Unglück

"Ihr bleibt in unseren Herzen"

Auch zwei Jahre nach der Massenpanik auf der Loveparade mit 21 Toten ist die Frage nach der Schuld offen

- Vor zwei Jahren kämpften Menschen hier im Techno-Lärm um ihr Leben, jetzt herrscht nur noch bedrücktes Schweigen: Zwei Jahre nach der Loveparade-Massenpanik mit 21 Toten sind am Dienstag Hunderte Angehörige und Betroffene zum gemeinsamen Trauern nach Duisburg gekommen.

Bereits in der Nacht zum Jahrestag fanden sich Trauernde am Unglücksort in der Nähe des Hauptbahnhofs ein. Mit unzähligen roten Grablichtern erinnerten sie an die Menschen, die am 24. Juli 2010 in einer Massenpanik ums Leben kamen. Im Gedränge waren damals außerdem mehr als 500 Besucher des Techno-Festivals verletzt worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt unterdessen weiter, ein Termin für eine Anklageerhebung steht noch nicht fest. "Es ist viel Zeit vergangen, und wir sind alle ungeduldig", sagt Jürgen Hagemann vom Verein Loveparade-Selbsthilfe, einem Zusammenschluss von Opfern und Hinterbliebenen. "Wir sehen aber auch, dass die Ermittlungen nach einem solchen Ereignis lange Zeit brauchen."

Wegen der tödlichen Massenpanik am einzigen Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände ermitteln die Strafverfolger weiterhin gegen 17 Beschuldigte: elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, fünf Beschäftigte des Loveparade-Veranstalters Lopavent und einen Polizisten. Klar scheint bisher lediglich, dass Verantwortliche fahrlässig gehandelt haben - sonst hätte die Techno-Veranstaltung auf einem eingezäunten alten Bahnhofsgelände wohl kaum so aus dem Ruder laufen können. Genau 3386 Zeugen hat die Polizei bisher vernommen, die Hauptakten des Verfahrens umfassen mittlerweile 30.000 Blatt. Ein Zeitpunkt für eine abschließende Entscheidung in dem aufwendigen Ermittlungsverfahren lasse sich aber auch weiter "nicht sicher vorhersagen", teilte Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch mit.

Doch trotz des Trauertags am Dienstag und der noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen stehen die Zeichen in Duisburg auf Neuanfang. Denn nachdem im Februar der langjährige CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt wurde, scheint sich das zuvor schwierige Verhältnis zwischen Hinterbliebenen der Opfer und der Stadt deutlich zu entspannen. Monatelang hatte Sauerland sich geweigert, zurückzutreten und damit die politische Verantwortung für das Loveparade-Desaster zu übernehmen. Nun scheint Duisburgs neues Stadtoberhaupt Sören Link (SPD) die Wogen glätten zu können.

So fasste der Duisburger Rat vor knapp drei Wochen, kurz nach der Wahl von Link, einen Beschluss, mit dem ein langes Tauziehen um die Größe der geplanten Gedenkstätte am Unglücksort beendet wurde: Der Plan für die Neubebauung des Unglücksgeländes durch einen privaten Investor sieht eine Fläche von 660 Quadratmetern für die Gedenkstätte vor.