Paparazzi-Abschuss

Bitte nicht „Closer“

Das französische Magazin darf Kates Oben-ohne-Fotos nicht weiter verbreiten

So engagiert hat Europa schon lange nicht mehr über ein paar spärlich bedeckte Brüste diskutiert. Darf man den Paparazzi-Abschuss von Herzogin Kates entblößter Oberweite zeigen? Oder verletzt das ihre Privatsphäre und deutet auf eine ähnliche Hetzjagd hin wie damals bei Prinzessin Diana? Das königliche Haus hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine weitere Verbreitung der Fotos zu verhindern. Nun hat das königliche Paar einen ersten Sieg vor Gericht zu errungen: Das französische Magazin „Closer“, das die Bilder zuerst abdruckte, darf die Oben-ohne-Fotos nicht mehr veröffentlichen oder weiterverbreiten, wie ein Gericht in Nanterre bei Paris am Dienstag entschied. Das Magazin wurde sogar verdonnert, die Originale an die britische Königsfamilie auszuhändigen.

Einstweilige Verfügung

Prinz William und Kate hatten einen Eilantrag bei dem Gericht in Nanterre gestellt, nachdem „Closer“ die offenbar mit einem Teleobjektiv in ihrem Urlaub in Südfrankreich geschossenen Fotos am Freitag veröffentlicht hatte. In einer einstweiligen Verfügung verbot das Gericht dem Herausgeber des Klatschmagazins nun, die Fotos „weiterzugeben oder in jedweder Form zu verbreiten“, auch im Internet. Die Fotodateien müssen der Königsfamilie binnen 24 Stunden übergeben werden, für jeden Tag Verzögerung wird eine Strafe von 10.000 Euro fällig.

Dem Mondadori-Verlag des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, in dem „Closer“ erscheint, wurde von dem Gericht zudem eine Strafe von 10.000 Euro für jede neuerliche Verbreitung oder Überlassung der Fotos angedroht. Außerdem muss der Verlag 2000 Euro Gerichtskosten zahlen.

Das Gericht rügte ausdrücklich den „reißerischen“ Artikel von „Closer“, die Fotos wertete es als Eindringen in das „Privatleben“ des Paars. Die Anwältin von „Closer“, Delphine Pando, hatte bei der Anhörung vor Gericht am Montagabend argumentiert, dass die Fotorechte nicht der Verlag habe, sondern der Fotograf oder dessen Agentur. Das Magazin habe die Exklusivrechte für die Fotos nur für eine bestimmte Zeit gekauft. Der Antrag von Prinz William und Kate sei daher unzulässig. „Closer“ weigert sich bisher, die Identität des Fotografen preiszugeben. Unabhängig von diesem ersten juristischen Erfolg für das Königshaus wurden auch Vorermittlungen für ein Strafverfahren eingeleitet. In Frankreich kann sich ein solches Verfahren gegen Fotografen oder Redakteure, aber auch gegen juristische Personen richten, also zum Beispiel das Klatschmagazin.

Es drohen 45.000 Euro Strafe

Bei einer Verurteilung drohen bis zu 45.000 Euro Strafe und ein Jahr Haft. Die Paparazzi-Fotos zeigen Kate nur mit einem Bikinihöschen bekleidet, wie sie auf der Terrasse eines Privatanwesens in der südfranzösischen Provence in der Sonne liegt oder von ihrem Mann eingecremt wird. Die Veröffentlichung der Oben-ohne-Fotos hatte im britischen Königshaus für Empörung gesorgt, auch weil Prinzessin Diana, die Mutter von Prinz William, auf der Flucht vor Fotografen 1997 bei einem Autounfall in Paris ums Leben gekommen war. „Closer“ hatte die Fotos zuerst veröffentlicht, und am Montag wurden sie dann im italienischen Klatschblatt „Chi“ abgedruckt, das wie „Closer“ zum Mondadori-Verlag gehört. Am Wochenende hatte auch die Zeitung „Irish Daily Star“ die Bilder übernommen, die der Palast als „groteskes“ Eindringen in die Privatsphäre sieht. Das Unternehmen Independent Star, zu dem das Blatt gehört, suspendierte am Montag Chefredakteur Michael O’Kane und leitete eine interne Ermittlung gegen ihn ein.

Das Paar selbst ist derzeit auf Asien-Pazifik-Reise und genoss vor seiner Rückkehr nach Europa noch ein letztes Mal die Südseesonne. Beim Bad in der Menge war in dem winzigen Staat Tuvalu am Dienstag die Hälfte der gut 10.000 Einwohner auf den Beinen, berichteten mitreisende Reporter. In der Hauptstadt Funafuti wurde das Paar auf Händen getragen: William und Kate nahmen am Flughafen auf Thronsesseln auf einer Plattform Platz, die ein paar Dutzend blumengeschmückte Männer durch die begeisterte Menge zum Parlament trugen.

Prinz William (30) zeigte sich mit offenem Hemd etwas weniger steif als tags zuvor auf den Salomonen, als er im dunklen Anzug durch ein Hüttendorf mit Lehmboden gelaufen war. Kate trug ein luftiges, cremefarbenes Kleid mit Ärmeln bis zum Ellbogen und bedecktem Knie. Die beiden besuchten Schulen und wollten ein Kanurennen anschauen. Sie sollten im Haus eines australischen Marineoffiziers übernachten, twitterte einer der begleitenden Journalisten. Die frühere britische Kolonie ist mit 25 Quadratkilometern Landfläche eines der kleinsten Länder der Welt. Die beiden treten am Mittwoch die Heimreise an.