Unglück

Nach Großbrand in Pakistan: Fabrikanten des Mordes angeklagt

Einen Tag nach dem verheerendsten Industrieunfall in der Geschichte Pakistans steigt aus dem zerstörten Fabrikgebäude der Ali Enterprises in Karatschis Stadtteil Baldia schwarzer Rauch auf.

Mindestens 298 Menschen sind in den Flammen und giftigen Gasen ums Leben gekommen.

Zum Zeitpunkt der Explosion am Dienstagabend saßen rund 500 Arbeiter innerhalb des Gebäudes in der Falle. Ausgelöst wurde das Inferno wahrscheinlich durch einen defekten Generator. Schuld an der Katastrophe, da sind sich Medien und Regierung einig, ist skrupellose Fahrlässigkeit. Der Gouverneur der Provinz Sindh, Ishratul Ebad, hat eine Untersuchung angeordnet – nicht nur die Fabrikbesitzer würden zur Verantwortung gezogen, sondern auch die Beamten der Arbeitsbehörde und des Zivilschutzes. Inzwischen hat auch das Parlament in der Hauptstadt Islamabad eine Untersuchungskommission beschlossen.

Nicht einer der toten Arbeiter, schreibt die Zeitung „The News“, hatte einen rechtmäßigen Arbeitsvertrag, und damit war auch keiner von ihnen sozial- oder krankenversichert. Einer der Besitzer von Ali Enterprises sei ein gewisser Shahid Bhaila. Der Mann ist einer der größten Hosen-Exporteure Pakistans. Er stammt offenbar aus einer einflussreichen Geschäftsfamilie und hat gute Beziehungen zu den Behörden – so gut, dass Inspektoren bisher stets weggesehen haben. Außerdem habe er sich „gefälschte Zertifikate“ besorgt, die belegten, dass seine Fabrik den internationalen arbeitsrechtlichen Standards entspreche. Inzwischen soll Bhaila das Land verlassen haben. Gegen ihn und die beiden anderen Besitzer wurde Anklage wegen Mordes erhoben.