Klima

Warnung vor Wirbelsturm im Mittelmeer

Meteorologen sagen einen "Medicane" voraus - stark wie ein Hurrikan wird er aber wohl nicht

- Wer am Dienstag im Mittelmeer bei Sardinen mit seiner Yacht unterwegs ist, könnte von einer sehr steifen Brise erfasst werden. Ein "Medicane" baut sich im Mittelmeer auf, eine Wortschöpfung aus "mediterran" und "Hurricane". Schon liest man in Meldungen, atmosphärische Kapriolen würden Italien einen tropischen Wirbelsturm bescheren.

Eine haltlose Übertreibung zwar, aber Meteorologen sprechen von einem "Tropensturm" und gehen davon aus, dass die Windgeschwindigkeiten nahe an die eines leichten Hurrikans herankommen, mit gut 100 Stundenkilometern (zum Vergleich: Drei Orkane in den 90er-Jahren über Deutschland erreichten über 280 km/h).

Bora, Mistral, Scirocco, die Vielfalt der Winde ist groß im Mittelmeer, sie stürmen aus den Flussmündungen, vom Gebirge hinab, tragen Wüstensand nach Europa. Ein Medicane entsteht, wenn das herbstliche Meerwasser noch warm ist und plötzlich auf kalte Luft aus Nordeuropa trifft.

Die aufsteigende, feuchte Wärme führt in den kühleren Höhen zu enormer Kondensation, Wolkenwirbel entstehen, sie beginnen zu kreisen - und schon ist der Wirbelsturm da. Auch im Oktober 2011 gab es vor Süditalien einen Medicane, allerdings einen mäßigen.

Das Mittelmeer, das vergleichsweise still anmutet, ist nicht nur tief, sondern auch tückisch. 2010 tötete eine Monsterwelle beim Kreuzfahrtschiff "Louis Majesty" zwei Menschen im fünften Oberdeck, 2005 legte ein Medicane bei einem Kreuzfahrtschiff die Maschine lahm.

Auch Mitteleuropa können mediterrane Wirbelstürme treffen. Wenn ein "Genuazyklon" die gefürchtete "Vb"-Wetterlage bewirkt, Unmengen von Wasser aufsaugt und um die Alpen herum trägt. So kamen die Schneemassen heran, die in Bad Reichenhall 15 Menschen unter einer Turnhalle begruben, aber auch jene Fluten, die die Deiche der Oder zerbrachen.