Naturkatastrophe

Erdbeben: Iran lehnt Auslandshilfe ab

Die Zahl der Toten steigt auf über 300. Furcht vor Ausbruch von Seuchen

- Nach den verheerenden Erdbeben mit über 300 Toten wächst im Iran die Angst vor Seuchen. Angesichts fehlender sanitärer Einrichtungen für die obdachlos gewordenen Überlebenden und der vielen Tierkadaver warnte der Chef der Rettungsdienste, Gholamresa Masumi, vor einem möglichen Ausbruch ansteckender Krankheiten. Die Regierung versprach nach ihrem Verzicht auf ausländische Hilfe den Opfern finanzielle Hilfe.

Die Zahl der Toten stieg auf 306, darunter vor allem Frauen und Kinder, wie Gesundheitsministerin Marsieh Wahid Dastdscherdi vor dem Parlament sagte. Mehr als 2000 der insgesamt 3037 Verletzten hätten vor Ort versorgt werden können, die anderen seien in Krankenhäuser gebracht worden, ergänzte die Ministerin. Die Suche nach weiteren Opfern in der vorwiegend ländlichen Bergregion im Nordwesten des Landes gehe weiter.

Der für das Krisenmanagement zuständige Vizeinnenminister Hassan Ghadami sagte, die Menschen seien in den ersten Stunden nach den Beben aufgrund "der Masse an schlammigem Geröll" und der "alten Häuserstruktur" ums Leben gekommen. Laut dem iranischen Roten Halbmond wurden 230 Dörfer "zu 70 bis 100 Prozent" zerstört. Die Hilfsorganisation leistete bereits Unterstützung für mehr als 16.000 obdachlos gewordene Menschen. Demnach wurden sie in Zelten untergebracht. Zudem seien sie mit Wasser, Decken und Lebensmitteln versorgt worden. Allerdings sei das Risiko von Seuchen angesichts der notdürftigen Sanitäreinrichtungen für die Opfer äußerst hoch, warnte der Chef der Rettungsdienste, Masumi. Neben den unhygienischen Lebensbedingungen und mangelndem Wasser seien auch die zahlreichen Tierkadaver in der Region eine Gefahr für die Überlebenden.

Die iranische Regierung rief einen Hilfsfonds für die Obdachlosen ins Leben. Sie sicherte jeder betroffenen Familie eine Direkthilfe von umgerechnet rund 1600 Euro zu, wie Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi mitteilte. Zudem sollten sie zinsgünstige Kredite erhalten, um ihre Häuser wiederaufbauen zu können. Mit dem Wiederaufbau müsse angesichts des bevorstehenden harschen Winters in der Region sofort begonnen werden, mahnte Vizeinnenminister Ghadami.

Der Nordwesten des Iran war am Sonnabend kurz nacheinander von zwei Erdstößen der Stärke 6,3 und 6,4 erschüttert worden. Betroffen war die Bergregion um die Städte Warsakan, Ahar und Heris in der Provinz Ost-Aserbaidschan. Die Regierung lehnte Hilfsangebote ab aus dem Ausland, darunter von Deutschland und den USA. Wie das Staatsfernsehen berichtete, traf aber ein mit Lebensmitteln, Zelten und Heizgeräten beladener Frachter aus der Türkei im Iran ein.