Klage

Zahltag für Shakira

Der Ex-Freund der Sängerin will 250 Millionen Dollar von ihr

Als sie sich um die Jahrtausendwende kennenlernten, war der biedere Jurist Fernando de la Rúa noch argentinischer Staatspräsident. Und so schlug es am Rio de la Plata hohe Wellen, als bekannt wurde, dass sein ältester Sohn Antonio de la Rúa Pertiné sich mit der kolumbianischen Rock und Pop Sängerin Shakira verlobt hatte. Das war im März 2001: er war damals 26, sie war 24 Jahre alt.

Antonio war vielen Argentiniern bekannt geworden als Wahlkampfmanager seines Vaters. Er schaffte es, vor allem viele junge Argentinier für diesen zu begeistern. Antonios Einfluss auf seinen eher phlegmatischen Vater blieb auch nach dessen Sieg groß. Er und seine jugendlichen Berater wurden in Buenos ‚Aires wegen ihrer Vorliebe für japanisches Essen gern als „Sushi-Connection“ bezeichnet. Ende 2001 war es mit deren Einfluss allerdings vorbei, denn Präsident Fernando de la Rúa wurde aus dem Amt gedrängt - und Argentinien rutschte in eine der tiefsten Wirtschaftskrise seiner damit reich gesegneten Geschichte.

Aber das konnte der Liebe von Shakira und Antonio nichts anhaben: Sie überdauerte diese Stürme mühelos. Erst Anfang Januar letzten Jahres gab Shakira auf ihrer website bekannt, dass die beiden sich im August 2010 „in beiderseitigem Einverständnis und auf Zeit“ getrennt hätten. Allerdings würden sie weiterhin „Geschäftspartner“ bleiben.

Seit den Aufnahmen des WM Songs „Waka Waka“ – zusammen mit der südafrikanischen Band Freshlyground - sickerten im Übrigen immer mehr Gerüchte durch über ein heftige Romanze von Shakira und dem – auf den Tag genau – zehn Jahre jüngeren katalanischen Fußballidol Gerard Piqué. Anfang Februar 2011 bestätigten die beiden offiziell ihre Beziehung. Kurz darauf mietete die Sängerin in Barcelona ein Haus, um Piqué noch näher zu sein, denn dieser ist weiterhin beim FC Barcelona unter Vertrag.

So weit so gut. Nun aber wurde bekannt, dass Shakira von ihrem Exfreund, mit dem sie jahrelang zusammen war, verklagt worden ist: Antonio de la Rúa soll schon im Juli Klage eingereicht haben, um das Einfrieren von Geldern zu erreichen, die die beiden in den zurückliegenden gemeinsamen Jahren angehäuft hätten. Aber Shakiras Anwalt, Ezequiel Camerini, gab jetzt bekannt, dass de la Rúa dies nicht gelungen sei: Das Einfrieren der Konten sei - einstweilen - verweigert worden, allerdings sei der Fall nicht definitiv abgeschlossen, sondern laufe noch.

Neun Jahre ein Paar

Dabei geht es um durchaus spannende Summen, schließlich ist die 1977 im kolumbianischen Barranquilla geborene Shakira eine der erfolgreichsten Pop Sängerinnen der letzten Jahrzehnte und verdient seit langem schon sehr viel Geld.

Ihr Vater ist ein New Yorker libanesischer Herkunft, die Mutter eine gebürtige Kolumbianerin mit spanisch-katalanischen Wurzeln. Schon mit 14 Jahren veröffentlichte Shakira, deren Name auf Arabisch „die Dankbare“ heißt, ihr erstes Album, es hieß „Magia“, Magie.

Es war damals allerdings ein Flopp. Erst Jahre später, als Shakira ein international erfolgreicher Superstar war, verkaufte es sich als ein beliebtes Sammlerobjekt. Das zweite Album, „Peligro“, Gefahr, brachte 1993 ebenfalls nicht den erhofften Erfolg. Ein Jahr später spielte Shakira dann in einer Telenovela mit, kehrte aber kurz darauf zur Musik zurück. 1995 kam der Durchbruch mit dem Album „Pies Descalzos“, Barfuß: Fünf Millionen Exemplare wurden davon verkauft. Weitere große Erfolge folgten und machten Shakira zu einer bekannten Künstlerin. Ihre Mischung aus Rock, Pop und Latin Rock machten sie in der ganzen Spanisch sprachigen Welt berühmt und beliebt.

Im Jahr 2001, also zu Beginn ihrer Beziehung mit Antonio de la Rúa, wagte sich Shakira an die ersten Songs mit englischen Texten. Das erweiterte ihre Hörerschaft weit über die bisher vorherrschenden Latino Zirkel hinaus: Endlich gelang ihr der internationale Durchbruch, sie wurde innerhalb weniger Jahre zu einem internationale erfolgreichen Superstar. Im Jahr 2003 trat sie ihre erste Welttournee an, 2006 die zweite, 2010 folgte die dritte. Nicht zuletzt auch in Deutschland wurde die Kolumbianerin begeistert von ihren Fans gefeiert. Und von 2001 bis 2010, also fast ein ganzes Jahrzehnt, stand ihr Antonio de la Rúa als Manager zur Seite. Vor allem betrieb er vor dem Hintergrund seiner eigenen – politischen – Erfahrungen in Argentinien das Engagement Shakiras auf sozialem Gebiet voran.

Die Grundlagen dafür hatte die Sängerin allerdings schon selber gelegt, als sie 1997 die „Fundación Pies Descalzos“ gründete, die Stiftung für Barfüßige. Damit wollte sie Kindern in ihrer Heimat Kolumbien helfen und finanzierte Programme mit, durch die obdachlose und hilfsbedürftige Kinder unterstützt und gefördert werden. Im Jahr 2003, unter dem Einfluss von Antonio de la Rúa, folgte dann eine Ausweitung dieses bis dahin nationalen Engagements aufs internationale Parkett: Im April jenes Jahres wurde Shakira offiziell zur Botschafterin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) ernannt.

Auch wirtschaftlich verbunden

Im Dezember 2006 gründete Antonio de la Rúa zusammen mit einer Reihe bekannter lateinamerikanischer Geschäftsleute und Künstler die „ALAS“ Foundation. Diese widmet sich der Unterstützung von Kindern in Lateinamerika. Der Ehrenpräsident ist kein Geringerer als der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, natürlich ein Kolumbianer. Und zu den Gründungsmitgliedern gehört auch der Mexikaner Carlos Slim Helú, der reichste Mann Lateinamerikas und – wie Shakira – libanesischer Abstammung.

Für diese Aktivitäten wurden sowohl Antonio de la Rúa wie auch Shakira immer wieder gelobt und geehrt – so etwa von US-Präsident Barack Obama, der die beiden im Februar 2010 ins Weiße Haus in Washington einlud.

Kolumbianische Zeitungen hatten in den zurückliegenden Tagen berichtet, dass de la Rúa aus dem „gemeinsam erworbenen Vermögen“ von Shakira 250 Millionen Dollar fordere ebenso wie die Überschreibung verschiedener Immobilien. Nun allerdings meldet sich in dem angesehenen Blatt „El Tiempo“ de la Rúas Anwalt zu Wort, Alberto Petracchi. Es habe sich bei den Spekulationen über finanzielle Forderungen de la Rúas nur um „wilde Pressegerüchte“ gehandelt: „In Wirklichkeit geht es um die Auflösung einer gemeinsamen Gesellschaft, die die beiden beruflich und wirtschaftlich für zwölf Jahre verbunden hat – nicht mehr und nicht weniger“.

Die nächsten Wochen und Monate werden wohl zeigen, ob das wahr ist, oder nun doch ein langer Kampf entbrennt um Geld und Immobilien. Antonio de la Rúa wurde jedenfalls in argentinischen Zeitungen auch schon mit einer neuen Flamme abgebildet, der blutjungen Daniela Ramos – übrigens wieder eine Kolumbianerin!