Justiz

Stürmisch im Sinne der Anklage

Ein Bürgermeister verklagt einen Wetterdienst - für seine Regenprognose

- Der Wind bläst stark an diesem Möchtegern-Sommertag im Juli, der Himmel hängt voll grauer Wolken, nur selten lugt die Sonne hervor. Am Royal Zoute Golf Club zeigt das Thermometer am Mittag 19 Grad. Hier hat es sich Graf Leopold Lippens, 70 Jahre alt und seit 33 Jahren Bürgermeister von Knokke-Heist, auf einer Holzbank auf der Terrasse bequem gemacht. Es ist sein Reich, wie viele andere Häuser und Firmen gehört der Golfklub ihm und seiner adeligen Familie. Lippens hat kein Problem mit dem Wetter an sich, sondern mit den Menschen, die es vorhergesagt haben. Und zwar falsch. Mit gravierenden Folgen. "Ich will, dass dieser Laden zugemacht wird", sagt Lippens.

Der Bürgermeister will einen Wetterdienst und eine Zeitung auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagen. "Weil sie Müll veröffentlicht haben", poltert Lippens. Er meint einen Artikel in der belgischen Tageszeitung "Het Laatste Nieuws", erschienen am 5. Juli. Die Überschrift lautete: "Nur zwei Wochen Sommer". Ein Journalist interpretiert darin die Wettervorhersagen des privaten belgischen Wetterdienstes MétéoBelgique. Er schreibt, an der belgischen Küste würden die Menschen in diesem Sommer nicht viel zu lachen haben. Der Juli sei verregnet und kalt, erst im August würde zwei Wochen lang etwas Einzug halten, "das aussieht wie Sommer".

Bislang jedenfalls trafen die Vorhersagen weitgehend zu. Graf Lippens aber will das nicht wahrhaben, er sagt: "Ich könnte einen Frosch in ein Glas stecken und ihn fragen, ob im September die Sonne scheint. Diese Methode ist genauso zuverlässig wie die von dieser Firma." Jedenfalls sei dieser Zeitungsartikel die Menschen in Knokke-Heist teuer zu stehen gekommen. In den Tagen nach Erscheinen des Artikels hätten unzählige Touristen ihre Hotelzimmer und Ferienwohnungen in den Badeorten an der 67 Kilometer langen Nordseeküste storniert. Nicht zuletzt in Knokke-Heist, jener Kleinstadt mit 33.000 Einwohnern, in der vor allem reiche Belgier die Ferien verbringen und wo man Mondpreise für Immobilien zahlen muss.

"Wir haben mehrere Millionen Euro verloren", sagt Lippens. Spätestens zum Prozessbeginn sollen konkrete Zahlen vorliegen. Klar ist aber schon jetzt, "dass die, die diesen Schaden verursacht haben, dafür bezahlen müssen", sagt Lippens. Und er meint damit nicht Petrus.

Es gibt Menschen in dem Badeort, die ihren Bürgermeister nicht für voll nehmen, zumindest nicht, was diese Sache angeht. Ist alles nur eine PR-Aktion? Lippens geht es ums Prinzip. "Hier werden Menschen belogen, und niemand geht dagegen vor." Er hat mehrere Anwälte beauftragt, die eine Schadensersatzklage vorbereiten. Experten braucht der Graf für seinen Kreuzzug nicht. Sein Blick streift über das Grün des Golfplatzes. Knokke-Heist sei nicht Kalifornien, das sei ihm schon klar: "Aber wir haben auch Sonne, Strand und Meer. Die Lebensqualität bei uns ist hoch, alles ist sauber, sicher und schön."

Ob sie bei MétéoBelgique bereits nervös sind, ist unbekannt. Eine Interview-Anfrage lehnte der Wetterdienst ab. Stattdessen gab es eine schriftliche Stellungnahme. "Die Trends für die Saison sind Trends und keine Vorhersagen", steht darin, man gebe immer den rechtlichen Hinweis, dass MétéoBelgique keine Verantwortung dafür übernehme, was die Presse daraus macht. So sichern sich vermutlich alle Wetterstationen rund um den Globus ab, und daher könnte es eine schwierige Mission werden für den Grafen.