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Ein Leben in Luxus - und im Drogenrausch

Eva Rausing, Frau des Tetra-Pak-Erben, stirbt in ihrer Londoner Villa. Das milliardenreiche Ehepaar hatte seit langem Suchtprobleme

Wer ihnen vor wenigen Wochen zufällig auf dem Bürgersteig in Londons Prestigeviertel Belgravia begegnet war, musste erschrecken über das Aussehen der beiden. Der Mann, 1963 geboren, gebückt, in schlabbernden Jeans, eine Baseballmütze auf dem Kopf, die Augen hinter der Brille starr nach vorn gerichtet, den Mund wie im Wahn halb geöffnet, Arme nach hinten geworfen - kurz, ein Bild des Niedergangs und sichtlicher Hoffnungslosigkeit. Die Frau, ein Jahr jünger als der Mann, mit eingefallenen Wangen und verhärmten Mundwinkeln, in knielang abgeschnittenen Shorts, die blonden Haare ungestylt beiderseits des Gesichts geteilt, ihr Blick ebenfalls unfokussiert und halb verkniffen - welche Erscheinungen!

Aber dies waren keine Vertreter der Londoner Unterschicht, im Gegenteil: Dies war Geldadel par excellence, Hans und Eva Louise Rausing, steinreiche Erben des berühmten Tetra-Pak-Unternehmens, das mit Verpackungen zur haltbaren Aufbewahrung von Milch und Fruchtsäften sich weltweit einen Namen und ein Vermögen gemacht hatte.

Aber die beiden Rausings waren in einer lebensbedrohenden Weise drogenabhängig. Das zerstörte nicht nur ihre Physiognomie, es zerstörte jetzt auch das Leben der Frau: Am Montagnachmittag fand die Polizei ihre Leiche in ihrem Haus an der Nobeladresse Cadogan Place in Belgravia. Ihr Mann war zuvor festgenommen worden, in bedenklichem gesundheitlichem Zustand. Sein Verhör musste unterbrochen werden, da er einen Kollaps erlitt und umgehend in eine Klinik eingeliefert wurde.

Die Obduktion von Mrs. Rausing (48) ergab noch keine Erklärung der Todesursache oder der Umstände ihres Todes. Spekulationen zufolge könnte die Tote schon einige Tage unentdeckt in der Villa gelegen haben.

Mordverdacht gegen Ehemann

Die Polizei hüllt sich in Schweigen, prüft aber das Video-Sicherheitssystem des Hauses, wohl um festzustellen, wann Eva Rausing das letzte Mal überhaupt lebend zu sehen war. Ein möglicher Mordverdacht gegen den Ehemann ist bisher nur dies - ein Verdacht. Rausings Familie äußerte sich "schockiert und traurig" über den Tod der Schwiegertochter. Die Cousine Kirsten sagte laut der Zeitung "Daily Telegraph", "Ich bin mir sicher, dass Hans Kristian nichts mit ihrem Tod zu tun hat."

Seit Hans Rausing 1995 seinen Anteil des Tetra-Pak-Erbes an seinen Bruder verkaufte, rangieren er und Eva Louise in allen Reichen-Listen unter den Spitzenreitern dieser Welt. In Großbritannien gehören sie zu den Supervermögenden mit geschätzten zehn Milliarden Dollar. Unter diesen Happy Few aber waren sie seit Langem die unglücklichsten, die man sich denken kann, scheinbar unheilbar ihrer Drogensucht ergeben. Drogenabhängigkeit plagte beide schon vor ihrer Hochzeit. Sie lernten sich Anfang der 80er-Jahre in einer Entzuganstalt kennen und schwankten ihr gemeinsames Leben lang zwischen Rückfall und neuem Entzug, Rückfall und Entzug. Vier Kinder, heute im Teenager-Alter, entstammen der Ehe.

In einer Erklärung zum Tode ihrer Tochter Eva Louise bekundeten am Mittwoch Nancy und Tom Kemeny (einst leitender Manager bei Pepsi-Cola) in den USA ihre tiefe Erschütterung. "Sie kämpfte tapfer und während vieler Jahre gegen ihre Gesundheitsprobleme an", schrieben sie, aber wiesen zugleich darauf hin, wie viele gemeinnützige Anliegen die Tochter im Laufe ihres Lebens unterstützt hatte, die alle mit dem Kampf gegen Drogen und die Folgen der Sucht zu tun hatten.

Mrs. Rausing war unter anderem führend in der karitativen Organisation Mentor tätig, die, einst von Schwedens Königin Silvia mitgegründet, sich international der Vorbeugung von Suchtabhängigkeit widmet. Beide Rausings unterstützten auch mit großen Stiftungsgeldern die gemeinnützige "Action on Addiction", die vornehmlich britischen Jugendlichen mit Alkohol- und Drogenproblemen zu helfen suchte. Überaus hilfsbereit, konnte Eva Rausing tragischerweise sich selbst gar nicht helfen. Das ging bis zu unerklärlicher Unachtsamkeit in der Öffentlichkeit im Umgang mit Substanzen, denen sie verfallen war. So wurde sie im April 2008 beim Betreten der US-Botschaft in London mit zehn Gramm Crack und 2,5 Gramm Heroin bei sich ertappt. Die Polizei fand anschließend 220 Milligramm der Anti-Panik-Droge Diazepam in ihrem Auto sowie 50 Gramm Kokain während einer Durchsuchung des Rausingschen Anwesens in Chelsea.

Die Frau entschuldigte sich damals auf den Stufen ihres fünf Millionen Pfund (6,3 Millionen Euro) teuren Stadthauses. "Ich habe einen schweren Fehler begangen" sagte sie vor der Presse, "indem ich meiner Meinung nach im Verlauf meines Lebens die falsche Richtung einschlug." Das Eingeständnis der Reue und der Besserung ersparte ihr seinerzeit eine Gefängnisstrafe - sie kam mit einer polizeilichen Verwarnung davon, was Kritiker damit quittierten, dass die Reichen sich eben freikaufen könnten, während kleinere Missetäter härter gestraft würden. Jetzt schlug das Schicksal zu, härter, als die Justiz es vermocht hätte.