Prozess

Verteidiger schickt "Pulver-Kurt" zum Psychiater

Überraschende Wende im Prozess gegen Waffennarr "Pulver-Kurt".

- Verteidiger Ulrich Stange beantragte in letzter Minute ein psychiatrisches Gutachten, das bestätigen soll: Der 64-jährige Rentner Kurt N., der zu Hause und in einer Scheune in der Nordpfalz große Mengen Waffen, Granaten und Sprengstoff gelagert hatte, leide an "Objektophilie". Daher sei er nicht oder nur eingeschränkt schuldfähig. Objektophilie sei ein psychischer Defekt, bei dem sich der Kranke unnatürlich stark zu Dingen hingezogen fühle, sagte Stange. Im Fall von Kurt N. sei die Sucht, Waffen und Sprengstoff zu besitzen, unwiderstehlich gewesen. "Er konnte, wenn ihm Waffen oder explosives Material angeboten wurde, nicht Nein sagen", so der Anwalt vor dem Bad Kreuznacher Landgericht.

Der Verteidiger hatte mit seinem Antrag fast bis zu den Plädoyers gewartet. Dem früheren Werkzeugmachermeister Kurt N. wird vorgeworfen, in 84 Fällen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, das Waffen- und das Sprengstoffgesetz verstoßen zu haben. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft. Von seinem Antrag, der verminderte Schuldfähigkeit belegen soll, erhofft sich der Verteidiger eine Bewährungsstrafe von unter zwei Jahren.

Der waffenbegeisterte N. hatte neben mehreren legalen Waffen auch ein riesiges Arsenal an illegalem Schießgerät zusammengetragen. Er habe aber fast alle Waffen und Sprengstoffe von anderen erhalten, die sie loswerden oder bei ihm aufbewahren wollten, sagte Kurt N. Handgranaten und eine Antipersonenmine will er von einem mittlerweile verstorbenen Bundeswehrsoldaten mit Trinkproblem bekommen haben.