USA

Ein Mann und sein Auto - vereint nach über 40 Jahren

Autodiebe brachten Bob Russell um seine große Liebe. Im Internet fand er sie wieder

Der 11. Mai war ein besonderer Tag für Bob Russell. Der 66-Jährige war wieder vor dem Computer, durchforstete das Internet, hielt Ausschau nach dem Wagen, den man ihm gestohlen hatte. Und zwar vor 42 Jahren. "Bei Ebay hab ich regelmäßig gesucht, eigentlich, seitdem es die Seite gibt", sagt der pensionierte Verkaufsleiter, "und dann war er plötzlich da."

Das Gefährt, das er jahrzehntelang versuchte zu finden, ist ein Austin Healy 3000, Baujahr 1967, Zweisitzer. Der kleine Sportwagen verbraucht zwölf Liter auf 100 Kilometer, hat sechs Zylinder und braucht elf Sekunden, um von null auf hundert zu kommen. Er hatte ihn für 3000 Dollar 1968 von einem Freund gekauft. Das letzte Mal gesehen hatte er das Auto, als er 24 war. Russell studierte damals an der Temple University in Philadelphia. Eine Spritztour zum Central Park in New York dauert vom dortigen Campus knapp zwei Stunden.

Bis an die Küste braucht man nur eine. Man kann sich gut vorstellen, wie der junge Mann aus Texas mit einer hübschen Kommilitonin in seinen eleganten Sportwagen stieg und mit offenem Verdeck über den nächtlichen Highway fuhr. Eines Morgens, nach einem Rendezvous, verließ er die Wohnung von Cynthia, die er später heiraten würde, und suchte sein Auto, bis er merkte: Das Fahrzeug wurde geklaut. Als Student hatte er kein Geld für eine Versicherung. Er konnte nichts machen, als den Wagen bei der Polizei als gestohlen zu melden. Das war 1970.

"Dass die Karre noch existiert, war unwahrscheinlich. Genauso gut wäre es denkbar, dass jemand das Auto verschrottet oder kaputt gefahren hat", sagte der pensionierte Verkaufsleiter dem US-Sender Fox News. Aber Russell glaubte an seine alte Liebe. Über vier Jahrzehnte hielt er Ausschau nach dem Fahrzeug seiner Junggesellenzeit. Bei einer Reise nach Washington D. C. starrte er eine halbe Stunde lang auf einen parkenden Austin Healy. Aber nach einem besonderen Indiz, dass er sein altes Auto gefunden hatte, suchte er vergeblich.

Als er ihn Anfang Mai online entdeckte und die Fahrzeugnummern abglich, griff er augenblicklich zum Hörer. Das Telefonat mit dem Anbieter aus Los Angeles begann er mit den Worten: "Ich will nicht unhöflich klingen, aber Sie verkaufen mein Auto." Der Autohändler wehrte ab. Ihm sei vom Vorbesitzer versichert worden, der Wagen befinde sich seit 1970 in Familienbesitz. "Klar, da hat man mir die Karre auch geklaut", gab Russell zurück, "die haben mein Auto gestohlen oder vom Dieb gekauft."

Der Verkäufer offerierte dem 66-Jährigen, den Wagen für 24.000 Dollar als Sofortkauf zu nehmen. Aber Russell wollte beweisen, dass ihm das Auto schon gehörte, und wandte sich an die Polizei.

Die Datenbank des FBI war überfordert mit dem Fall. Die Fahndung war vor 37 Jahren eingestellt worden. Im Archiv von Beamten aus Philadelphia fand sich schließlich ein Dokument mit der Fahrzeugnummer, und Russell kam zu seinem Recht. Um das Fahrzeug auf Vordermann zu bringen, will der 66-Jährige nach dem langen Warten nicht sparen und erst mal 30.000 Dollar in die Hand nehmen.