Partnerschaft

Strauss-Kahn allein zu Haus

Der ehemalige Chef des IWF soll von seiner Frau Anne Sinclair verlassen worden sein

- Sie gelten als eines der glamourösesten Paare Frankreichs - und als eines, das in letzter Zeit die meisten Skandale aushalten musste. Nun sollen sich der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, und die bekannte Journalistin Anne Sinclair getrennt haben. Sinclair, die die französische Ausgabe der Internetzeitung "Huffington Post" leitet, soll ihren Ehemann bereits vor einem Monat aus der gemeinsamen Wohnung am edlen Place des Vosges im Pariser Marais-Viertel geworfen haben, berichten Medien in Frankreich. Strauss-Kahn soll zunächst in einem Hotel untergeschlüpft sein und inzwischen eine Wohnung im vornehmen 16. Arrondissement der französischen Hauptstadt bezogen haben, die Freunden von ihm gehört.

Niedergeschlagen und frustriert

Der 63-jährige Politiker, den viele kurz einfach nur DSK nennen, soll am Boden zerstört sein, heißt es. Nun soll die Beziehung darunter gelitten haben, dass sich DSK, frustriert über mangelnde Jobperspektiven, immer mehr aus dem Gesellschafsleben zurückgezogen habe. Denn er musste letztes Jahr bereits seinen Traum begraben, Ex-Präsident Nicolas Sarkozy an der Spitze des französischen Staats abzulösen. Nun hat ihn offenbar auch noch seine gleichaltrige Frau verlassen, nachdem es zunächst so schien, als würde sie seine Skandale und außerehelichen Eskapaden mit stoischer Ruhe ertragen.

Doch die Fassade täuschte offenbar. Schon im März erzählte sie in einem Interview, wie schwierig die zurückliegenden Monate für sie waren: "Es war eine harte Zeit und nicht die angenehmste Erfahrung mit der Presse." Und dann sagte sie außerdem noch, dass sie nicht der Typ sei, der schnell verzeihe.

Die sogenannte "Carlton"-Affäre in Frankreich soll für die Chefredakteurin der französischen "Huffington Post" nun der eine Skandal zu viel gewesen sein, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte. Die französische Justiz ermittelt nämlich gerade gegen den ehemaligen sozialistischen Wirtschaftsminister. Er wird verdächtigt, wissentlich an Sexpartys mit Prostituierten, die unter anderem im Hotel "Carlton" in Lille organisiert wurden, teilgenommen zu haben. Eines der Callgirls hatte sogar behauptet, sie sei während einer der dortigen Partys vergewaltigt worden.

Strauss-Kahn war von September 2007 bis zu seinem Rücktritt am 18. Mai 2011 Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er musste von seinem Amt an der Spitze des IWF zurücktreten, nachdem ihn ein Zimmermädchen des New Yorker "Sofitel"-Hotels wegen versuchter Vergewaltigung anzeigte. Zunächst war er festgenommen, später unter Hausarrest gestellt worden, nachdem Sinclair eine Kaution in Höhe von einer Million Euro zahlte. Die strafrechtliche Anklage wurde zwar fallen gelassen, doch Nafissatou Diallo, das Zimmermädchen aus dem "Sofitel", reichte eine zivilrechtliche Klage auf Schadensersatz ein. Das Verfahren ist noch nicht entschieden. Damals begrub Strauss-Kahn seine Pläne, als Kandidat der Sozialisten bei den Präsidentschaftswahlen gegen Nicolas Sarkozy anzutreten. Er galt als aussichtsreichster Kandidat.

Isoliert in der Partei

Inzwischen wurde statt ihm François Hollande gewählt, und Strauss-Kahn gilt in der eigenen Partei als isoliert. Als er Ende April auf der Geburtstagsfeier eines Abgeordneten auftauchte, verließen Parteigenossen wie Ségolène Royal empört das Fest. Sinclair soll ihrem Ehemann nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters nun auch vorwerfen, dass er sich daheim vergräbt und gesellschaftliche Anlässe meidet.

Das Paar, das sich während einer Fernsehsendung kennengelernt hatte, die die bekannte Journalistin damals moderierte, ist seit 20 Jahren verheiratet. Für die Enkelin des Kunsthändlers Paul Rosenberg, einst Galerist von Pablo Picasso, ist es die zweite Ehe, für Strauss-Kahn die dritte. Sinclair gilt als die vermögendere der beiden. So besitzt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern neben einer auf mehr als zehn Millionen Euro geschätzten Kunstsammlung ein luxuriöses Penthouse im 16. Arrondissement von Paris, eine Villa in Washington, einen Riad in Marrakesch und andere Immobilien. Dazu kommt das Appartement Place des Vosges, das das Paar gemeinsam gekauft hat. Strauss-Kahn - Ökonom, Anwalt, Politiker - dagegen galt zwar einst mit einem Jahresgehalt von mehr als 300.000 Euro als der am besten bezahlte Beamte Frankreichs, doch sein Privatvermögen ist eher gering. Er ist Vater von vier Töchter aus einer anderen Verbindung.

Sinclair war einst eine der Starmoderatorinnen des größten französischen Fernsehsenders TF1, doch als Strauss-Kahn 1997 Wirtschafts- und Finanzminister wurde, verzichtete sie auf ihre Fernsehkarriere und übernahm stattdessen die Leitung der Internetaktivitäten von TF1. Als ihr Mann seinen Posten wegen der Verwicklung in einen Skandal um fiktive Arbeitsplätze niederlegen musste, blieb sie an seiner Seite. Genau wie auch im Jahr 2008, als er bereits Chef des IWF in Washington war und mit einer Affäre mit einer Mitarbeiterin für einen weiteren Skandal sorgte.

"Jeder weiß, dass das Sachen sind, die im Leben von jedem Paar passieren können", schrieb sie damals in ihrem Blog. "Wir haben ein neues Kapitel begonnen." Strauss-Kahn und sie würden sich noch immer lieben wie am ersten Tag. Und doch muss es für die Powerfrau Sinclair nicht einfach gewesen sein, die ständig neuen Gerüchte über die Besuche ihres Gatten in Swingerclubs und bei Prostituierten zu ertragen. Strauss-Kahn sei als Ökonom brillant, aber sexbesessen, munkelte man in Paris.

Weder Sinclair noch Strauss-Kahn äußerten sich bisher offiziell zu den Trennungsgerüchten. Sie ließen über ihre Anwälte aber wissen, dass sie juristisch gegen die Zeitschrift "Closer" vorgehen wollen, "wegen Verletzung des Privatlebens".