Bettina Wulff

Mit Ehrensold zum Therapeuten

Deutschlands ehemalige First Lady Bettina Wulff redet über die Probleme in ihrer Ehe. Mit ihrem Mann geht sie deshalb zum Therapeuten

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina hatten in den vergangenen Monaten keine leichte Zeit. Der Stress, dem die beiden ausgesetzt waren, hat sich auch auf ihre Beziehung als Ehepaar ausgewirkt.

Gemeinsam gehen sie zu einem Therapeuten, um die Auswirkungen der Zeit vor Christian Wulffs Rücktritt auf ihre Beziehung zu verarbeiten und schwelende zwischenmenschliche Probleme zu besprechen und zu lösen. Bettina Wulffs größter Wunsch sei, dass das Ehepaar wieder zurück in die Normalität einer glücklichen Beziehung finden kann.

Besonders schwierig sei die Zeit vor dem Rücktritts Wulffs im Februar dieses Jahres gewesen. Damals zwangen ihn Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, nach zwei Monaten Dauerkrise das Amt niederzulegen. Ihr Mann hätte es in diesem Winter nicht geschafft, sich auch noch um ihre Gefühle zu kümmern. Das bereue er heute, sagte Bettina Wulff der Illustrierten „Brigitte“ laut einer Vorabmeldung über das Interview: „Wir haben uns professionelle therapeutische Hilfe geholt, weil man das allein gar nicht verarbeiten kann.“

Die 38-Jährige machte ihrem Mann den Vorwurf, dass sie an seiner Seite ihre eigenen Bedürfnisse unterdrücken musste. Ihr Mann habe sie ein großes Stück in ihre Rolle gedrängt, sagte sie. „Und wenn ich es im Nachhinein betrachte, rächt sich dies auch in der Beziehung“, sagte sie. Aber nicht nur ihr Mann habe kaum erkannt, wie schlecht es ihr oft in der gesamten Amtszeit gegangen sei, auch dem Bundespräsidialamt nehme sie es heute noch übel, „dass sie nicht realisierten, unter welchem innerlichen Druck ich stand“, sagt sie der „Brigitte“.

Über die Zeit vor dem Rücktritt ihres Mannes sagte sie: „So etwas kann eine Beziehung nur eine bestimmte Zeit lang durchleben und ertragen, sonst wird zu viel in Mitleidenschaft gezogen.“ Inzwischen hat sie mit ihrem Mann eine therapeutische Behandlung begonnen.

Bewusste Distanzierung

Wie Bettina Wulff weiter sagte, habe sie sich bei seiner Rücktrittsrede im Februar bewusst von ihrem Mann entfernt hingestellt. Sie habe allen zeigen wollen, dass sie auch eine eigenständige Frau sei. Sie habe sich geärgert und würde sich immer noch ärgern, dass sie mit ihm oftmals über einen Kamm geschoren und in einen Topf geworfen worden sei. Nach dem Skandal um ihren Mann sehne sie sich außerdem nach einem normalen Leben.

„Ich möchte wieder in die Öffentlichkeit gehen können, wenn ich es will“, sagte sie der Zeitschrift „Gala“. Seit vier Monaten sei sie wieder in ihrem alten Beruf als selbstständige PR-Beraterin tätig.

„Ich arbeite mal drei Wochen am Stück, um dann wieder die nächsten zwei Wochen zu Hause mit meinen Kindern zu sein“, sagte Wulff. „Das schätze ich sehr. Ich kann mein Leben wieder freier leben“, fügte sie hinzu. Nur Hausfrau zu sein, das käme für Bettina Wulff nicht infrage: „Das macht mich unleidlich, auch den Kindern gegenüber.“

Anlass für die Äußerungen der ehemaligen First Lady ist ihr Buch „Jenseits des Protokolls“. „Ich habe in den letzten Jahren viele Dinge hingenommen aus Respekt vor der Position meines Mannes. Jetzt, wo diese Zeit vorbei ist, hatte ich das Gefühl, für meine Familie und meine Kinder die Dinge noch einmal ins rechte Licht rücken zu müssen“, sagt Bettina Wulff der Zeitschrift weiter. Experten werfen Bettina Wulff eine Inszenierungskampagne vor. Klaus Kocks, Professor für Kommunikationsmanagement an der Hochschule Osnabrück, bezeichnete ihre Vorstöße als „PR-Kaspereien“. Die 38-Jährige sei „Opfer eines wirklich infamen Rufmordes, an dem sie sich nun auch noch zur Mittäterin macht“, sagte Kocks.

Nur eine PR-Posse?

Er ergänzte: „Zur großen Tragik ihrer Verteidigungsversuche gehört, dass sie das Problem durch PR-Possen radikal verschärft statt es zu mildern oder gar zu lösen.“ Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister hält das Vorgehen der ehemaligen First Lady für „orchestriert“. „Solche Zufälle gibt es gar nicht“, sagte er im Deutschlandradio mit Blick auf die zeitgleichen Klagen von Bettina Wulff gegen den Internetkonzern Google und TV-Moderator Günther Jauch.

Seit Kurzem ist Bettina Wulffs Biografie „Jenseits des Protokolls“ im Handel erhältlich. Bettina Wulff berichtet vor allem von ihren Erlebnissen während der 598 Tage dauernden Präsidentschaft ihres Mannes. Außerdem räumt sie in ihrem Buch auch endgültig mit den seit Jahren schwelenden Gerüchten auf, sie habe in Hannover im Rotlichtmilieu gearbeitet. Sie weist alle Spekulationen zurück und vermutet eine Intrige, hinter denen Gegner ihres Mannes stecken.

Das Buch geht mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren an den Start. Der Veröffentlichungstermin wurde kurzfristig von November auf September vorgezogen. Bei dem Internetversandhandel Amazon ist die Biografie auf Platz acht der Bestsellerliste geschnellt. Unter den Politikbüchern ist es inzwischen die Nummer eins. pa/AFP/dapd/kami