle Farbspiele gibt, der Rücken das neue Dekolleté ist und Schuhe endgültig Handtaschen als „It-Pieces“ ablösen.

Aber keiner hat so kostbare, kleidsame und moderne Kleider entworfen wie Maier. Auch Miuccia Prada wollte zwei gegensätzliche Charakteristika von Frauen vereinen: Stärke und Poesie. „Diese Kleider sind Ausdruck eines unmöglichen Traums“, erklärte sie nach der Schau. Ihre Designsprache ist aber artifizieller, kantiger. Wie der Blumenprint auf dicker, gefalteter Seide im Kimonostil.

Und dazu Schuhe, die Erinnerungen an das chinesische Kaiserreich wecken. Aber eben in Prada-Übersetzung, raffiniert und spannend. Und dazwischen taucht dann ein rosa Pelzmantel mit aufgedruckten Blümchen auf. Eine flauschige Provokation: zuckersüß, politisch unkorrekt und überhaupt: Pelze im Sommer? Klar.