Erfolgsgeschichte

In den Fängen des Spinnenmanns

Peter Parker, alias Spiderman, gilt als Deutschlands beliebtester Superheld. Heute wird die Comicfigur 50 Jahre alt

- Er klettert Wände hoch, versprüht extrem reißfeste Netze und verfügt über den "Spinnensinn", der ihn vor Gefahren warnt. Heute wird Spiderman 50 Jahre alt und noch immer schwingt sich der Superheld, der im bürgerlichen Leben Peter Benjamin Parker heißt, an seinen Netzen und Fäden durch die Hochhausschluchten New Yorks. Spidermans Erfolgsgeschichte begann am 10. August 1962, als er das erste Mal in einem US-Comic erschien.

In Deutschland brachte der Bildschriftenverlag die Abenteuer Mitte der 1960er Jahre unter dem Namen "Die Spinne" auf den Markt. Die Figur gewann schnell Leser und ist seitdem kaum noch wegzudenken aus den Comicregalen. "Spiderman ist Deutschlands erfolgreichster Superheld, noch vor Batman und Superman", sagt Steffen Volkmer, Sprecher des Panini-Verlags, der die Abenteuer der von Stan Lee und Steve Ditko geschaffenen Figur mittlerweile hierzulande herausbringt. In den USA gehört Spiderman zu den Stars des Comicverlags Marvel, der 2009 von Walt Disney übernommen wurde. Keine andere Superhelden-Reihe sei, so Volkmer, wie Spiderman ununterbrochen an den Kiosken angeboten worden. "In der Hauptserie liegen die monatlichen Verkaufszahlen zwischen 10.000 und 20.000", sagt Volkmer.

"Lange Zeit mussten Comics in Deutschland mit dem Makel leben, als verdummend zu gelten", befindet der 42-Jährige, der selbst seit seiner Jugend Spiderman-Fan ist. Früher hätten oft Großmütter die bunten Hefte für ihre Enkel gekauft - "und da war 'Die Spinne' als netter Junge von nebenan ein gutes Geschenk", sagt Volkmer. "Superman wirkt daneben doch bierernst, Batman fast bedrohlich."

Familientauglicher neuer Film

Das Familientaugliche an Spiderman lässt sich auch an den erfolgreichen Kinofilmen erahnen. Derzeit ist "The Amazing Spider-Man" von Marc Webb mit Andrew Garfield (28, "The Social Network") als Spiderman und in den Kinos zu sehen, freigegeben ab zwölf Jahren.

Davor drehte Regisseur Sam Raimi eine dreiteilige Filmreihe, in der Tobey Maguire den Superhelden verkörperte. Peter Parker wächst als Waisenkind bei Onkel und Tante auf. Der Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne verleiht ihm Superkräfte. Als der Onkel ermordet wird, entscheidet Parker, als Spiderman Verbrecher zu jagen. Im ersten Teil der Serie von 2002 kämpft Spiderman gegen das Böse, das New York in Form des Grünen Kobold (Willem Dafoe) heimsucht. Nebenbei rettet er bei jeder Gelegenheit die schöne Nachbarstochter Mary Jane (Kirsten Dunst). Im zweiten Teil von 2004 hat Peter Parker genug vom Heldsein, er wirft sein Spinnenkostüm in den Mülleimer, auch mit Mary Jane geht nichts voran. Doch dann taucht Bösewicht Doc Ock auf, der New York gefährlich wird, und Parker muss als Spiderman zurückkehren.

In dem letzten Teil der Trilogie von 2007 bekommen Peter Parker und sein Alter Ego es gleich mit mehreren Gegnern zu tun. Nicht nur mit Erzfeind Sandman Flint Marko, sondern auch mit seinem langjähreigen Freund Harry Osborn (James Franco) spitzt sich der Konflikt zu. Dabei tritt Harry in die Fußstapfen seines Vaters und wird zu einem zweiten Grünen Kobold. Als ob dies alles nicht schon genug wäre, gilt es, auch dem mysteriösen Venom Einhalt zu gebieten. Und wie immer: die problematische Beziehung zur Jugendliebe Mary Jane zerrt an den Nerven des Helden.

Nach den Blockbuster-Erfolgen der Filmreihe haben sich selbst die UN in ihrer Außendarstellung wiederholt auf das positive Image Spidermans verlassen und warben mit ihm um Spenden. Soviel Ruhm lockt Nachahmer: Der französische Extremkletterer Alain Robert hat bei seinen Fassadenbesteigungen mehrfach das passende Kostüm getragen und ist deshalb auch als Spiderman bekannt. In Japan wurde Spiderman Ende der 1970er Jahre in eine Fernsehserie integriert, die bis heute im Internet Kultcharakter hat. Ob als Karnevalskostüm, Computerspiel oder Kaugummi - Fanartikel des Spinnenmanns gibt es viele.

Fan gibt sechsstellige Summe aus

Deutschlands wohl größter Spiderman-Fan heißt Peter Stangenberg. "Sechsstellig" hat er nach eigenen Angaben in sein Hobby investiert, zwei Zimmer daheim sind für Spiderman reserviert. "Das ist mein Jahr", sagt Stangenberg zum Jubiläum. Zur Spiderman-Ausstellung beim Comic-Salon in Erlangen durfte er Exponate beisteuern, und schon im April diesen Jahres traf der 51-Jährige in den USA Spiderman-Erfinder Stan Lee.

"Dessen Unterschrift habe ich mir jetzt tätowieren lassen", erzählt Stangenberg, der vor der Frührente als Justizvollzugsbeamter arbeitete. "Jeder Sammler hat ja einen an der Birne", gesteht er selbstkritisch ein. Spiderman habe ihn schon seit der Kindheit fasziniert. "Dieser Heranwachsende mit Brille, eigentlich ein Schwächling - also Peter Parker war uns schon sehr ähnlich", beschreibt Peter Stangenberg sein Motiv. "Superhelden mit echten Superkräften wie der im Grunde unschlagbare Superman sind nicht so mein Ding."

Dass Spiderman nicht unsterblich ist, musste der Superheld im vergangenen Jahr erfahren. In der Comicwelt der Nebenserie "Ultimate Universe" verlor Spiderman seinen letzten Kampf gegen den Grünen Kobold (Green Goblin) und wurde von einem farbigen Jungen aus Brooklyn abgelöst.