Interview mit Erich von Däniken

Wie sehen Aliens aus, Herr von Däniken?

Der Schweizer Autor über die Frage, ob dieses Jahr die Welt untergeht oder die Rückkehr der Götter

- Hochwassergefahr in Interlaken, warnen die Schweizer Behörden an dem Abend, bevor das Gespräch über die Apokalypse stattfinden soll, wie passend. Doch über Nacht lässt der Regen nach, und am Morgen sinken die Pegel bereits wieder. Ein Turm mit einer riesigen weißen Kuppel darauf weist den Weg zu Erich von Däniken. Der Autor empfängt den Besucher in seinem mit Büchern vollgestopften Büro im dritten Stock eines Neubaus. Auf dem Konferenztisch stapeln sich Karten, Aschenbecher und noch mehr Bücher. Däniken schenkt Light-Limonade ein und zündet sich die erste von vielen Zigaretten an. Mit ihm spricht Elisalex Henckel

Berliner Morgenpost:

Herr von Däniken, Sie müssen dieses Jahr sehr beschäftigt sein.

Erich von Däniken:

Ja, diese blöde Maya-Kalender-Geschichte. Plötzlich wollen alle möglichen Leute den Däniken haben.

Die Leute wollen wissen, ob Ende des Jahres die Welt untergeht?

Nicht nur, aber auch.

Und, wird sie untergehen?

Nein! Alles Quatsch, dieses ganze Gerede vom Weltuntergang.

Sie reden und schreiben schon seit Jahren über den Dezember 2012.

Aber ich habe immer darauf hingewiesen, dass im Maya-Kalender nirgendwo was von Weltuntergang steht.

Warum haben Sie ihm dann ein Buch und zahlreiche Vorträge gewidmet?

Weil er Ende des Jahres ausläuft, und die Mayas glaubten, dann würden die Götter zurück auf die Erde kommen. Diese Rückkehr ist ein Motiv, das so gut wie alle Kulturen der Antike kannten, genauso wie Religionen heute. Ich sage: Sie irren alle. Es kommt kein Heilsbringer irgendeiner Religion. Es kommen ganz einfach Außerirdische. Wie sie es versprochen haben.

Die waren schon einmal da?

Ja. Ein paar Menschen haben ihre Sprache gelernt, und beim Abschied haben die Außerirdischen gesagt: Wir kommen wieder.

Und wie sehen Außerirdische aus?

Irgendwie humanoid. Kritiker sagen oft, wenn es schon Außerirdische gibt, wäre es ein riesiger Zufall, wenn sie uns ähnelten. Aber es ist ja umgekehrt: Wir ähneln ihnen. In den alten Texten heißt es nicht ohne Grund: Die Götter schufen die Menschen nach ihrem Ebenbild.

Inzwischen gibt es eine neuere Theorie, sie heißt Evolution.

Sie müssen sich das so vorstellen: Irgendwo entstand mal die erste Lebensform und die hatte den Drang, sich im Universum auszubreiten. Sie schickt also ein paar Tonnen Lebensbausteine, bei uns wäre das DNA, hinaus ins Universum. Ein kleiner Teil davon landet auf ähnlichen Planeten wie ihrem eigenen - und jetzt erst beginnt die Evolution ...

Warum kamen sie dann noch selbst?

Das waren so etwas wie Ethnologen. Sie haben bestimmte Stämme untersucht, freundlicherweise ein paar Ratschläge gegeben und dann ein paar Menschen mitgenommen und zu Dolmetschern ausgebildet. Henoch, zum Beispiel. Das Buch Henoch schildert, wie die Wächter des Himmels, Außerirdische in meiner Diktion, herniederkommen, um Sex mit den Menschentöchtern zu haben, obwohl der Höchste in dem Spiel, also der Raumschiffkommandant, das nicht gestattete.

Die Aliens hatten Sex mit Menschen?

Diese perverse Idee stammt nicht von mir, sondern aus der Bibel (zitiert aus dem Ersten Buch Mose): "Als aber die Gottessöhne sahen, dass die Töchter der Menschen schön waren, nahmen sie sie zu Weibern, welche sie nur wollten." Und warum sollten sie wiederkommen? Nachdem wir Atombomben gezündet haben und das Internet entwickelt, hat vielleicht einer im galaktischen Klub gesagt: Die kommen langsam in ein gefährliches technisches Zeitalter. Wir sollten Kontakt aufnehmen. Nach dem Rechten sehen. Helfen.

Die beobachten uns?

Ja, die Erde ist für die ein Zoo, und wir mit allen Tieren zusammen dessen Bewohner.

Wann genau erwarten Sie denn die Außerirdischen?

Im mexikanischen Ort Tortuguera gibt es eine Pyramide, auf der steht, "Bolon Yokte wird herniedersteigen in Macht und Herrlichkeit": Das war einer der Götter, der bei der Erschaffung der Menschen dabei war - und dahinter steht ein Datum. Übersetzt: der 21. Dezember 2012. Nur - man kann sich nicht drauf verlassen.

Sind Sie jetzt vorsichtiger geworden, weil der Tag näher rückt?

Nein, das habe ich immer gesagt. Es könnte ja auch unter den Maya-Priestern Spinner gegeben haben. Und selbst wenn sie recht hatten, bei der Umrechnung auf den christlichen Kalender kann immer noch ein Fehler passieren.

Was halten Sie denn für den wahrscheinlichsten Zeitpunkt?

Ich hoffe einfach, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre etwas passiert.

Was macht Sie so sicher, dass die in friedlicher Absicht kommen?

Die alten Historiker schildern die Götter als hilfreiche Lehrmeister. Diodor etwa schreibt, dass es die Götter waren, die den Menschen beigebracht haben, sich nicht mehr aufzufressen. Und auch ich nehme an, wenn man die Technologie hat, um Lichtjahre zu überbrücken, ist man nicht mehr primitiv, dann schießt man nicht rum wie in einem von diesen blöden Science-Fiction-Filmen.

Warum glauben Sie, Dinge zu erkennen, die andere nicht sehen?

Archäologen, Theologen und all die anderen Wissenschaftler, die ich kenne, sind alles brillante Leute, die meisten sogar integer und geistreich, aber sie haben einen Tunnelblick. Ein Ägyptologe weiß nichts über die Inka. Ich hingegen weiß von jedem Bereich viel weniger als die Fachleute, aber ich ziehe Querverbindungen, die anderen nicht auffallen.

Warum haben Sie nie studiert?

Mir fehlte das Geld. Meine Großmutter hatte ein Restaurant in St. Gallen und mich immer unterstützt, mit ein paar Banknoten und so. Und die hat gesagt, Erich, du kommst dann in die Gastronomie. Dann hab' ich halt die Kellnerlehre gemacht und das wohl auch gut so. Wenn ich studiert hätte, würde ich vielleicht alles so sehen wie die anderen Wissenschaftler. Wäre kein freier Verstand mehr, sondern eingezwängt in Schemata wie sie. Die Innovationen müssen immer von außen kommen.

Stört es Sie, dass Wissenschaftler über Sie lachen?

Am Anfang hat es das, jetzt schon lange nicht mehr. Es sind die Fantasten, die die Welt in Atem halten, nicht die Erbsenzähler.

Seit wann sind Sie sicher, dass es Außerirdische gibt?

Ich war auf einem katholischen Internat und musste mich viel mit Religion beschäftigen. Und da hat mich einiges stutzig gemacht. Nehmen Sie den Fall Hesekiel: Der beschreibt ein Fahrzeug, das herniederfährt. Das passt nicht zu meinem Gott, dachte ich. Mein Gott fährt nicht in einem Fahrzeug herum, mein Gott ist allgegenwärtig, mein Gott ist zeitlos.

Ihr Gott?

Ja, ich bin immer noch ein gläubiger Mensch und bete jeden Abend. Nicht zu Jesus oder der Muttergottes, sondern dem, was ich grandioser Geist der Schöpfung nenne.

Und wofür?

Ich danke für dieses unsagbar herrliche Universum. Es ist doch phänomenal, hier zu sein, all diese Abenteuer erleben zu dürfen. Auch wenn es von Idioten nur so wimmelt auf diesem Planeten, sie ist und bleibt eine wunderbare kleine Kugel.