Katastrophe

"Ein Feuersturm von epischem Ausmaß"

In den USA wüten Wald- und Buschbrände. Besonders betroffen ist der Staat Colorado

- Hunderte von Metern steigt die Rauchsäule in den Himmel. Beißender Gestank liegt in der Luft. In den Rocky Mountains toben die verheerendsten Waldbrände, die der US-Bundesstaat Colorado seit Langem erlebt hat. Und es gibt wenig Hoffnung, dass sich an der dramatischen Lage schnell etwas ändern könnte. Feuerwehrleute aus dem ganzen Bundesstaat kämpfen zwar unermüdlich gegen die verheerenden Brände an der "Mountain Range". Bis zum Donnerstag bekamen sie das Katastrophenfeuer trotzdem nicht in den Griff.

Die Flammen haben in den vergangenen Tagen immer größere Gebiete zerstört und zuletzt 36.000 Menschen in die Flucht getrieben. Gut 300 Häuser verbrannten zu Asche. Sturmböen mit Spitzenwerten von 145 Stundenkilometern hatten den Waldbrand im Waldo Canyon in der Nähe von Colorado Springs, der nach Denver zweitgrößten Stadt des Staates, weiter angefacht. "Normalerweise bläst der Wind aus einer Richtung", sagte Einsatzleiter Rich Harvey. Diesmal aber verhielten sich Wind und Brände "auf völlig unvorhersehbare Weise".

Insgesamt seien in den Katastrophenregionen Flächen von mehr als 730 Quadratkilometern abgebrannt, ließen die Krisenstäbe wissen. Laut Behörden konnten erst fünf Prozent des Waldbrandes nahe Colorado Springs eingedämmt werden. Meterhohe Flammen fraßen sich weiter durch die Häuserblocks. Die "Denver Post" zitierte den Feuerwehrchef von Colorado Springs, Richard Brown, mit den Worten, es handle sich um einen "Feuersturm epischen Ausmaßes".

Flucht vor den Flammen

In Notunterkünften warteten die Bewohner der evakuierten Häuser auf Nachrichten, ob ihr Hab und Gut von den Flammen zerstört wurde. Viele Menschen hatten auf ihrer Flucht keine persönlichen Gegenstände mitnehmen können. "Ich habe keine Kleidung - nichts", sagte Virginia Caldwell, während sie ihren 18 Monate alten Enkel in einer zur Rot-Kreuz-Unterkunft umfunktionierten Schule im Arm schaukelte. Berichte über Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Die Ursache der verheerenden Feuer blieb weiter unklar, auch Brandstiftung wurde ausdrücklich nicht mehr ausgeschlossen. "Das macht mich wütend und bringt mein Blut zum Kochen", sagte Colorados Gouverneur John Hickenlooper. "Es ruft eine physische Reaktion in mir hervor, daran zu denken, dass es da draußen jemanden gibt, der so etwas macht, nur um einen Kick und irgendeine Art Freude daraus zu bekommen."

Es sind nicht die ersten schweren Brände, die Hickenlooper als Gouverneur miterlebt. Doch dieses Mal sei alles schlimmer. Die Brände, die zerstörten Häuser, den Rauch zu sehen, das sei wie die "schlimmste vorstellbare Filmkulisse".

Ein Hoffnungsschimmer für die Menschen in Colorado Springs ist das Wetter: Abflauende Winde könnten den Feuerwehrleuten die Arbeit etwas erleichtern. Auch etwas kühlere Temperaturen sollten in den nächsten Tagen für Beruhigung sorgen, wie der Nationale Wetterdienst prognostizierte. Zuletzt war es sehr lange sehr heiß in dem Bundesstaat gewesen. Im Juni sei es in den vergangenen Jahren nie zu einer derartigen Hitzeperiode gekommen, berichten Anwohner.

Kleine Hoffnungszeichen

Immerhin: In Pagosa Springs, Durango und dem Mesa-Verde-Nationalpark seien die Brände vorerst unter Kontrolle. Das durch einen Blitzschlag ausgelöste High-Park-Feuer rund 100 Kilometer nordwestlich von Denver konnte zum Großteil unter Kontrolle gebracht werden. Die Flammen haben sich dort durch mehr als 35.000 Hektar Land gefressen.

Wegen der Großbrände haben bereits rund 30 Gemeinden in Colorado die zum US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli beliebten Feuerwerke abgesagt. Etliche touristische Sehenswürdigkeiten mussten geschlossen worden. Betroffen sind Attraktionen in Colorado Springs, wo die zerklüfteten roten Felsformationen der berühmten Garden of the Gods jährlich Tausende Besucher anziehen, in der Studentenstadt Boulder und in Fort Collins, teilte das Tourismusbüro mit.

Rund 40 Brände toben momentan im Westen der USA. Betroffen sind auch Utah, Montana, New Mexico und Wyoming. Rund 8400 Brandbekämpfer, 578 Löschfahrzeuge und 79 Löschhubschrauber sind im Einsatz. Tom Harbour, Direktor für die Verwaltung der Feuerbekämpfungskapazitäten und des Flugzeugeinsatzes der US-Forstbehörde sagte, es gebe im Westen der USA inzwischen ein Wettrennen, um die Feuerwehrkräfte und die Flugzeuge. Allerdings seien die Ressourcen zur Brandbekämpfung noch lange nicht ausgeschöpft. "Mit mehr als 10.000 Feuerwehrleuten im Dienst der Forstbehörde und der Möglichkeit über 700 Flugzeuge aller Art zu mobilisieren, sind wir beim Blick auf die gesamte Saison vorsichtig optimistisch."

Präsident Barack Obama wird am heutigen Freitag in das Katastrophengebiet fliegen und sich ein Bild von der Lage machen. Colorado gilt als einer der Staaten, in denen die Präsidentschaftswahl im November entschieden werden könnte.