"Sprachpanscher des Jahres"

Sprachschützer verstehen Karstadts Werbung nicht

Karstadt-Chef Andrew Jennings ist zum "Sprachpanscher des Jahres" ernannt worden.

- Der Verein Deutsche Sprache hat also ausgerechnet einen Briten aufs Korn genommen - für den deutschenglischen Sprachmischmasch bei Karstadt. Seit Jennings auf dem Chefposten sei, werbe die Kaufhauskette noch konsequenter als vorher mit Begriffen wie "modern and full of life", "Midseason-Sale" oder "home-style".

Karstadt-Filialen seien für Kunden ohne Englischkenntnisse kaum zu verstehen, kritisierte der Vereinsvorsitzende Walter Krämer. Mit der Negativ-Auszeichnung wolle der Verein Jennings daran erinnern, dass die Kaufhäuser nicht in Liverpool und London, sondern in Wuppertal, Berlin und München stehen. Jennings ist seit Anfang 2011 Chef bei Karstadt.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 entging nur knapp der zweifelhaften Ehrung. Mit 1490 Stimmen blieb die Fernsehgruppe 31 Zähler hinter Jennings mit Karstadt. Den Sprachschützern seien die "denglischen Fernsehproduktionen" mit "Germany's Next Topmodel", "talk talk talk" oder "Lifestyle & More" schon lange ein Dorn im Auge. Platz drei erreichte die Vorsitzende der CSU-Frauenunion, Angelika Niebler, die Erfinderin der Parteifeier "Lounge in the City". Seit 2011 lade sie in bayerischen Städten zur "Ladies After Work Party, powered by CSU" unter dem Motto "High Politics and High Heels" ein.

Der Verein wählt seit 1998 den Sprachpanscher, der laut Satzung für das unnötige und fortgesetzte Verdrängen deutscher Wörter durch angelsächsische Importe steht. Frühere Panscher sind René Obermann (Deutsche Telekom 2011) oder Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn 2007).