Schmerzensgeld

Wenn das Wildschwein beißt, muss der Besitzer haften

Ein extrem bissiges Wildschwein hat das Oberlandesgericht in München beschäftigt. Der 150 Kilogramm schwere Keiler hatte seinen Käufer so schwer verletzt, dass der Mann bleibende Schäden davontrug.

- Nun hat das Gericht dem 42-Jährigen ein Schmerzensgeld von 7500 Euro zugesprochen sowie 75 Prozent seines Verdienstausfalls seit dem Unglück - und den gleichen Prozentsatz "künftiger materieller und immaterieller Schäden" (Az.: 20 U 1121/12). Das Landgericht Landshut hatte die Forderung in erster Instanz komplett abgewiesen.

Betäubung nicht gewünscht

Das Unglück geschieht im September 2009 im "Bayern-Park" im niederbayerischen Reisbach. Der Kläger, damals Besitzer eines Wildparks in Oberösterreich, will den siebenjährigen Keiler abholen. Er bezahlt rund 150 Euro und will das Tier in den Anhänger verladen. Doch da kippt ein Absperrgitter um, der Keiler flieht. Eine Betäubungsspritze hält der Käufer, ein gelernter Tierpfleger, für unnötig. Er versucht, das große Schwein mit Spanngurten einzufangen. Dabei kommt es zu dem Malheur: Das Wildschwein greift an, der 42-Jährige trägt mehrere Bisswunden davon. Während er vom Notarzt in ein Passauer Krankenhaus gebracht wird, versuchen Polizeibeamte vergeblich, den Keiler zu bändigen. Schließlich bleibt nur eine tödliche Salve aus der Maschinenpistole.

Der Käufer hat bleibende Schäden davongetragen: Sein linker Arm und seine linke Hand bleiben in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Anwalt Chrysant Fischer sagte: "Die körperliche Leistungsfähigkeit ist stark beeinträchtigt. Für ein Arbeitstier wie den Kläger ist das eine schwerwiegende Sache." Dies hatte die österreichische Sozialversicherung ähnlich gesehen und die Attacke als Arbeitsunfall mit 35-prozentiger Erwerbsminderung und Rentenanspruch anerkannt.

Nach Ansicht des Klägers muss der niederbayerische Freizeitpark als Halter des Keilers haften. Die Vorsitzende Richterin Andrea Kempmann gab dem Kläger recht: Eine Haftungsbefreiung, weil der Keiler bereits in den Besitz des Klägers übergegangen sei, komme nicht infrage. Das Unternehmen sei verpflichtet gewesen, "das Tier ordnungsgemäß zu übergeben, das hat es unstreitig nicht getan".

Allerdings treffe den Verletzten eine Mitschuld: "Es war schon unvorsichtig, den Keiler nicht zu betäuben. Und höchst unvorsichtig, ihn mit bloßen Händen einfangen zu wollen." Die vom Kläger geltend gemachten 90.000 Euro hat das OLG dem Mann nicht zugesprochen.