Unglück

Costa Concordia: Kapitän meldet sich bei Hinterbliebenen

Als Kevin Rebello (38) vor einigen Wochen das erste Interview mit Francesco Schettino im Fernsehen sah, wurde er stutzig.

- Nicht, weil der ehemalige Kapitän des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia", bei dessen Havarie 32 Menschen starben, sich selbst als "Opfer" bezeichnete. Sondern weil der wegen fahrlässiger Tötung Angeklagte "versprach, dass er sich bei den Hinterbliebenen melden wird", erzählt Rebello, der bei dem Schiffsunglück am 13. Januar seinen Bruder verloren hat, am Telefon der "Berliner Morgenpost". Rebello nahm den Kapitän beim Wort und schrieb ihm eine Mail: "Ich habe Schettino gesagt, dass ich ihn nicht beschimpfen möchte." Drei Tage später klingelte sein Telefon.

"Wir haben 45 Minuten geredet, von Mann zu Mann. Es war ein gutes Gespräch", sagt Rebello. Er und sein Bruder Russel (32) sind in Indien geboren und vor Jahren nach Italien ausgewandert. Russel hatte auf der "Concordia" als Kellner gearbeitet. Für dessen Tod habe sich der Kapitän nicht direkt entschuldigt. Aber Schettino habe ihm gesagt, dass es ihm leid tue, wie die Dinge gelaufen seien - er sei "sehr traurig" darüber. Zudem habe er erklärt, dass er nicht der Alleinschuldige an der Katastrophe sei. "Das wird alles noch ans Tageslicht kommen", soll Schettino gesagt haben.

Schettino hat Rebello zu einem weiteren Treffen eingeladen. Er werde die Einladung wohl annehmen, sagt Rebello. Der Kapitän mache schließlich eine schwierige Phase durch, was er nachvollziehen könne: "Ich habe seinen Schmerz verstanden - und er meinen."