Drehbuchprozess

Fortsetzung folgt

Urteil im Drehbuchprozess um Doris Heinze auf Oktober vertagt

– Der Schlussakt im Drehbuch-Prozess um die frühere NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze verzögert sich. Statt des erwarteten Plädoyers der Staatsanwaltschaft stellte die Verteidigung einer mitangeklagten Filmproduzentin am Donnerstag noch eine Reihe von Anträgen, über die die Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts entscheiden musste. Weitere Dokumente wurden eingereicht.

Heinze muss sich wegen schwerer Bestechlichkeit, schwerer Untreue und Betrugs verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem verbotene Absprachen mit einer Filmproduzentin vor. Außerdem soll sie mit Drehbüchern, die sie unter falschem Namen verfasste, jeweils das volle Honorar von rund 26.000 Euro kassiert haben – obwohl ihr als angestellte NDR-Mitarbeiterin nur die halbe Gage zustand. Auch Heinzes Ehemann sitzt auf der Anklagebank.

Im Zuge der Beweisanträge wurden Anklagepunkte fallengelassen, die aber für die strafrechtliche Bewertung der Hauptvorwürfe nicht maßgeblich ins Gewicht fallen. So steht nicht mehr zur Debatte, dass Heinze für einen Film ein Wiederholungshonorar eingestrichen haben soll. Heinzes Anwalt wollte in diesem Fall einen Freispruch seiner Mandantin. In einem anderen Fall war Heinze vorgeworfen worden, ein fast identisches Drehbuch doppelt verkauft zu haben. Der Prozess habe gezeigt, dass Heinze jedoch zwei verschiedene Drehbücher verfasst habe, sagte ihr Anwalt Gerd Benoit. Die Angeklagte hatte beteuert, keineswegs zwei identische Drehbücher – „Dienstage mit Antoine“ und „Tage mit Marie“ – an zwei verschiedene Produzenten verkauft zu haben. Auch diesbezüglich wollte der Verteidiger einen Freispruch.

Der Anklagepunkt gegen die Filmproduzentin, sie habe mehrere Rechnungen für Drehbücher zur Zahlung freigegeben, ohne dass aber eine entsprechende Leistung erbracht worden war, wurden ebenfalls eingestellt.

Der Vorsitzende Richter Volker Bruns wurde durch die neuen Beweisanträge auf eine Geduldsprobe gestellt und bezweifelte mehrmals deren Notwendigkeit. Offensichtlich wollte Verteidiger Benjamin Tachau die Glaubwürdigkeit und Unschuld seiner Mandantin mit den Anträgen untermauern. Bis zum späten Nachmittag beschäftigte er das Gericht mit seinen Einwänden, so dass Plädoyers nicht mehr gehalten werden konnten. Der Prozess soll in der ersten Oktoberwoche fortgesetzt werden. Wann genau das Urteil gesprochen wird, steht noch nicht fest.

Seit Juli mussten sich die Angeklagten vor Gericht verantworten. Mit Hilfe der Decknamen „Marie Funder“ und „Niklas Becker“ hat Heinze Drehbücher von sich und ihrem Mann bei dem öffentlich-rechtlichen Sender eingeschleust, wie sie selbst vor Gericht sagte. Sie sprach von einem „irre großen Fehler“. Sie habe permanent ein schlechtes Gewissen gehabt, sagte sie im Prozessverlauf. Die mitangeklagte Produzentin hatte nach eigener Aussage auch „keinerlei Bedenken“, dass Heinze und ihr Mann Pseudonyme verwendeten.