Gedenkfeier

1000 Menschen trauern um die Geisel-Opfer in Karlsruhe

Behutsam entzündet der ältere Mann die Kerze. "Notfallseelsorger" steht auf seiner Sicherheitsjacke.

- Er stellt die Kerze neben drei andere auf den Altar. Eine Kerze für jeden Menschen, den der Geiselnehmer am 4. Juli in Karlsruhe erschossen hat: für seine 55 Jahre alte Lebensgefährtin, für den 47 Jahre alten Gerichtsvollzieher, den 33 Jahre alten türkischen Schlosser und den 49-jährigen Wohnungseigentümer.

Eine Woche nach der schrecklichen Tat hat die Stadt die Gedenkfeier organisiert. Gegen neun Uhr war die Polizei damals alarmiert worden - jetzt läuten zur Erinnerung alle Glocken. Die Stadtkirche ist fast komplett gefüllt, unter den 1000 Besuchern sind etliche Polizisten und Rettungskräfte. Mehr als 200 Beamte waren bei der Geiselnahme im Einsatz - am Ende konnten sie nur die Leichen bergen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist ebenfalls gekommen und wirkt sichtlich mitgenommen. "Das Land trauert mit Ihnen", sagt er zu den Angehörigen. Er selbst sei schockiert über die Brutalität des Täters. "Warum diese Gewalt?" Der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe, Heinz Fenrich, sagte bei dem Gedenkgottesdienst, die Geiselnahme habe Lebensplanungen und Lebensglück zerstört. Die Frage nach dem Warum könne vermutlich nie beantwortet werden. "Es hätte jeden von uns treffen können - das macht unsere Ohnmacht noch größer", betonte der CDU-Politiker. Er forderte dazu auf, nicht nebeneinander, sondern miteinander zu leben.

Die Ermittler rätseln noch immer, was den 53 Jahre alten Franzosen dazu getrieben hat, kurz vor einer Zwangsräumung seine Lebensgefährtin im Bett zu erschießen, dann Geiseln zu nehmen und drei von ihnen zu töten. Geldprobleme werden von den Ermittlern weitgehend ausgeschlossen.